Kfz-Zulassungszahlen in Erding:Die Blechlawine wächst und wächst

Lesezeit: 3 min

Auf jeden Erdinger kommt mittlerweile ein zugelassenes Fahrzeug. Die Corona-Pandemie hat nur Auswirkungen bei Bussen und Lastkraftwagen. Das E-Auto bleibt trotz hoher Zuwächse eine Randerscheinung mit 0,66 Prozent

Von Gerhard Wilhelm

Corona-Pandemie, unsichere Zeiten? Für viele spielt das offenbar keine Rolle, denn die Zahl der Kraftfahrzeuge auf den Erdinger Straßen nimmt stetig zu. Man möchte meinen, maximal um die Zahl der Zugezogenen, aber dem ist nicht so. Von Ende 2018 bis Mitte 2021 stieg die Bevölkerungszahl von 137 660 auf 139 413 - also um 1753 Personen jeglichen Alters. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Landkreis stieg allerdings um rund 6600 an. Nach Angaben des Landratsamtes waren zum Stichtag 2. Juli dieses Jahres 139 266 Fahrzeuge zugelassen. Davon 91 024 Autos. Darunter sind immer mehr E-Autos, vor allem Hybrid-Fahrzeuge.

139 266 Fahrzeuge

So viele waren zum Stichtag 2. Juli 2021 im Landkreis zugelassen.

Zum gleichen Zeitpunkt hatte es 139 413 Erdinger jeglichen Alters gegeben.

Den Großteil der Fahrzeuge stellt der "Personenkraftwagen", das Auto, mit 91 024. Damit liegt der Landkreis Erding aber im allgemeinen Trend, wie Analysen zeigen:

Vor allem in ländlichen Gebieten ist die Autodichte in den vergangenen Jahren gestiegen.

Rund zwei Drittel fahren damit zur Arbeit.

Damit liegt Erding aber im allgemeinen Trend, wie Analysen zeigen: Vor allem in ländlichen Gebieten ist die Autodichte in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Ursache für immer mehr Autos liegt laut Spiegel auch in gesellschaftlichen Veränderungen. So würden heute mehr Frauen als früher ein eigenes Auto besitzen, seien häufiger erwerbstätig, und der Familienalltag spiele sich in einem größeren Radius ab. Auch ältere Menschen seien häufiger motorisiert, weil sie sich ihr Leben lang ans Auto gewöhnt haben. Hinzu komme, dass das eigene Auto in ländlichen Gebieten noch unverzichtbarer sei, wie das Öko-Institut in Berlin schreibt. Mehr als zwei Drittel aller Erwerbstätigen (68 Prozent) fuhren 2020 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit dem Auto zur Arbeit. Auch wenn die Strecke weniger als zehn Kilometern betrug. Nur rund 13 Prozent benutzen regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel wie Bus, Straßenbahn, U-Bahn oder Zug für ihren Arbeitsweg. Sogar nur jeder zehnte Erwerbstätige fahre regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Kfz-Zulassungszahlen in Erding: Vor allem in der Großen Kreisstadt Erding sind die Auswirkungen in der Rush-Hour täglich zu sehen: Auto an Auto.

Vor allem in der Großen Kreisstadt Erding sind die Auswirkungen in der Rush-Hour täglich zu sehen: Auto an Auto.

(Foto: Stephan Goerlich)

Die Entwicklung des Fahrzeugbestands im Landkreis Erding spiegelt dies wider: Waren am 1. Januar 2008 erst insgesamt 99 939 Fahrzeuge im Landkreis zugelassen, sind es Stand 1. Juli 2021 bereits 139 413. Seit damals stieg die Zahl um jährlich rund zwei bis drei Prozent an. Von 2020 auf 2021 war es - trotz Corona-Pandemie und Kurzarbeit für etliche Erwerbstätige - ein Plus von 2,4 Prozent. Rein rechnerisch kommt damit heute auf jeden Erdinger jeglichen Alters ein Fahrzeug.

Mittlerweile ist im Landkreis auch das E-Auto beziehungsweise noch viel mehr das Hybridfahrzeug angekommen. Der Anstieg ist neben den großen finanziellen staatlichen Kaufanreizen auch durch die vielen neuen E-Modelle der Autohersteller mit größerer Reichweite begründet. Dafür sinkt seit Jahren der Anteil der Dieselfahrzeuge. 2016 waren 43,97 Prozent aller Neuzulassungen Fahrzeuge mit Dieselantrieb, in jedes zweite - 51,86 Prozent - wurde Benzin getankt. Der Rest: 3,57 Prozent Hybridfahrzeuge und 0,46 Prozent E-Autos. Zwei Jahre später war der Anteil der Benzinfahrzeuge auf dem Höhepunkt bei den Neuwagen: 62,16 Prozent. Diesel sank auf 35,19 Prozent. Und E-Autos und Hybrid? Stiegen auf 1,67 und 6,06 Prozent. Von da an begann der Stern der Benzin- und Dieselfahrzeug zu sinken. Auf einen Anteil von 44,10 beziehungsweise 28,72 Prozent im vergangenen Jahr. Jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug hatte 2020 einen Hybridantrieb (19,86 Prozent).

Kfz-Zulassungszahlen in Erding: Stromtankstellen, wie hier am Landratsamt, gibt es inzwischen mehrere. Die 597 E-Autofahrer - Stand 1. Januar - haben eher kein Warteproblem.

Stromtankstellen, wie hier am Landratsamt, gibt es inzwischen mehrere. Die 597 E-Autofahrer - Stand 1. Januar - haben eher kein Warteproblem.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Anteil der reinen E-Fahrzeuge lag bei 7,10 Prozent. Allerdings stellen beide Fahrzeugarten immer noch eine Minderheit dar. Von 89 928 Pkw am 1. Januar 2021 waren nur 2074 Hybridfahrzeuge und 597 E-Autos, was einen Anteil von 2,27 und 0,66 Prozent bedeutet. Zudem sind 462 Gasautos zugelassen.

Den Großteil der Fahrzeuge stellt der "Personenkraftwagen", das Auto. Zum 2. Juli 2021 waren nach Angaben der Erdinger Zulassungsstelle 91 024 Pkw in Erding angemeldet. Aber auch das Motorrad ist mit 12 420 sehr beliebt. Der Anstieg ist aber seit 2018 bei weitem nicht so hoch wie bei den Autos. Damals gab es 11 229 Bikes und 87 022 Pkw.

Einen direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und den Lockdowns ist aber in zwei anderen Bereichen sichtbar: bei den zugelassenen Bussen und den Lastkraftwagen. Während des Lockdowns war das Geschäft mit Busreisen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Etliche Busunternehmen hatten deshalb, um Fixkosten zu sparen, Busse abgemeldet. Vor Covid-19 waren im Juli 2019 195 Busse aktiv, 267 inaktiv, sprich abgemeldet. Ein Jahr später beim ersten Lockdown nur noch 145 aktiv und 386 inaktiv, wie die Zulassungsstelle mitteilt. Im Juli diesen Jahre gab es einen leichten Anstieg auf 163 angemeldete Busse. 472 waren stillgelegt - die Gesamtzahl der Busse stieg aber von 2018 auf 2021 von 433 auf 635.

Kfz-Zulassungszahlen in Erding: Viele Unternehmer mit Busreisen haben ihre Fahrzeuge abgemeldet, um Kosten zu sparen.

Viele Unternehmer mit Busreisen haben ihre Fahrzeuge abgemeldet, um Kosten zu sparen.

(Foto: Renate Schmidt)

In der Zeit der Corona-Pandemie stieg dafür das Speditions- und Liefergeschäft durch Logistiker an. Und dementsprechend die Zahl der benötigten Lastkraftwagen und Zugmaschinen. Im Juli 2019 waren es 6369 Lkw und 9707 Zugmaschinen. Zwei Jahre später schon 7035 und 10 040 im Landkreis. Dazu kommen 256 Sattelanhänger und 7515 sogenannte Zentralachsanhänger, die eine starre, unbewegliche Deichsel haben.

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