Keine Bewährung für Täter Fünf Monate Haft für Fahrraddiebstahl

28-jähriger Angeklagter trinkt aus Langeweile und wird dann öfter straffällig

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Fünf Monate Freiheitsstrafe für den Diebstahl eines Fahrrades. Und das ohne Bewährung und obwohl der Diebstahl am Schluss sogar ohne einen Geschädigten endete. Darüber war der 28-jährige Angeklagte am Amtsgericht Erding gar nicht zufrieden, schließlich konnte er sich überhaupt nicht an die Tat im Juni 2017 in Erding erinnern. Ins Gefängnis gehen wollte er schon gar nicht, weshalb er nach dem Urteil Richter Björn Schindler fragte, ob man da nicht noch was tun könnte, mit der Hälfte der Zeit könnte er leben.

Der seit Februar 2016 in Deutschland lebende Asylbewerber, der keinen Anwalt hatte, wirkte von Anfang an mit der Situation überfordert. Nein, er wisse nicht, warum er am Amtsgericht erscheinen sollte. Er lebe ja schon seit neun Monaten nicht mehr in der Stadt, sagte er. Auch sein Dolmetscher bemühte sich redlich, ihm den Grund zu vermitteln. Der Grund der Gedächtnislücken war für Richter Schindler schon erkennbar: "Trinken Sie viel Alkohol?" Ja, meinte der 28-Jährige und präzisierte später, warum er meistens schon ab 15 Uhr zu trinken anfange, bis er ins Bett gehe oder umfalle: Er dürfe nicht arbeiten und auch auf keine Schule mehr gehen. Also sei ihm langweilig und er betäube sich sozusagen, damit der Tag rumgehe.

Dabei wird er aber öfter straffällig, keine großen Delikte, aber zum Beispiel hat er in mehr als 20 Fällen Notrufe oder Notzeichen missbraucht. Auch eine Bedrohung steht in seinem Strafregister. Die den Fall bearbeitende Polizistin erklärte vor Gericht, dass man den Somalier schon kenne.

Am Tattag wurde er gleich zweimal auffällig. Zum einen wurde er von Nachbarn gesehen, wie er mit einer Stange auf ein Fahrradschloss einschlug, es aber nicht schaffte, es zu zerstören. Die Polizeistreife bekam eine gute Beschreibung des Mannes. Und kurze Zeit später lief er den Beamten auch schon über den Weg - mit einer Eisenstange im Rucksack. Auf eine Vernehmung verzichteten die Polizisten, zum einen, weil er kaum Deutsch spricht und ein Alkotest scheiterte. Der sei aber bisher immer beim Angeklagten gescheitert, sagte die Sachbearbeiterin. Ob er einfach nicht dazu in der Lage ist oder nie wollte, ließ sie offen.

Kurz nach Mitternacht stoppte ein junger Mann eine zufällig bei ihm vorbei fahrende Polizeistreife und berichtete, dass jemand sein rund 500 Euro teures und mit einem Schloss an einem Laternenmasten befestigtes Fahrrad gestohlen habe. Bei der Suche nach dem geklauten Rad sei ihnen der Dieb plötzlich entgegen geradelt. Er und ein paar Freunde hätten ihn gestoppt und nach einiger Zeit habe er das Rad wieder freiwillig rausgerückt. Und ja, der Mann habe einen betrunkenen Eindruck gemacht, sagte der 18-Jährige vor Gericht aus. Der Dieb war der Angeklagte.

Der Staatsanwalt forderte nach der Beweisaufnahme für den besonders schweren Fall des Diebstahls - hatte der Angeklagte doch ein Schloss aufgebrochen - sieben Monate Haft ohne Bewährung. Er sah bei dem 28-Jährigen keinerlei positive Sozialprognose. Dass Alkoholtrinken bei ihm zu Problemen führe, erkenne er nicht. Das sah auch Amtsrichter Schindler so: "Sie sagen hier einfach vor Gericht, dass Sie heiter weiter Alkohol trinken werden, und haben auch nicht irgendein Bewusstsein, dass das problematisch für Sie werden kann und Sie dann zu Straftaten neigen." Deshalb könne die Strafe auch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden, wie der Angeklagte vielleicht gehofft habe.