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Katholische Jugendfürsorge:Spannender Spiel- und Lernaustausch

Inklusives Kinderhaus in Taufkirchen/Vils

Bei der Einweihung sangen die Kinder das Lied von den fleißigen Handwerkern und spielten den Text mit ein paar passenden Requisiten nach.

(Foto: Stephan Görlich)

Taufkirchen weiht das inklusive Kinderhaus "VilstalKinder" ein. Das Konzept ist bundesweit eine Besonderheit

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Das neue inklusive Kinderhaus "VilstalKinder" ist nun auch offiziell eingeweiht worden. Das Haus ist konzipiert für zwei Regelkindergartengruppen mit je 24 Kindern, für eine Krippe mit zwölf Kindern und für die heilpädagogische Gruppe mit acht Kindern von drei bis sechs Jahren konzipiert. Die achtköpfige Gruppe ist für Buben und Mädchen mit einer Entwicklungsverzögerung oder einer Verhaltensauffälligkeit gedacht und sie steht Kindern aus dem ganzen Landkreis offen. Seit September vergangenen Jahres spielen, kochen und basteln dort zwei Regelgruppen und eine heilpädagogische Gruppe unter einem Dach. Im März dieses Jahres ist im Haus zusätzlich eine Krippe eröffnet worden. Träger des Kinderhauses ist die Katholische Jugendfürsorge München und Freising, Einrichtungsverbund Steinhöring. Die Besonderheit am neuen Kinderhaus ist, dass hier nicht nur einzelne Kinder, sondern eine ganze Gruppe von Buben und Mädchen mit heilpädagogischem Förderbedarf in einen Kindergarten integriert werden. Für die Architektur und das Betreuungskonzept gab es viel Lob. Darüber hinaus konnten die Baukosten eingehalten werden. Sie belaufen sich auf 3,24 Millionen Euro.

Bürgermeister Franz Hofstetter sagte in seinem Grußwort, er habe eigentlich gedacht hatte, angesichts des großen Angebots, das man in den vergangenen Jahren in Taufkirchen an Kitaplätzen geschaffen habe, sei der Bedarf gedeckt. Aber aufgrund des großen Zuzugs und der erfreulichen Tatsache, "dass bei uns auf dem Land wieder mehr Kinder auf die Welt kommen", habe man das VilstalKinderhaus auf den Weg gebracht. Hofstetter betonte, die Gemeinde lege großen Wert auf Inklusion: Es gehe um Kinder, die mehr Unterstützung benötigten, weil sie nicht das Glück hätten, zu 100 Prozent fit zu sein. Dann müsse man eben mehr Zuwendung leisten. Er hob die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Einrichtungsverbund Steinhöring hervor, der auch den Reggio-Ansatz in das Konzept eingebracht habe.

Getrud Hansmeier-Prockl, die Gesamtleiterin des Einrichtungsverbundes, erläuterte diesen Ansatz: Kinder sollten sich gemäß ihren Möglichkeiten individuell entfalten und verwirklichen können. Besonders unterstützt wird dabei das kindliche Interesse an dessen Umwelt und die Lust am ausprobieren. Dies ermöglichen gruppeninterne und gruppenübergreifende Angebote im Kinderhaus, in der umliegenden Natur aber auch in Kooperationen mit anderen Einrichtungen. "Der Raum ist dabei der dritte Erzieher", sagte sie. Nicht Tische oder Stühle sollten dominant sein, sondern mobile Eleme^nte, die man umgestalten könne. "Natürlich stehen wir erst am Anfang, Inklusion ist auch für die Kinder eine Herausforderung." Inklusion gelinge jedoch nur, wenn man auch gute Partner habe. Die Gemeinde Taufkirchen habe sich als sehr guter und engagierter Partner erwiesen und sie hoffe, dass dies nicht das letzte gemeinsame Projekt gewesen sei.

Architektin Annerose Rieger bedankte sich für viele Lob, dass sie von allen Seiten für das sehr gelungene Haus erhalten hatte. Es sei ihr ein besonders Anliegen gewesen, die Reggio-Pädagogik architektonisch umzusetzen. In Zusammenarbeit mit der entscheidungsfreudigen Taufkirchener Bauherrschaft sei ein spannender Spiel -und Lernaustausch entstanden, sagte Rieger.

© SZ vom 30.04.2018
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