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Kabarett:Mit Humor und Hip-Hop

Bumillo war schon im "Schlachthof" zu Gast. Jetzt hat er die neunte Auflage des St. Prosper-Kabarettpreises gewonnen

Bumillo hat die neunte Auflage des St. Prosper-Kabarettpreises für sich entschieden. Der in München wohnhafte Stand-up-Künstler gewann den mit 1000 Euro dotierten Preis vor Winfried Klima und Kathi Wolf. Vor 84 Zuschauern im Sportpark Schollbach spielte Bumillo, bürgerlich Christian Bumeder, seine Bühnenerfahrung routiniert aus. Der Künstler tritt seit 2007 als Kabarettist auf; 2019 war er in der Sendung "Schlachthof" erstmals im Fernsehen zu sehen. Er reüssierte am Samstagabend mit einer ironisch-kritischen Auseinandersetzung mit der bairischen Mundart, einer wohltemperierten Mischung aus scheinbar harmlosen Alltagsgeschichten und pointierter Scharfzüngigkeit sowie gekonnten Rap-Einlagen. Er analysierte die ungeahnten Tiefen des Sprichworts "passt scho", das entweder freundlich-herzlich oder "erschüttlich-urgemütlich" zu deuten sei - oder aber als eine Art, "sich selbst Mut zuzusprechen". Deswegen gebe es in Bayern so viele goldene Hochzeiten.

Viel gefährlicher sei der "kleine Bruder" des Ausdrucks: "werd scho passen!" Auf diese besondere Art bayerischer Lethargie führt Bumillo Phänomene wie eine geringe Wahlbeteiligung zurück. Der Künstler inszenierte sich als "Feministen" und "modernen Mann", denn: "Meine Frau ist handwerklich begabter als ich." Weiterhin beklagte Bumillo sein unspektakuläres Äußeres - so werde er auf Bahnfahrten stets mehrfach kontrolliert -, philosophierte über die neuen Corona-"Emporkömmlinge, die sich über alles empören und ihre Stimme erheben", und witzelte über die absurd-aufgesetzte Vermarktung einer namhaften Mineralwassermarke. Der in Reit im Winkl aufgewachsene Bumillo dürfte die vierköpfige Jury und das Publikum allerdings nicht allein durch seinen inhaltlichen Facettenreichtum überzeugt haben, sondern gleichermaßen durch gewandte künstlerische Darstellungsformen. Ebenso stil- wie rhythmussicher betätigte er sich als Rapper, aber auch mit seiner musikalischen "München-Meditation", mit denen er die Eigenheiten seiner Wahlheimat humoristisch überspitzte, wusste der Sieger des Abends zu gefallen.

Winfried Klima kam mit seinen süffisanten Ausführungen über den Sprachwandel auf Rang zwei und damit auf ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro. "Speaken Sie Neudeutsch?", wandte er sich direkt an das Publikum, dem er zur Veranschaulichung einen Liedvortrag mit einem exorbitant hohen Anteil an Anglizismen widmete. Darüber hinaus machte der Münchner kritisch auf die wachsende Bedeutung moderner Technologien aufmerksam und dichtete zu diesem Zweck gar eine aufdatierte Version der biblischen Schöpfungsgeschichte, "Genesis 2.0."

Mit zugespitzten politischen Botschaften, verpackt in sympathischer Nonchalance, sicherte sich Kathi Wolf den mit 200 Euro dotierten dritten Platz. Die gelernte Schauspielerin und Psychologie-"Bachelorette" lästerte unverblümt über ihren bayerisch-schwäbischen Heimatort und erzählte authentisch wie ungezwungen über ihr Privatleben. Gleichzeitig verpasste sie unverhohlene verbale Seitenhiebe, etwa der CSU und der katholischen Kirche. Das Podium verpassten der Musiker und Komiker Erich Kogler, der Niederneuchinger Lokalmatador Florian Fink sowie das exzentrische Münchner Duo Die Puderdose, bestehend aus Irene Weber und Claudia Schuma. Der von Martin Bauer, unter dem Künstlernamen Bewie Bauer bekannt, moderierte Kabarettpreis hätte eigentlich schon im Frühjahr stattfinden sollen, war jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verschoben worden. Der Wettbewerb fand unter besonderen Hygieneauflagen statt, so galt beispielsweise für alle Besucher abseits des Sitzplatzes die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

© SZ vom 14.09.2020
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