"Jugend musiziert" in ErdingTief durchatmen

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Vom Cello bis zum Vibrafon: Talentierte Nachwuchs-Musiker zeigen beim Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert" in der Kreismusikschule, was sie können

Von Jan-Hendrik Maier, Erding

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Voller Erwartung sitzt ein junges Mädchen, kaum älter als elf Jahre, vor dem Konzertsaal. Ihre Violine liegt auf dem Tisch. In der Hand hält sie die Noten eines Vivaldi-Konzerts, aus dem sie gleich spielen wird. Sie schaukelt leicht mit den Beinen, die Eltern versuchen zu beruhigen. Noch einmal tief durchatmen. Fast im Minutentakt kommen die Menschen an diesem Samstag in das proppenvolle Foyer der Erdinger Kreismusikschule. Der musikalische Nachwuchs aus den Landkreisen Erding und Freising trifft sich zum Regionalwettbewerb von "Jugend musiziert". Etwa 200 junge Künstler haben sich in diesem Jahr angemeldet.

Unbeeindruckt von der Hektik ein Stockwerk höher steht Jakob Wagner vor dem Jazzkeller. Er trägt Jeans und ein schwarzes Hemd, hat ein Bein lässig angewinkelt. Aus seiner Tasche schauen zahlreiche Schlägel mit weißen, blauen und gelben Köpfen heraus. Der 18-Jährige aus Sankt Wolfgang ist zum ersten Mal dabei und spielt gleich auf zwei Instrumenten: Marimba und Vibrafon. Mit letzterem hat er erst in diesem Schuljahr angefangen. "Für mich ist das wie ein gewöhnliches Vorspiel", sagt er. "Mal sehen, wie weit ich komme." Wagner geht mit seinen Händen gerade noch einmal die Bewegungen für sein Programm durch, als sich die Tür öffnet. Dann schlägt er die ersten Töne an, die den Raum mit weichem Klang erfüllen. In den kommenden zwanzig Minuten ist Wagner hoch konzentriert, hat den Mund leicht geöffnet und spielt souverän, stets mit vier Schlägeln. Immer wieder swingt ein Juror mit. Nach dem letzten Akkord zittern Wagners schweißnassen Hände für einen Moment, bevor er zu grinsen beginnt. Geschafft. Zufrieden? "Nein", sagt er und lacht. "Das bin ich als kleiner Perfektionist eigentliche nie, es hätte noch besser laufen können." Noch weiß Wagner jedoch nicht, dass ihm die Jury 23 Punkte geben wird und er damit eine Runde weiter ist.

Ein Jahr Vorbereitung liegt hinter Giulia König aus Kirchberg. Obwohl die 14-jährige Akkordeonspielerin bereits zum dritten Mal mitmacht, ist die Anspannung im Vorfeld "sehr groß". Gemeinsam mit ihrer Freundin Sophia Till, die nach ihr an der Reihe ist, wartet sie mittags im Einspielraum. Das Frühstück ist ausgefallen, "ich hätte eh nichts runterbekommen", sagt Sophia. Man kann die Nervosität der beiden spüren. Die anderen aus ihrer Altersgruppe hören derweil bei den Auftritten zu. "Sobald du auf dem Stuhl sitzt, verfliegt die Anspannung", erklärt Sophia sichtlich erleichtert nach ihrem Vorspiel. "Die Jury nimmst du kaum noch wahr." Alles ist gut gegangen. Auch für Giulia und Sophia gibt es 23 Punkte. Eineinhalb Stunden bevor es losgeht, kommt Meret Rutenberg an. Die Zwölfjährige nimmt in der Kategorie Violine solo teil. Noch ist sie locker und bemüht, nicht an später zu denken. Erst einmal das Instrument stimmen und ein paar Takte spielen. "Eine halbe Stunde davor geht dann gar nichts mehr." Währenddessen tummeln sich wartende Eltern, lachende und konzentrierte Musiker im Foyer. Regelmäßig drängeln sie sich Grüppchen an die Pinnwand vor dem Café, um zu schauen, ob ihre Ergebnisse schon aushängen. Wer will, kann sich noch mit der Jury beraten. Improvisationstalent hat das junge Vokalensemble um Leonie Schützbach (14), Ludwig Schiessel (12) und Luca Lepore (11, alle aus Freising) bewiesen. Am Morgen vor dem Wettbewerb erkrankt ihr Sopran Korbinian Haslbeck, mit dem sie sich monatelang auf den großen Tag vorbereitet haben. Ein geeigneter Ersatz muss gefunden werden. Chorleiterin Angelika Sutor hat glücklicherweise noch ein Ass im Ärmel und ruft kurzerhand die Mutter von Luca an. Der lag gerade beim Kieferorthopäden, als Sutor fragte, ob er aushelfen könne. "Da habe ich nicht lange überlegt, die Noten von Leonie geholt und bin zur Probe gegangen", sagt Luca. An nur einem Nachmittag studiert er das anspruchsvolle "Frühlingslied" von Franz Liszt und die "Little Jazz Mass" von Bob Chilcott ein. "Wir waren alle ein bisschen nervös, weil wir zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen", sagt Leonie nach dem Auftritt. "Dafür ist es ganz gut gelaufen." Darin sind sich die drei einig. Am Ende reicht es für 17 Punkte und einen beachtlichen zweiten Platz.

Im Probensaal ist Musik vom Barock bis zur Moderne zu hören, als die (Solo-)Cellisten ihr Können zeigen. Zum Abschluss treten Valerie Bulenda (Klavier), Clara Eglhuber (Violoncello) und ihre jüngere Schwester Katharina (Violine) als Trio mit Sätzen von Haydn und Mendelssohn-Bartholdy auf. "Das war eher so als Bravour gedacht", sagt Clara, die wie Valerie bereits zum zweiten Mal an diesem Tag auf der Bühne steht. Sie haben mal wissen wollen, wie es sich als Trio so anfühlt und es einfach ausprobiert. "Ich hatte einen Riesenspaß", sagt Katharina. Die Leidenschaft und die Freude, mit der die drei Freisingerinnen musizieren, springt auf das Publikum über, besonders beim markanten Thema des "Libertango" von Astor Piazzolla. Auch die Jury ist von ihrem "Versuch" überzeugt und vergibt die volle Punktzahl von 25. Acht weiteren Teilnehmern gelingt das. Insgesamt qualifizieren sich 38 Musiker aus der Flughafenregion für den Landeswettbewerb Mitte März in Regensburg.

© SZ vom 01.02.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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