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Jäger ziehen Bilanz:Die Schweinepest im Visier

Bei der Hegeschau des Kreisjagdverbands fällt der Vorsitzende Thomas Schreder eine durchaus positive Bilanz. Sorgen allerdings bereitet Jägern und Landwirten die Afrikanische Schweinepest. Die Wildunfälle und der geplante Waldumbau sieht Schreder als weitere Herausforderung

Von Philipp Schmitt, Isen

Eine positive Bilanz des Jagdjahres hat am Freitag der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes (KJV) Thomas Schreder bei der Pflichthegeschau des KJV und des Landratsamtes im Gasthaus Klement gezogen: "Die Entwicklung ist gut, die Abschusszahlen wurden erfüllt", sagte Schreder, der auch Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) ist. Das bestimmende Thema war die Furcht vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Landkreis. Ein eigener Arbeitskreis sucht laut Schreder neben dem Abschuss nach weiteren Präventivmaßnahmen,

Bei der Hegeschau des Kreisjagdverbands Erding beim Klement spielten die Jagdhornbläser des Kreisjagdverbands.

(Foto: Renate Schmidt)

Thomas Schreder, zugleich CSU-Landtagslistenkandidat, würdigte das Engagement der Jäger und die Bedeutung der Kooperation der Jäger mit Landwirten, Förstern und Vertretern der Behörden, um Herausforderungen beim Kampf gegen den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP), beim Waldumbau und Umgang mit Kormoranen, Bibern, Wölfen, beim präventiven Schutz der Waldtiere vor Verkehrsunfällen ("die Zahl der Unfälle ist erschreckend hoch") und bei der "Kitzrettung" besser in den Griff zu bekommen: "Wir dürfen den Respekt vor Wildtieren nicht verlieren und sind als Jäger Anwalt der Wildtiere", sagte der Diplom-Biologe, der den Erhalt des Reviersystems und Schutz der Artenvielfalt forderte. Jäger stünden Landwirten, Waldbauern, Förstern und Fischern beim Umbau des Waldes, ASP-Prävention und um Biber und Kormorane "zurück zu drängen" zur Seite.

Der 1. Vorsitzende Thomas Schreder spricht.

(Foto: Renate Schmidt)

Die ASP bezeichnete er "als schwebendes Damoklesschwert" über den Köpfen vieler Landwirte. Neben der "intensiven Bejagung" von Wildschweinen als potentielle ASP-Überträger müsse am runden Tisch im neuen Arbeitskreis nach weiteren Präventivmaßnahmen gesucht werden. "Die Strecke der erlegten Schwarzwildes ist in diesem Jahr wieder angestiegen, das beweist, dass sich die Jäger ihrer Verantwortung gestellt haben. Die intensive Bejagung trägt dazu bei, die mögliche Ausbreitung der gefährlichen ASP einzudämmen und Schäden an landwirtschaftlichen Flächen zu verringern", sagte Schreder.

Lorenz Liebel betrachtet die Trophäen.

(Foto: Renate Schmidt)

Landrat Martin Bayerstorfer und Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf (beide Jäger, CSU) würdigten die Arbeit des KJV: "Ihr habt eine Riesenleistung gezeigt.". Bayerstorfer teilte mit, dass im vergangenen Jagdjahr 3601 (behördlich geplant waren 3597) Abschüsse von Reh- und Rotwild gezählt wurden - zudem wurden 370 Kormorane und 31 Biber erlegt und 35 Biber mit Fallen gefangen. Bei der ASP befürchte er, dass die Tierseuche "auch über andere Wege als über Wildschweine bei uns zum Ausbruch kommen könnte". Ulrike Scharf würdigte die gute und nachhaltige Arbeit der "charakterstarken" Jäger: "Bayern und Jagd gehören zusammen." Sie wolle sich weiter für das bewährte Reviersystem einsetzen. Die Landtagsdirektkandidatin fügte zudem an, dass Wölfe in bestimmten Gebieten Bayerns keinen Platz haben dürften. "Heimat ohne Wild und Wald ist nicht vorstellbar, die Jäger leisten gute Arbeit", sagte auch der Isener Bürgermeister Siegfried Fischer (FW).

Im vergangenen Jagdjahr wurden 259 Wildschweine zur Strecke gebracht, 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Kreisjagdberater Walter Zwirglmaier stellte dazu aus jagdlicher Praxis klar, dass die Abschusszahlen trotz der Steigerung um ein Viertel den Wildschweinbestand im Landkreis nicht spürbar reduzieren werden: "ASP ist so nicht aufzuhalten." Darüber hinaus wurde auf den "drastischen Rückgang" der Bestandszahlen von Hasen, Fasanen und Rebhühnern hingewiesen. Ein Wildtiermonitoring seit 2009 habe aber gezeigt, dass in der Region noch seltene Arten wie Wildkatzen, Waldschnepfen, Sperlingskauz leben und geschützt werden müssten.

Stürme und Klimawandel gehen an den Wäldern nicht spurlos vorüber, die Vertreter des KJV fordern deshalb "einen Waldumbau mit Augenmaß" - Verbisse an Pflanzen im Wald durch Wildtiere seien "stark zurück gegangen", höhere Abschussvorgaben müssten kritisch hinterfragt werden. Für Forstdirektor Stefan Warsönke vom Amt für Landwirtschaft und Forsten führt am Umbau des Waldes kein Weg vorbei, er informierte über den Stand beim forstlichen Gutachten: Konkrete Ergebnisse werden Anfang Juli präsentiert und Anfang November im Landtag vorgestellt. Bei der öffentlichen Hegeschau müssen Revierinhaber den "Kopfschmuck" des erlegten Wildes den Experten zur Schau stellen. In Bayern gibt es 48000 Jäger und im Landkreis sechs Hegegemeinschaften und 110 Reviere. Der KJV zählt als einer der stärksten Verbände des BJV mit 537 Mitgliedern.

© SZ vom 23.04.2018
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