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Isentalautobahn:Es hat nicht sollen sein

Mit einer letzten, sehr gut besuchten Veranstaltung im Jakobmayer beenden der Bund Naturschutz und die Aktionsgemeinschaft gegen die A 94 den Widerstand gegen das Staßenprojekt endgültig

Es war das letzte Mal, dass die Aktionsgemeinschaft gegen die A 94 und der Bund Naturschutz eingeladen hatten. Es wird keine weiteren Veranstaltungen oder Aktionen mehr geben. Zum Rückblick auf 35 Jahre Widerstand kamen jedoch noch einmal sehr viele Menschen zusammen, die alle in der Eröffnung der Isentalautobahn keinen Grund zum Feiern sahen. Der Jakobmayersaal war am Montagabend voll bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz, so dicht gedrängt wie es früher im Streibl-Saal war.

Es waren aber längst nicht mehr alle dabei, die früher dabei waren. Denn seit der Widerstand gegen die Heimatzerstörung durch den Autobahnbau in den 1970er Jahren begonnen hatte, sind Jahrzehnte ins Land gegangen und nicht wenige Autobahngegner leben nicht mehr. So wie etwa der Anfang des Jahres verstorbene Jakob Baumgartner, der einer der prägenden Figuren im A 94-Widerstand war. Aus diesem und aus vielen anderen Gründen war es natürlich eine wehmütige Veranstaltung. Und oft, wenn Fotos oder filmische Szenen aus früheren Tagen gezeigt wurden, war es im Saal sehr, sehr leise.

Diese Aufnahme, die bei der Aktion "Wir blasen der Autobahndirektion den Marsch" im Jahr 2008 entstand, zeigt exemplarisch, wie der Widerstand gegen die Isentalautobahn war. Er war ungemein kreativ, er wurde von sehr vielen Menschen getragen - und er war stets friedlich und fern jeder Aggressivität.

(Foto: Bauersachs Peter)

Michael und Rita Rott und Stefan Weber führten mit ruhigen Moderationen durch den Abend. Damit man am Ende nicht mit leeren Händen nach Hause gehen musste, gab es ein Buch zu kaufen, einen Bildband, der die Entwicklung des A 94-Widerstands nachzeichnet und festhält. Alfred Mayerhofer hat das Buch mit vielen Fotos, Plakaten, Zeichnungen und Zeitungsartikel zusammengestellt, Heiner Müller-Ermann die erläuternden Texte dazu geschrieben. Wer nicht an dem Abend da war, kann das Buch in Dorfener Buchhandlung erwerben.

Mayerhofer hob in einer kurzen Ansprach aus der Vielzahl der Bilder eines hervor, das zum ikonischen Motiv des Widerstands wurde: Ein Schwarz-Weiß-Foto des Lindumer Kircherls, durch das ein zerstörender Riss geht. Tatsächlich ist dieses Motiv, das Andreas Hartl mehr oder weniger zufällig schuf, bereits 1974 erstmals verwendet worden. Auch auf dem Plakat der letzten Veranstaltung war das zerrissene Lindumer Kircherl zu sehen. Mayerhofer dankte insbesondere auch Peter Breth, einem der wichtigsten Köpfe in der ersten Epoche des A 94-Widerstands, der zudem über viele Jahre eine große Menge Fotos und andere Dokumenten aufgehoben hat.

Das ikonische Motiv des Widerstands: Das Lindumer Kircherl mit dem brutalen Riss mittendurch.

(Foto: Rita Rott/oh)

Ein weiterer Schatz für die Zukunft sind die vielen Stunden Film die Klaus Lautenbacher gedreht hat. Er hat, weil gesundheitlich angeschlagen, einen Teil seines Materials an den viel jüngeren Valentin Dittelmann gegeben, der daraus beeindruckende Filmdokumente geschnitten hat, die erstmals gezeigt wurden.

Im Rückblick wurde vor allem noch einmal deutlich, wie kreativ und einfallsreich der langjährige Widerstand war: Der Klangspaziergang 2007, bei dem Musiker schöne Töne im Isental erklingen ließen, im Vorgriff und Gegensatz zum Motorenlärm einer Autobahn. Oder die Aktion "Wir blasen der Autobahndirektion den Marsch" auf einer Wiese nahe Eck, wo 2008 etwa 5000 Menschen zusammen kamen, um gemeinsam mit der Biermösl Blosn auf mitgebrachten Instrumenten ein musikalisches Zeichen zu setzen.

Gebracht hat das alles am Ende nichts. Heiner Müller-Ermann betonte indes in seiner letzten Rede als Sprecher der Aktionsgemeinschaft, "es bleibt richtig und wichtig, dass wir gekämpft haben". Dass man die Isentalautobahn nicht verhindern konnte, sei ein trauriger Tiefpunkt gewesen, aber "dass wir Opfer eines so großen Versagen der Rechtsstaatlichkeit geworden sind, hat niemand absehen können". Claus Deißler, der langjährige Rechtsanwalt des Widerstands, sagte, der Fall habe gezeigt, dass es schlicht keinen Sinn mache, gegen derartige Großprojekte zu klagen. Die Politik habe sich die Gesetze so zurecht gelegt, dass der Staat jeden Prozess in jedem Fall gewinne.

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