Kriegsende vor 80 Jahren„A peaceful countryside“

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Ein US-Soldat mit zwei Isener Kindern, Anfang Mai 1945.
Ein US-Soldat mit zwei Isener Kindern, Anfang Mai 1945. Sattler-Archiv/Rupert Fruth/94th Cav 14AD in den USA.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges in und um Isen lief vergleichsweise unspektakulär und glimpflich für alle Beteiligten ab. Eine Einheit der US-Armee mit fünf Panzern und einigen Dutzend Soldaten stößt beim Vormarsch von Erding Richtung Wasserburg auf geringe Gegenwehr.

Von Philipp Schmitt, Isen

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Acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist bei einem großen lokalhistorischen Abend in Isen erstmal öffentlich erörtert worden, wie die Ankunft der US-Truppen und das Ende des Nationalsozialismus im oberen Isental ablief. Die Veranstalter der katholischen Kirchenstiftung Sankt Zeno durften sich über große Publikumsresonanz freuen. Das Pfarrheim war voll besetzt. Über Fakten, Gerüchte und Legenden zum Tag der Befreiung, der in und um Isen der 1. Mai 1945 war, sprachen die vier Referenten Giulio Salvati, Reinold Härtel, Michael Grimmeisen-Marx und Robert Obermayr.

Die Vorträge basierten auf historischen Dokumenten und Berichten von Zeitzeugen. Dazu gab es Jazz-Musik der 1940er Jahre zu hören und alte Fotografien zu sehen – von ordentlich geparkten Panzern auf dem Marktplatz, von US-Soldaten vor der Kirche Sankt Zeno oder zusammen mit Isener Kindern. „A peaceful countryside“, eine friedliche Landschaft, hatte ein GI auf ein Erinnerungsfoto geschrieben.

Die US-Truppen waren in den letzten Kriegsmonaten von Frankreich über Belgien nach Deutschland vorgedrungen. Nach schweren Kämpfen im Ruhrgebiet erreichten sie Ende April 1945 Bayern. Am 21. April waren sie Ansbach, am 27. April in Ingolstadt. Die Einnahme den Landkreis Erding verlief trotz einiger Kämpfe, aber ohne schwere Gefechte relativ unspektakulär, erklärte Giulio Salvati.

Von der Isar aus waren Einheiten der US-Armee am 29. April zum strategisch wichtigen Mittleren Isarkanal nach Schwaig, Oberding uns Eitting vorgerückt. Einen Tag später waren sie in Erding. Tags darauf machte sich ein Trupp der 86. Infantery Division, die Black Hawks, mit fünf Panzern und einigen Dutzend Soldaten über Walpertskirchen und Innerbittlbach weiter nach Isen.

Obwohl es Anfang Mai war, war noch einmal Schnee gefallen. Man sieht es auf dem Foto der in Isen abgestellten Panzer.
Obwohl es Anfang Mai war, war noch einmal Schnee gefallen. Man sieht es auf dem Foto der in Isen abgestellten Panzer. Sattler-Archiv/Rupert Fruth

Die Marktgemeinde gehörte seinerzeit zum Landkreis Wasserburg. Die US-Truppen sollen laut mündlichen Berichten in der Nähe von Innerbittlbach an der damaligen Bahnnebenstrecke nach Haag von deutschen Soldaten attackiert worden sein und vereinzelt Salven aus Maschinengewehren abgegeben haben.

Am Nachmittag gegen 17 Uhr kamen die US-Soldaten in Isen an. Der Widerstand habe sich in Grenzen gehalten, sagte Michael Grimmeisen-Marx, einzelne Häuser und das Rathaus seien jedoch beschossen worden. In vielen Fenstern hingen weiße Fahnen. Von wem genau die Amerikaner in Isen am 1. Mai empfangen wurden, ist unklar. Es gebe dazu verschiedene Versionen, wenig Fakten, viele Legenden, Gerüchte und sich widersprechende Zeitzeugenberichte, sagte Grimmeisen-Marx: „Die Datenlage dazu ist nebulös, es fehlen Dokumente.“

Vor dem Einzug der US-Truppen sollte die Brücke im Gries  gesprengt werden – was nicht passierte

Der damalige Isener Pfarrer Josef Sammereyer berichtet etwa von „vernünftigen Männer“, die zuvor „verdächtige Personen in ihren Wohnungen sichergestellt“ hätten. Nach einer Version soll bei der Ankunft der Amerikaner der damalige Isener Bürgermeister Fritz Weiß die US-Soldaten mit weißer Fahne empfangen haben. Laut einer anderen Darstellung von Zeitzeugen sei Bürgermeister Weiß hingegen schon Tage zuvor von Freiheitskämpfern rund um seinen späteren Nachfolger festgenommen worden. Ob es in Isen eine Freiheitsaktion gab, ist jedoch ebenfalls kaum noch zu klären.

Unterschiedliche Aussagen von Zeitzeugen gibt es auch zu einer anderen Frage: Es war wohl wirklich geplant, vor dem Einzug der US-Truppen die Brücke im Gries zu sprengen sowie die Marktlinde und weitere Bäume als Panzersperren zu fällen. Das alles passierte allerdings nicht.

Auch in US-Archiven ist wenig zu finden, weil die Einnahme des Landkreises Erding – trotz Dutzender gefallener Soldaten und Zivilisten – vergleichsweise unspektakulär verlaufen sei, erklärte Giulio Salvati. Und ob nun ein Bürgermeister oder Pfarrer mit weißer Fahne in der Hand um Schonung des Ortes bat, sei für die US-Soldaten nicht relevant gewesen und deshalb auch nicht notiert und dokumentiert worden.

Ein US-Soldat in Isen vor der Kirche Sankt Zeno, Anfang Mai 1945.
Ein US-Soldat in Isen vor der Kirche Sankt Zeno, Anfang Mai 1945. Sattler-Archiv/Rupert Fruth

Die Soldaten wurden in Isen in Gasthäusern und privaten Wohnungen einquartiert. Die zunächst fünf Panzer wurden auf dem Marktplatz ordentlich geparkt. Kinder erhielten Kaugummis und Schokolade, es gab Ausgangssperren und nur vereinzelt Plünderungen.

Isen war nur eine kurze Durchgangsstation der Black Hawks auf dem Weg zu Hitlers ominöser Alpenfestung. Ihr nächstes, konkretes Ziel war Wasserburg, wie Robert Obermayr berichtete, dann Burghausen und Salzburg. Schon im Juni 1945 kehrte die Einheit in die USA zurück und kam im Pazifik im Krieg gegen Japan zum Einsatz.

In Isen folgte nach dem 1. Mai 1945 ein politischer Neubeginn. Fritz Weiß, seit 1936 Bürgermeister, blieb noch bis Anfang Juni im Amt. Erst dann wurde er abgesetzt. Die US-Amerikaner bestimmten Josef Meindl zu seinem Nachfolger. Auch der Marktgemeinderat wurde neu besetzt. Im Januar 1946 übernahmen kommissarisch der Apotheker Walter Keyl (KPD) und anschließend Ludwig Rappold (CSU) das Bürgermeisteramt, berichtete Michael Grimmeisen-Marx. Mehrere Isener kamen nach Kriegsende in Internierungshaft.

Es gibt Berichte von einem Flugzeugabsturz bei Mittbach und einem bei Kugelmühle

Reinold Härtel berichtete über die Aufzeichnungen über das Kriegsende der damaligen Pfarrer in Isen, Lengdorf und Pemmering. Der heutige Pfarrverband blieb von größeren Schäden weitgehend verschont. Sogar der Messwein sei in Isen und Lengdorf erhalten geblieben. Papst Pius XII. hatte Ende April 1945 per Weisung Berichte zum Kriegsende gefordert. Das damals von Kardinal Michael Faulhaber geleitete Erzbistum München-Freising setzte eine Abgabefrist bis Ende Juli fest. Für Isen, Lengdorf und Pemmering berichteten die Pfarrer Josef Sammereyer, Franz-Xaver Zurrer und Josef Högn.

Vor dem 1. Mai 1945 waren schon viele deutsche Soldaten auf der Flucht vor den US-Truppen auch durch Isen gekommen. Von den befürchteten Bombardierungen der Ziegelei, des E-Werks und der Bahnstrecke blieb Isen verschont. Bombergeschwader waren laut Zeitzeugen immer wieder mal von Osten kommenden Richtung Münchens geflogen. Die Isener Feuerwehr sollte in München Löscharbeiten verrichten. Es gibt Berichte von einem Flugzeugabsturz bei Mittbach und einem bei Kugelmühle. Alles in allem sei das Kriegsende im oberen Isental jedoch weitgehend glimpflich gewesen, zog Reinold Härtel sein Fazit.

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