Die Pinakothek der Moderne in München ist eines der führenden deutschen Museen für Kunst der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst. In einer aktuellen Sonderausstellung, die an diesem Donnerstag eröffnet wird, ist auch Geraldine Frisch, Architektin und Künstlerin aus Isen, mit zwei Werken dabei. Gezeigt werden zwei Fotografien, die sie 2016 gemacht hat und die 2017 von der bayerischen Staatsgemäldesammlung angekauft worden sind.
In ihrer Ausstellungsreihe „Sammlung+“ präsentiert die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne seit 2019 Sonderausstellungen mit Werken aus ihrem Bestand. In diesem Jahr werden unter dem Motto „Walk the Line“ in sechs Sälen sechs verschiedene Ausstellungen präsentiert, die auf unterschiedliche Art und Weise künstlerische Wege in die Abstraktion aufzeigen. Die Werke sind „Gratwanderungen, die sich formal zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegen und zugleich das kritische Potenzial unangepasster Linienführungen ausloten“, heißt es in der Ankündigung.
Die Ausstellung, in der auch Geraldine Frisch vertreten ist, trägt den Titel „Abstrakte Horizonte“. Kuratorin Franziska Kunze erklärt die Intention der Ausstellung so: „Fotografien nehmen in der modernen Erinnerungskultur eine besondere Stellung ein – sie sollen die Fragilität des Moments einfangen und möglichst deutlich bewahren. Einige Künstler:innen wählen jedoch bewusst Wege in die Abstraktion.“

Genau das tut auch Geraldine Frisch. Ihre künstlerischen Arbeiten sind zwar sehr unterschiedlich und vielseitig. Ganz oft aber geht es um Flächen und Farben, Licht und Schatten, Strukturen und Bewegungen – gemalt, fotografiert oder gefilmt. Vieles scheint bei ihr vor allem auf formaler Ebene stattzufinden. Doch das ist nur ein erster Oberflächen-Eindruck. Ihre Arbeiten behandeln vielmehr reale Wirklichkeit, die nur durch den ungewohnten Fokus verfremdet erscheint.
Ihre Bilder sind mit Arbeiten von Magdalena Jetelová und Hiroshi Sugimoto zu sehen
Aber wie kommt es denn, dass zwei ihrer Fotos nun tatsächlich in der Pinakothek der Moderne ausgestellt werden? Geraldine Frisch erzählt, dass sie 2016 mit einer kleinen Gruppe an einer Führung durch die alte Papierfabrik in Dachau teilgenommen hat. Mehrere Stunden besichtigte sie das Industriegelände, die verfallenen Gebäude und Anlagen – war begeistert und machte eine Menge Fotos. Einige der Abzüge reichte sie 2016 bei der offenen Jahresausstellung des Kunstvereins Rosenheim ein, wo sie von einer Jury ausgewählt und in der Städtischen Galerie gezeigt wurden. Das war schon ein Erfolg. Doch dann kam auch ein Vertreter der Staatsgemäldesammlung, der ihre Fotografien so gut und gelungen befand, dass er zwei von ihnen für die staatliche Sammlung ankaufte.
Als Franziska Kunze 2020 Konservatorin für den Sammlungsbereich Fotografie und Medienkunst wurde, schaute sie sich natürlich den Bestand genau an und stieß dabei auf die Fotografien von Geraldine Frisch, die seit dem Ankauf im Depot gelagert hatten. Die Fotografien aus der alten Dachauer Papierfabrik hat Franziska Kunze als Kuratorin der Ausstellung „Abstrakte Horizonte“ mit Fotografien von Magdalena Jetelová und Hiroshi Sugimoto in einem Saal kombiniert.
Magdalena Jetelová hat 1992 in Island mit einem Laserstrahl die Zone des mittelatlantischen Rückens nachgezeichnet und fotografiert. Ihre Fotos zeigen eine gepunktete Linie in der rauen isländischen Landschaft, die eine kontinentale Grenze markiert – eine Abstraktion der irrealen Absurdität realer Grenzziehungen. Hiroshi Sugimoto ist unter anderem berühmt für seine Fotografien ikonischer Bauwerken, wie den Eiffelturm in Paris oder das Guggenheim-Museum in New York, die er absichtlich so abgelichtet hat, dass sich ihre Konturen in der Unschärfe verlieren.

Dass Geraldine Frisch sich mit einer international bekannten Künstlerin und einem berühmten Fotografen in einer Ausstellung wiederfindet, erfuhr sie im Frühjahr per E-Mail von Kuratorin Franziska Kunze. Es war eine tolle Überraschung, die sie dazu veranlasste, ein Buch mit eigenen Werken zu gestalten. Unter dem Titel „Geraldine Frisch Verortungen“ versammelt es ihre künstlerischen Arbeiten im Bereich Fotografie und Video. Es ist in einer Auflage von 200 Stück erschienen, jedes Exemplar ist signiert.
Und das ist nicht alles. Auch in Landshut sind aktuell Werke von Geraldine Frisch zu sehen. Unter dem Titel „No human is an island“ zeigt sie zusammen mit Carolin Angele Fotografien, Malerei, Videos und eine Installation im Kunstverein Landshut. Zur Finissage, am Sonntag, 30. Juni, um 15 Uhr präsentiert sie dort ihr Buch „Verortungen“.
Abstrakte Horizonte, Pinakothek der Moderne München, Vernissage Donnerstag, 13. Juni, 19 Uhr, zu sehen bis 8. September; No human is an island, Kunstverein Landshut, Herrngasse 375, bis 30. Juni, Donnerstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr.

