Im Sommer vergangenen Jahres ging eine Gruppe von sieben Männern aus Isen und Umgebung mit ihrem Plan an die Öffentlichkeit. Ein halbes Jahr hatten sie diskutiert und gerechnet, ob und wie es etwas werden könnte. Nach dem Vorbild der Bürger Energie Genossenschaften in den Landkreisen Freising und Pfaffenhofen wollten sie die genossenschaftlich organisierte Stromproduktion auch im Isental realisieren. Mit großen PV-Anlagen und vor allem mit Windkraftanlagen die Energie-Eigenversorgung im südlichen Landreis Erding voranbringen. Die Idee stieß bei einer Reihe von Infoveranstaltungen auf große Resonanz. Der 2023 gegründete Verein zur Vorbereitung einer Energie-Genossenschaft hat mittlerweile etwa 200 Mitglieder.
Nun ist der nächste Schritt auf dem Weg zur gemeinschaftlichen regionalen Stromerzeugung getan. Seit einem Monat ist die Bürger Energie Gemeinschaft Isental eine eingetragene Genossenschaft. Das erste Projekt der BEG Isental, eine 100 Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach der Isener Schule, die jährlich mindestens 80 000 Kilowattstunden Strom erzeugen soll, ist das Gründungsprojekt, mit dem die Genossenschaft ins operative Geschäft einsteigt.
Das erste Projekt mag im Vergleich zum angestrebten Bau von 250 Meter hohen Windkraftanlagen recht klein erscheinen. Doch um überhaupt als Genossenschaft loslegen zu können, muss man ein konkretes Vorhaben realisieren, sonst würde man vom Bayerischen Genossenschaftsverband gar nicht die notwendige Zustimmung zur Gründung einer Genossenschaft erhalten, erklärt Karsten Borgmann. Zusammen mit Heiko Koxholt, Bernhard Gangkofer und Benedikt Pointner bildet er den vierköpfigen Vorstand der BEG Isental.
Wenn am Montag, 25. November, im Klement-Saal in Isen die öffentliche Auftaktveranstaltung der Genossenschaft stattfindet, sollte die PV-Anlage auf dem Schuldach schon betriebsbereit sein. In Eigenarbeit sind als Erstes die Kabel im Schulgebäude verlegt und dann die Absturzsicherungen auf dem Dach gebaut worden. Dieser Tage werden die PV-Module installiert. Die BEG Isental ist als Gewerbe angemeldet und wie eine Bauschlosserei versichert. So können Genossenschaftsmitglieder tatkräftig bei der Montage mitarbeiten. Wer noch nicht dabei ist, muss erst mal der BEG beitreten, erklärt Bernhard Gangkofer: „Alle die mithelfen wollen, müssen mindestens einen Genossenschaftsanteil kaufen“. Karsten Borgmann sagt scherzhaft: „Man muss also bezahlen, dass man mitarbeiten darf.“
Ein Genossenschaftsanteil bei der BEG Isental kostet 120 Euro. Man kann auch mehrere erwerben, aber maximal 200 Stück. Doch egal, wie viele Anteile einer besitzt, jeder hat in der Genossenschaftsversammlung nur eine Stimme. Das ist das basisdemokratische und egalitäre Prinzip der Genossenschaft. Der Vorstand hofft schon, dass viele Menschen viele Anteile kaufen werden. Denn es muss Geld her, mindestens um die Finanzierung des Gründungsprojekts, das um die 100 000 Euro kostet, zu sichern. Das wäre jedoch nur ein absolutes Minimalziel. Tatsächlich möchte man die Genossenschaft mit einem soliden Eigenkapital ausstatten, damit man sich an weitere und größere Projekte heranwagen kann. „Das Fernziel ist, eine gewisse Autarkie zu schaffen“, sagt Bernhard Gangkofer.
Die BEG kommt durch die beiden PV-Anlagen ins operative Geschäft
Aber in der Satzung steht auch, dass nicht jedermann Mitglied der Genossenschaft werden kann. „Genossen müssen einen regionalen Bezug haben“, sagt Borgmann, „denn es geht darum, eine regionale Gemeinschaft zu haben“. Regional heißt in diesem Fall, dass man nicht unbedingt im Isental leben muss, aber doch aus dem Landkreis Erding sein sollte.
Als zweites Projekt ist eine PV-Freiflächenanlage neben dem Klärwerk in Sankt Wolfgang geplant. Hier soll die Gemeinde Sankt Wolfgang der Kooperationspartner sein, die finale Entscheidung des Gemeinderats steht aber noch aus. Die Kommune Isen unterstützt mit dem Gründungsprojekt nicht nur den Aufbau der BEG Isental, sondern profitiert auch selbst davon. Das Schuldach wird für einen symbolischen Preis an die BEG vermietet, dafür erhält die Gemeinde den PV-Strom zu günstigen Konditionen. Das funktioniert wie bei einem Mieterstrom-Modell. Die BEG kommt so ins operative Geschäft und kann sich weiteren Plänen widmen.
Das Ziel, das die Initiatoren von Anfang an im Blick haben, ist der Bau und Betrieb von Windkraftanlagen. Auch daran wird ganz konkret geplant. „Wir sind an den Windprojekten genau so dran wie an den PV-Projekten“, sagt Karten Borgmann. Es gab schon mehrere Vorgespräche mit den Besitzern denkbarer Standorte für Windräder. Die Bayerischen Staatsforsten wären ein Kooperationspartner, denn im Sollacher Forst gibt es potenzielle Windkraftstandorte. Hier laufen die Vorarbeiten, bei einer Ausschreibung als Partner ausgewählt zu werden. Genossenschaften bekommen dabei grundsätzlich Pluspunkte, müssen aber in vielen Kriterien überzeugen. Es gibt noch viel zu tun.
BEG Isental Auftaktveranstaltung, Montag, 25. November, 19.30 Uhr, im Gasthof Klement in Isen.
Hinweis der Redaktion: Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels ist korrigiert worden. Das zweite geplante Projekt ist eine PV-Anlage in Sankt Wolfgang – nicht in Isen –, die zudem noch nicht final beschlossen ist.

