Internationale Kunst in ErdingUmzugshelfer

Lesezeit: 2 Min.

Der Erdinger Künstler Rudolf L. Reiter: Auch die Fotografie bezieht er in sein Schaffen ein.
Der Erdinger Künstler Rudolf L. Reiter: Auch die Fotografie bezieht er in sein Schaffen ein. Bauersachs

"Besser in Erding als in einem Münchner Keller". Die Sammlung Reiter bekommt nach dem Ende des gleichnamigen Vereins eine neue Heimat: Im Museum Erding

Mathias Weber

"Wer in seine Bilder blickt, der sieht mehr", sagt Otto Berger, "ein gewisses Leben, eine gewisse Inspiration." Fast schwärmerisch spricht er, der Kurator des Vereins Sammlung Reiter, über den Künstler Rudolf L. Reiter, für dessen Werk sich ein eigener Verein gegründet hat.

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Reiter, der in Erding lebt und wirkt, ist mit seinen Werken erfolgreich am Kunstmarkt, und vielleicht ist er noch immer der bekannteste Künstler, den Erding zu bieten hat. Seit die Bayerische Staatsgemäldesammlung einst ein Werk von ihm gekauft hat, ist er eine feste Größe im bayerischen Kunstmarkt. Seine Bilder sind nicht billig. Berger sagt aber auch: "Menschlich ist es nicht immer leicht mit ihm, aber so sind Künstler eben."

"Die Sammlung soll an die Stadt"

Zehn Jahre lang gab es den Verein, dessen Mitglieder Malereien, Lithografien und Skulpturen gekauft und in einer Sammlung zusammengetragen haben. Doch der Verein wird nun aufgelöst. "Die Mitglieder haben ein gewisses Alter erreicht, ein Weiterführen im Sinne der Statuten ist nicht mehr möglich", sagt Berger. Ursprünglich stand im Vereins-Statut, dass die Sammlung bei Auflösung des Vereines an die Bayerische Staatsgemäldesammlung in München übergeben werden sollte.

Den Mitgliedern schien dies aber nicht passend: "Wir wollten die Sammlung gerne der Stadt Erding vermachen und haben mit ihr Kontakt aufgenommen", sagt Berger. Diese habe sich sofort interessiert gezeigt. Bürgermeister Max Gotz sagte: "Wir wollen die Stiftung in Erding halten, weil der Bezug zur Stadt gegeben ist." Und auch Paul Adelsberger, Leiter des Erdinger Museums, sagt "Besser die Sammlung hängt bei uns, als dass sie in einem Keller in München verschwindet."

Adelsberger ist der Empfänger der Schenkung, das Museum Erding wird die Sammlung aufnehmen. "Das ist wunderbar, wenn man so etwas geschenkt bekommt, billig sind die Bilder ja nicht", sagt Adelsberger. Die Stadt selbst besitzt einige Bilder Reiters, und könne sie alle mit der Sammlung zusammen führen und gemeinsam ausstellen.

Im Verlauf des Januars werde die noch zu konzipierende Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ein Raum - bisher ein Seminarraum - werde dafür zur Verfügung gestellt. Allerding soll es nur Platz für zehn Bilder geben, der Rest der ungefähr 50 Bilder und Skulpturen umfassenden Sammlung wandert ins Depot.

Lange Zeit war die Ausstellung in der Alten Mälzerei in der Münchner Straße untergebracht, dort hat nun der Hospizverein seine Büros. Denn vor eineinhalb Jahren ist in sie weiter in das Vital-Center an der Landhuter Straße am Schönen Turm gezogen. Beide Immobilien gehören der Fischer's Stiftungs-Verwaltungs GmbH. Der Mietvertrag zwischen Verwaltung und Verein sei in beiderseitigem Einvernehmen frühzeitig gekündigt worden, er endet zum 31. Dezember.

Wie es aus der Stiftung heißt, war die Sammlung Reiter zu kulanten Konditionen in den Räumen untergebracht: Nur die Nebenkosten musste der Verein übernehmen. Historisch gesehen sei es so gewesen, dass der Verein immer nur das gezahlt habe, was er konnte. Potenzielle Nachmieter gebe es auch schon, Büros kämen wohl in die Räume im Vital-Center. Die Stiftungs-Verwaltung kann die Einnahmen gut gebrauchen: In ihrem Jahresabschluss 2011 steht weiterhin ein Verlustvortrag von 7,5 Millionen Euro zu Buche, die Verbindlichkeiten betragen auch noch 13 Millionen Euro - etwa eine Million weniger als ein Jahr zuvor.

Der Künstler selbst zeigt sich nicht sehr interessiert am Umzug seiner Werke. Zwar habe ihn der Verein laut Berger informiert -"der Ethik halber" -, aber Mitsprache habe er keine. Ihm sei es aber wohl ganz recht, dass die Sammlung in Erding bleibt.

© SZ vom 18.12.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: