Teresa Sperling und Stefan Voglhuber haben schon einiges überstanden. Das Paar ging sich auf einer eingeschneiten Berghütte fast an die Gurgel, ein angebliches Traumhaus erwies sich als einzige Katastrophe und ein Banküberfall lief auch nicht wie geplant. Zum Glück geraten die beiden Schauspielprofis nur auf der Bühne in haarsträubende Schwierigkeiten. Im echten Leben schreiben und inszenieren sie gemeinsam und erfolgreich mit der „Reimeringer Theatermanufaktur“ moderne bayerische Boulevard-Komödien.
Reimering ist ein Weiler im Gemeindebereich von Inning am Holz im Landkreis Erding. Hier leben Stefan Voglhuber und Teresa Sperling in einem ehemaligen Bauernhof, Baujahr 1834. „Mit Holzöfen“, wie Teresa Sperling hinzufügt. Schön urig klingt das. Und was hat es mit der Manufaktur auf sich? „Theater ist Handwerk“, sagt Stefan Voglhuber. Was ihre Theaterproduktion betrifft, heißt das: „in kleiner Stückzahl, liebevoll gestaltet“.
Drei Zwei-Personen-Stücke haben die beiden bisher gemeinsam geschrieben, inszeniert und gespielt. Aufgeführt werden die Komödien aus der Reimeringer Theatermanufaktur im gut fünf Kilometer entfernten Gasthaus Strasser in Oberbierbach, Gemeinde Fraunberg. Beim Wirt z’Bierbach, wo auch alles begonnen hat.
2017 trauten sich die zwei erstmals mit dem Stück „Zwoa wie Bonnie und Clyde“ als Duo vors Publikum, damals noch mit einer Adaption des Stücks „Bonnie und Clyde“ von Tom Müller und Sabine Misiorny. Die bayerische Version eines jungen Paares, das vom schnellen Geld träumt, kam so gut an, dass wegen des riesigen Andrangs Zusatzvorstellungen eingeplant wurden.
„Wir waren total überrascht von dem Erfolg“, erzählt Teresa Sperling. Ein Jahr später wagte sich das Paar mit seinem ersten selbst geschriebenen Stück „Wohnen im Glück“ auf die Oberbierbacher Bühne. Es folgte die Komödie „(Un)Happy End“, 2022 die Krimikomödie „Mordpläne mit Himbeerdame“. Die Geschichten sind voller überraschender Wendungen, die Dialoge der beiden authentisch und witzig, es macht einfach Spaß, den beiden gut aufgelegten Schauspielern beim Streiten und Versöhnen zuzuschauen.
Mittlerweile ziehen die Vorstellungen in Oberbierbach jedes Jahr mehr als 1500 Besucherinnen und Besucher an. Das Duo hat sich einen Namen gemacht und ist mit seinen Stücken auch schon in München aufgetreten.

Bayerisches Theater wollen sie spielen, aber nicht im Komödienstadel-Stil. „Alles hat seine Berechtigung“, betont Voglhuber. „Das Publikum soll eine gute Zeit haben und sich unterhalten.“ Der Komödienstadel sei sehr klassisch unterwegs, sagt der 42-Jährige, „wir wollten bayerische Stücke schreiben, die frisch sind, unverstaubt und in der Jetztzeit.“ Stefan Voglhuber fasst es so zusammen: „Ich würde sagen, wir machen bayerischen Boulevard.“ Teresa Sperling nickt.
Mittlerweile sind alle drei Komödien der Reimeringer Theatermanufaktur im Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller erschienen und werden auch jenseits der bayerischen Landesgrenze aufgeführt. „Inzwischen haben unsere Stücke jedes Jahr zwei bis drei Premieren bundesweit“, erzählt Voglhuber. Dass eines im Dresdner Hoftheater aufgeführt werden würde, „das hätten wir uns auch nie geträumt“, sagt Sperling. Es gibt sogar für jede der drei Komödien eine plattdeutsche Version für den nördlichsten Teil Deutschlands: „(K)En Happy End“, „Moordplaan mit Himberdaam“ und „Wahnen in't Glück“.
Die beiden hatten ursprünglich andere berufliche Pläne. Stefan Voglhuber stammt aus dem Landkreis Erding, hat eine Lehre bei der VR Bank Taufkirchen-Dorfen abgeschlossen und danach eine Zeit bei der Bank gearbeitet. Er wollte sich beruflich verändern, liebäugelte erst mit Grafikdesign, geriet durch Zufall in einen Schauspielworkshop und schaffte es auf die Schauspielschule.

Die gebürtige Deggendorferin Teresa Sperling hat einen Master of Arts in Linguistik und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München gemacht. „Ich wollte eigentlich Dramaturgin werden“, erzählt die 35-Jährige. Nachdem sie einmal auf der Bühne gestanden hatte, war für sie jedoch der weitere Weg klar. Wie auch Stefan Voglhuber hat sie die Ausbildung an der „Theater Raum München – Berufsfachschule für Schauspiel“ absolviert.
„Wir haben die Entscheidung nie bereut“, sagen beide. Sie waren und sind in verschiedenen Rollen im Fernsehen zu sehen und werden regelmäßig für Theaterproduktionen gebucht. Zuletzt war das Paar am Stadttheater Weilheim für Ödön von Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ engagiert.
Geprobt werden die Stücke im Wohnzimmer im Reimering
Das Schreiben der eigenen Stücke erfolge in Teamarbeit, betonen beide. „Erst mal brauchen wir eine Grundsituation“, erklärt Voglhuber. Dann komme das Brainstorming – was könnte passieren, wie entwickelt sich die Geschichte? „Gut ist immer, wenn es am Anfang schon ein Ende gibt“, sagt Stefan Voglhuber. „Das eigentliche Aufschreiben erledigt Stefan“, fügt seine Partnerin hinzu. Dann geht es ans Proben im Reimeringer Wohnzimmer. Viel Platz gibt es da nicht, auch wenn die Möbel zur Seite gerückt sind. Der Vorteil: „Unsere Stücke eignen sich auch für winzige Bühnen“, erklärt Teresa Sperling.

In der Region München engagiert sich Stefan Voglhuber zudem in drei Theatergruppen. Mit dem Theaterverein Inning am Holz hat er vor zwei Jahren den Amateur-Theaterpreis „Larifari“ erhalten. 2014 wurde er mit dem Lore-Bronner-Preis für Darstellende Kunst des Bezirks Oberbayern ausgezeichnet und 2021 gemeinsam mit Teresa Sperling für den Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung nominiert.
Dass es jetzt mit dem Tassilo geklappt hat, freut die beiden sehr. „Es ist uns wirklich eine Ehre“, sagt Teresa Sperling. Sie sei schon gespannt auf die Verleihung Ende November im Literaturhaus in München. Eine Frage hätte sie da auch gleich noch: „Was werd’ ich denn da anziehen?“ Fast gleichzeitig kommt Stefan Voglhuber mit der Überlegung um die Ecke, ob er vorher zur Stärkung etwas Essen soll? Man wisse ja nie. „Mal wieder typisch wir zwei“, sagt Sperling und beide müssen lachen. Könnte glatt aus einem Stück der Reimeringer Theatermanufaktur stammen.
Kultur verbindet, Kultur bewegt – und Kultur braucht unsere Unterstützung: Zum dreizehnten Mal verleiht die Süddeutsche Zeitung den Tassilo-Kulturpreis. Diese Auszeichnung würdigt Arbeit und Wirken von Künstlerinnen, Künstlern und Kulturschaffenden im Großraum München. Hier stellen wir Ihnen die Preisträger vor, die die Jury, bestehend aus Kulturredakteurinnen und -Redakteuren der SZ, in diesem Jahr ausgewählt hat. Verliehen werden drei Hauptpreise sowie fünf Förderpreise. Außerdem stiftet das Spendenhilfswerk der Süddeutschen Zeitung, SZ Gute Werke, einen Kulturpreis, der besonderes soziales Engagement würdigt. Welchen Preis die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten, wird bei der Verleihung am 26. November bekanntgegeben.

