In der Kirchgasse:Neue Fachstelle Asyl nimmt die Arbeit auf

Lesezeit: 3 min

In der Kirchgasse: Die Schlange hinter der Stadtpfarrkirche hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt: Etwa zwei Drittel der Asylbewerber aus dem Landkreis sind gekommen.

Die Schlange hinter der Stadtpfarrkirche hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt: Etwa zwei Drittel der Asylbewerber aus dem Landkreis sind gekommen.

(Foto: Peter Bauersachs)

Das Landratsamt hat das Management gebündelt. Die Flüchtlinge holen ihr Taschengeld jetzt in der Innenstadt ab

Von Jan-Hendrik Maier, Erding

Mehr als 200 Menschen stehen dicht gedrängt neben den Wellenbrechern auf dem Bürgersteig vor dem Haus in der Kirchgasse 3. Vereinzelt sind Familien mit Kinderwagen zu sehen. Zeitweilig reicht die Schlange bis zum Hauptportal der Stadtpfarrkirche. Es handelt sich um Asylbewerber aus dem Landkreis, die an diesem Dienstagmorgen gekommen sind und auf die Auszahlung ihres Taschengeldes warten. "Das ist nichts Ungewöhnliches", sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes Claudia Fiebrandt-Kirmeyer. Sie erklärt, dass die Asylbewerber von dieser Woche an ihr monatliches Budget in der neuen Fachstelle Asylmanagement abholen können, die in der Kirchgasse untergebracht ist.

Von der Peripherie ins Zentrum

Bisher haben die Flüchtlinge die staatlichen Leistungen beim Sozialamt im Anbau hinter der Stadthalle erhalten. Mit der Neuregelung rücken sie nun von der Peripherie weiter hinein ins Zentrum der Kreisstadt. Der Landkreis wolle mit der neuen Fachstelle "all seine Kräfte, die mit Asyl zu tun haben", bündeln, sagt Fiebrandt-Kirmeyer. Mitarbeiter aus dem sozialen Bereich, dem Liegenschaftsamt und der Ausländerbehörde würden nun zentral in Asylfragen zusammenarbeiten. "Wir erhoffen uns davon natürlich Synergieeffekte", sagt die Pressesprecherin.

In der Kirchgasse: Die Schlange hinter der Stadtpfarrkirche hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt: Etwa zwei Drittel der Asylbewerber aus dem Landkreis sind gekommen.

Die Schlange hinter der Stadtpfarrkirche hat am Dienstag für Aufsehen gesorgt: Etwa zwei Drittel der Asylbewerber aus dem Landkreis sind gekommen.

(Foto: Peter Bauersachs)

Nicht alle Flüchtlinge befürworten den neuen Standort. Auf der anderen Straßenseite sitzt ein junger Mann auf einem Metallpfosten, nur einige Zentimeter über dem Boden. Er zeigt auf seinem Smartphone ein Röntgenbild. Aufgrund der Verletzung am Fuß könne er nicht lange stehen, sagt der Pakistani. Daher habe sich zunächst ein Freund für ihn in der Schlange angestellt. Zusammen sind sie am Morgen mit dem Bus aus Neufinsing gekommen.

"We have enough place for all!"

Er wäre lieber weiterhin zur Stelle am Sozialamt gegangen, da man sich dort habe hinsetzen können und "vor allem nicht frieren musste". Etwa zwei Stunden vergehen, bis die beiden an der Reihe sind und der Wachmann die Tür oberhalb der kleinen Treppe öffnet. Die Stimmung ist überwiegend ruhig. Nur manchmal, wenn Einzelne am Ende versuchen, die Menschenmenge nach vorne zu schieben, reagieren die Sicherheitsleute mit einem energischen "We have enough place for all!"

In der Kirchgasse: Vereinzelt sind Familien mit Kinderwagen gekommen. Die Stimmung bleibt trotz der langen Wartezeit überwiegend ruhig.

Vereinzelt sind Familien mit Kinderwagen gekommen. Die Stimmung bleibt trotz der langen Wartezeit überwiegend ruhig.

(Foto: Peter Bauersachs)

Maria Brand von der Aktionsgruppe Asyl (AGA) sieht den Umzug in das Haus hinter der Stadtpfarrkirche ebenfalls kritisch: "Ich denke, es haben praktische Gründe dafür gesprochen. Aber ich hoffe, dass das nur eine Notlösung ist, bis freundlichere Räume gefunden wurden." Brand bemängelt, dass der Zugang nicht ebenerdig ist und die Flüchtlinge im Souterrain versorgt werden. Ehrenamtliche Helfer erzählten ihr, sie hätten die Atmosphäre als "beengend" erlebt. "Da stellt sich mir die Frage, ob das für die Verfassung gerade von traumatisierten Flüchtlingen gut ist", sagt Brand.

Knapp 1300 Asylbewerber leben im Landkreis

Derzeit leben knapp 1300 Asylbewerber im Landkreis. Nach Schätzungen des Landratsamtes kommen etwa zwei Drittel von ihnen zur Barauszahlung in die Kirchgasse. Die anderen hätten entweder bereits ein eigenes Bankkonto eröffnet, oder es handle sich um Familien, die lediglich eine Person hinschicken würden, sagt die Pressesprecherin. Um der großen Zahl an Empfängern gerecht zu werden, setze die Behörde an diesem Tag doppelt so viele Mitarbeiter als sonst ein. Bis auf eine Pause von etwa 45 Minuten, die aus "logistischen Gründen" erforderlich sei, habe man bis zum Abend geöffnet.

Am Dienstag wird jedoch nicht nur das Taschengeld ausgezahlt. Kurz nach elf Uhr hält ein Großraumtaxi gegenüber den Wartenden. Eine Mutter steigt mit ihren Kindern aus. Der Fahrer holt ihre Reisetaschen aus dem Kofferraum. Beide lächeln für einen Moment und verabschieden sich auf Arabisch. Die Familie wartet. Später wird sie einen Schlüssel zu ihrer Unterkunft im Landkreis erhalten. Eigentlich hätte die Familie bereits früher in Erding ankommen sollen, erklärt Fiebrandt-Kirmeyer. Aufgrund der Weihnachtsfeiertage habe sich jedoch "ausnahmsweise" die Zuteilung der Flüchtlinge verschoben. "In der Regel erreichen uns die Menschen am Freitag." Der Fahrer hat am Dienstag noch eine andere Erklärung: Es sei denn, das zuerst beauftragte Taxiunternehmen verwechselt Taufkirchen bei München mit der gleichnamigen Stadt an der Vils.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB