Corona-Impfungen im Landkreis Erding:Drohender Statusverlust

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Corona-Impfungen im Landkreis Erding: Die Nachfrage nach Impfungen gegen das Corona-Virus hat deutlich nachgelassen. Die meisten holen sich eine Auffrischungsimpfung beim Arzt oder im Impfzentrum.

Die Nachfrage nach Impfungen gegen das Corona-Virus hat deutlich nachgelassen. Die meisten holen sich eine Auffrischungsimpfung beim Arzt oder im Impfzentrum.

(Foto: Florian Peljak)

Von 1. Oktober an benötigt man drei Impfungen, um als vollständig geimpft zu gelten. In den Arztpraxen und im Impfzentrum werden fast ausschließlich Auffrischungen verabreicht. Wer bisher noch kein Vakzin erhalten habe, werde sich auch jetzt nicht schützen, sagen Ärzte.

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Wer heute noch als vollständig geimpft gilt, ist es unter Umständen am Samstag, 1. Oktober, nicht mehr. Denn nach dem dann gültigen, neuen Infektionsschutzgesetz sind, um als vollständig geimpft zu gelten, drei Impfungen nötig. Bisher reichten zwei. Erst- und Zweit-Impfungen sind im Landkreis Erding weder bei den Arztpraxen noch im Impfzentrum ein Thema. "Wer sich bisher nicht impfen lassen hat, wird es jetzt auch nicht mehr tun", sagt Rainer Kühn von der Gemeinschaftspraxis des Ärztekollegiums Erding. Gefragter sind die Auffrischungen - und von 1. Oktober an wohl noch verstärkt.

71,2 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Erding sind zweimal geimpft

98.200 Erdinger sind bisher nach Auskunft von Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Pressesprecherin am Landratsamt zu dem auch das Gesundheitsamt gehört, zweimal geimpft. Gelten also Stand heute noch als vollständig geimpft. Das entspricht 71,2 Prozent der Bevölkerung im Landkreis. Drittimpfungen hat es bisher 64.000 gegeben. Sie sind von 1. Oktober an damit auf der sicheren Seite, was den Impfstatus betrifft. "Vollständig geimpft" ist aber auch, wer nachweisen kann, dass er bereits nach zwei Impfdosen eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat. Der Nachweis kann mit einem PCR-Test erbracht werden. Die Genesenen gelten dann ab dem 28. Tag nach der Testung als "vollständig geimpft". 425 Personen ließen sich vergangene Woche im Zentrum impfen, bei 420 waren es jedoch Auffrischungen, bei sieben sogar die dritte, teilt Danuta Pfanzelt, die Pressesprecherin des BRK-Kreisverbands, mit.

Notwendig wird die Auffrischung, der "Booster", weil sich das Coronavirus seit Pandemiebeginn immer wieder verändert hat. Daher wurden auch Impfstoffe an die neuen Omikron-Varianten angepasst. Drei Vakzine haben im September die EU-weite Zulassung erhalten: zwei von Biontech/Pfizer und Moderna, die an die Untervariante BA.1/2 angepasst sind, sowie ein weiterer Omikron-Booster von Biontech/Pfizer, der gegen die derzeit dominierenden Subvarianten BA.4 und BA.5 schützen soll. Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät zu Auffrischungsimpfungen mit beiden neuen, angepassten Vakzinen. Wie viele lieber auf den angepassten Impfstoff gegen die Virenvarianten BA.4/5 warten wollen, kann die BRK-Pressesprecherin nicht sagen, da dies statistisch nicht erfasst werde. Aktuell werde der erste angepasste Impfstoff BA.1/2 verimpft, sagt Pfanzelt. Der Impfstoff Biontech/Pfizer BA.4/BA.5 sei noch nicht verfügbar.

Der Kreisvorsitzende hält sich an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission

Die Patienten von Markus Marschall, dem Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbands Erding, sind nach seiner Aussage alle - bis auf Impfgegner - drei oder sogar vier Mal geimpft. Gefragt würde nach einer zweiten oder sogar dritten Auffrischimpfung. "Manche wollen extra auf die an BA.4/5 angepassten Impfstoffe warten, dann kommt es aber auf den Abstand zur letzten Impfung und das individuelle Risiko an, ob man das empfiehlt oder bei längerem Abstand oder höherem Risiko jetzt gleich zur zweiten Auffrischimpfung rät", sagt Marschall. Für eine weitere, dann fünfte Impfung, gebe es keine Empfehlung, da könne man nur im Einzelfall individuell abwägen. Der Kreisvorsitzende hält sich an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission und findet deren Empfehlungen als "differenzierte Leitschnur". So sei bei drei Impfungen und einer Infektion im Allgemeinen keine weitere Impfung mehr nötig.

Impfungen gegen Corona sind auch in der Gemeinschaftspraxis von Rainer Kühn weiter ein Thema. "Die Erstimpfung gibt es quasi nicht mehr, die geht gegen null", sagt Kühn. Nachfrage herrsche beim ihm vor allem nach der zweiten Auffrischungsimpfung. Vor allem ältere Menschen über 60 Jahren oder welche mit chronischen Erkrankungen fragten von sich aus nach. Bei Patienten, bei denen man wegen einer schwereren Krankheit wisse, dass eine Auffrischung gut wäre, empfehle man diese. Man halte es mit der Stiko-Empfehlung, dass auch der angepasste Impfstoff BA.1/2 wirksam schütze. Und davon habe man genügend Impfdosen.

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