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Im Stadtpark tut sich etwas:Mehr Platz für mehr Arten

Pläne zur Umgestaltung des Stadtparks stoßen bei einigen Bürgern auf Skepsis und beim Naturschutz auf Zustimmung

Das Interesse am Stadtpark ist enorm. Zahlreiche Beiträge bei der Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Fischers Seniorenzentrum belegen, wie intensiv sich die Bürger mit der grünen Lunge der Kreisstadt auseinandersetzen. Einige wollen, dass alles bleibt, wie es ist, einige freuen sich auf Veränderungen - und alle wünschen sich, dass man auf die Natur Rücksicht nehme. Beruhigend wirkten da die Worte von Anton Euringer, Vertreter der Naturschutzbehörde am Landratsamt. Man könne sicher etwas gegen die Pläne sagen, meinte er. "Aber naturschutzfachliche Gründe können es nicht sein." Er verdeutlichte nochmals, dass die geplanten Maßnahmen die Vielfalt bei Pflanzen und Tiere erhöhen würden.

Der Stadtpark ist jahrelang kaum gepflegt worden - bis auf Eingriffe, die der Sicherheit der Spaziergänger und Kinder dienten. Das Ergebnis ist ein kleiner Urwald, der vielen Menschen jedoch fest ans Herz gewachsen ist. Nicht jeder findet, der Park solle lichter und attraktiver werden, denn dann zöge er noch mehr Menschen an; so drückte es Horst Belling aus, der frühere UWE-Stadtrat. Ihm hielt der Landschaftsarchitekt Martin Rist entgegen: "Die Menschen sind schon da. Wir wollen ihnen mehr Platz geben." Dazu sehen die Planungen vor, rund um das kleine Wäldchen hinter dem Kinderspielplatz die Wiesen so zu mähen, zu bepflanzen und zu pflegen, dass man sich dort gerne aufhält. Blumenwiesen sollen angesät werden, und zwar mit Blumen, die etwas aushalten. "Auf die kann man sich auch draufsetzen", sagt Euringer. Er attestierte der Stadt Erding, dass der Plan zur Umgestaltung eines Teils des Parkes - zwei Drittel bleiben unangetastet - den ökologischen Wert deutlich erhöhe. Auch wegen der neuen Fläche östlich der Bahngleise, die den Bürgern zugänglich gemacht wird. Unter den Gleisen gelangen die Spaziergänger dorthin, doch soll diese Ecke "etwas Geheimnisvolles" behalten, wie Stadtbaumeister Sebastian Henrich sagte. Dort hat sich rund um den Alt-Arm der Sempt laut Euringer ein wertvoller Lebensraum entwickelt, der sanft genutzt werden soll - unter anderem mit einem grünen Klassenzimmer, eine Idee, die allgemein auf Zustimmung stieß. Als überflüssig bezeichneten einige Redner dagegen einen Turm, der in dieser Ecke gebaut werden könnte und von dem aus Kinder zu einem anderen Turm auf dem Spielplatz hinüberspähen könnten. Mit Skepsis nahmen einige die Idee auf, an drei Stellen an der Sempt Sitzstufen anzulegen. Eine Stelle würden reichen, sagte Monika Gantner. Euringer entgegnete ihr und anderen Skeptikern, dass Wasser eine unglaublich hohe Anziehungskraft habe. "Wenn in einem Garten gefeiert wird, sausen zuerst alle an den Teich - wenn einer da ist." Euringer und Türk sagten, dass im Gegenzug andere Uferbereiche zu Ruhezonen werden sollen - mit der Folge, dass sich dort Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln könnten. Gleiches gelte für Waldränder, Schilfe und Gehölze: Mit einigen Maßnahmen ließen sich neue Lebensräume schaffen, in denen sich mehr Arten ansiedeln würden.

Auch zahlreiche Stadträte hörten sich an, welche Gedanken sich die Bürger zum Park gemacht haben, welche Sorgen sie plagen und welche Wünsche sie haben. Schon am 12. Juli steht das Thema wieder auf der Tagesordnung im Planungs- und Umweltausschuss. Bürgermeister Max Gotz (CSU) wünscht sich dann bereits erste Beschlüsse. Recht unwahrscheinlich erscheint jedoch, dass dann über Radfahren im Park geredet wird: Obwohl sich viele wünschen, dass man wenigstens quer durch den Park radeln darf, gibt sich Gotz unnachgiebig. Um kleine Kinder und ältere Leute zu schützen, werde der Park nicht freigegeben für die Radfahrer, sagte er.