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Im Puerto Giesing:"Sigurd Kämpft" ein letztes Mal

Sie war die erste Punk-Wave-Band mit bayerischen Texten und an diesem Abend gibt es ein Revival: Die Anarcho-Band "Sigurd Kämpft" aus Erding gastiert zum Abschied des Puerto Giesing.

Natürlich kommt sich Limo Lechner albern vor. "Die Texte waren auf die damalige Zeit gemünzt, und da haben sie auch reingepasst", meint der Schlagzeuger von Sigurd Kämpft. "Die meisten stammen ja von mir, und einige davon sind mir inzwischen richtig peinlich. Auf der anderen Seite: Als wir im Sommer einen Auftritt in beim Sintflut Festival in Erding gespielt haben, da kamen hinterher die Leute zu mir und meinten, dass sich eigentlich nicht viel geändert hat und die Songs immer noch passen."

Alter schützt vor Anarcho nicht: "Sigurd Kämpft" auf dem Sinnflut-Festival.

(Foto: Peter Bauersachs)

Nun sind immerhin 30 Jahre vergangen, seitdem Limo Lechner, Max Hupfer, Hansi Bach, Kurt und Brezn Feller ein klein wenig den Aufstand geprobt haben. Alle fünf sind längst im realen Leben angekommen, arbeiten inzwischen als Grafiker, Sozialpädagoge, Musikmanager, Töpfer oder Schreiner. Die Band gibt es schon lange nicht mehr, nach den anfänglichen Höhenflügen waren sich die Beteiligten bald derart auf die Nerven gegangen, dass die große Karriere an den Nagel gehängt wurde.

Und doch: Der Mythos gärt weiter. Sigurd Kämpft, aus einer Laune heraus nach einem großen, blonden und muskelbepackten Comic-Helden benannt, war die erste Punk-Wave-Band mit bayerischen Texten, und sie hatte es in den frühen Achtzigern geschafft, frech und irgendwie subversiv von Erding aus ihre Spuren im Musikleben zu hinterlassen. "Am Anfang haben wir unsere Stücke auf Englisch gesungen und aus Gaudi ein, zwei Songs auf Bairisch gemacht", erinnert sich Lechner weiter. "Eigentlich wollten wir damit schon wieder aufhören, als uns ein Mensch vom Rundfunk hörte und meinte: Ihr müsst unbedingt weitermachen. Es hatten ja nicht alle die gleichen Vorstellungen. Jeder brachte sein Ding mit, und wir haben uns eben in der Mitte getroffen."

Heraus kam eine Bayernland-Mischung von Fehlfarben und Ton Steine Scherben, eine Spaßformation mit Anarcho-Flair, die auf immerhin zwei Langspielplatten ihren ästhetischen Widerstand bannte. Es war rauer Sound, holprig und manchmal etwas unbeholfen, hatte dafür aber die Frische der Unmittelbarkeit. Sigurd Kämpft sangen moderne Trink- und Venuslieder, spielte mit dem Vulgären des aus England aufs Festland schwappenden Punk, erhielten sich aber über das Verschmitzte des Dialekts ihren Humor. Sogar ein kleiner Hit war drin, "Rambazamba everywhere!", der dem Subversiven des "No-Fun"-Gefühls eine bayerische Alternative gegenüberstellte.

Für eine Weile kletterten Sigurd Kämpft die Erfolgsleiter nach oben, wurden vom BR sogar als Vertreter der heimischen Szene zu einem Festival nach Dänemark geschickt. Doch nach dem zweiten Album war die Luft raus, und gerade Limo Lechner hatte eigentlich mit dem Thema abgeschlossen, sein Instrument verstaubte im Keller: "Ich habe aufgehört, Schlagzeug zu spielen, weil ich es so dick hatte, es immer auf- und abzubauen. Dann meinten die anderen aber, bei den neuen Drum Sets ist das alles nicht mehr so wild. Ich habe mich doch breitschlagen lassen und wir haben einmal geprobt. Und siehe da: Es lief noch ganz rund. Offenbar ist Schlagzeug spielen wie Radfahren. Das verlernt man nicht mehr. Wir haben dann auch ziemlich gut zusammengespielt, es war gleich wieder da."

Und es wird ein einziges Mal in München zu hören sein, an diesem Abend um 22 Uhr zum Finale des Puerto Giesing und gleichzeitig zur offiziellen Wiederveröffentlichung der Sigurd-Kämpft-Alben auf CD. Ein weiteres Gastspiel im Erdinger Land ist noch geplant und dann ist wieder Schluss, schon aus pragmatischen Gründen. "Die Lieder damals sind einfach so rausgeflutscht und haben gepasst. Heute ist das wesentlich schwieriger. Ich will ja nicht so allgemein gesellschaftskritisch daherkommen, das macht keinen Sinn." Also bleibt es bei alten Videos und Sounds von damals. Obwohl: Einen neuen Song wollen Sigurd Kämpft spielen.