Im Landkreis:Wieder einmal abgeblitzt

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Freising lehnt "Lärmaktionsplan" für den Flughafen ab

Von Kerstin Vogel, Freising

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet die Regierung von Oberbayern bereits mit großem Aufwand an der Aufstellung eines "Lärmaktionsplanes" für den Münchner Großflughafen, nun hat sie den Freisinger Stadträten eine finale Fassung vorgelegt - und einmal mehr eine ablehnende Stellungnahme kassiert. Zwar bedankt sich Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher in dem vom Planungsausschuss des Stadtrats einstimmig abgesegneten Antwortschreiben höflich für die Beteiligung an dem Verfahrensprozess. Man begrüße diesen Lärmaktionsplan auch generell, lässt er weiter wissen: "Jedoch sind die aus Sicht der Stadt Freising wichtigsten Maßnahmen für eine deutliche, langfristige und nachhaltige Lärmminderung nicht hinreichend berücksichtigt worden."

Gemeint sind: der endgültige Verzicht auf den Bau einer dritten Start- und Landebahn im Erdinger Moos, wie ihn die Stadt schon in früheren Stellungnahmen gefordert hatte, sowie ein echtes Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr morgens. Stattdessen werde seitens der Regierung an den aus dem März 2001 stammenden Nachtflugregelungen festgehalten, deren Maßnahmen die Stadt Freising als "unzureichend betrachtet", so die Kritik des Oberbürgermeisters. Ein Nachtflugverbot in dem genannten Zeitraum sei jedoch "eine unabdingbare Maßnahme, da gerade der Schutz der Bevölkerung vor Lärmauswirkungen durch Flugverkehr in der Nachtzeit als äußerst wichtige Gesundheitsfürsorge betrachtet wird".

Eine ähnliche Einschätzung hatte Mitte Juli bereits das Aktionsbündnis "Aufgemuckt" abgegeben. Verglichen mit anderen großen Flughäfen wie Berlin oder Zürich sei die Situation bei den Nachtflügen im Erdinger Moos sehr viel schlechter, kritisierte damals Thomas Enghofer die geltende Regelung über ein "Nachtflugkontingent". Der 88 Seiten umfassende Entwurf für den Lärmaktionsplan sei in jeder Hinsicht ungenügend. Ganz so hart mochte Stadtdirektor Gerhard Koch im Planungsausschuss nicht urteilen. Startbahn und Nachtflugregelung seien nun einmal höchstrichterlich bestätigt, sagte er. In dem Lärmaktionsplan stehe auch viel Begrüßenswertes.

Die Regierung setzt mit dem Lärmaktionsplan eine Richtlinie der EU zur Bekämpfung von Umgebungslärm um. Bereits im vergangenen Jahr hatten neben den Kommunen auch die Bürgerinnen und Bürger daran mitwirken können. Vom 7. August bis zum 21. September 2020 hatte die Regierung von Oberbayern dazu Fragen im Internet veröffentlicht. Die eingegangenen Antworten aus den Online-Fragebögen sowie schriftliche Stellungnahmen seien in den Entwurf des Lärmaktionsplans eingeflossen, so die Erklärung der Regierung zu ihrem Vorgehen. Die daraus entwickelten konkreten Maßnahmen konnten von Bürgern, Organisationen, Städten und Gemeinden bis Ende Juli 2021 neuerlich bewertet werden. Die Stadt Freising hatte für ihre abschließende Stellungnahme zwar Zeit bis zum 8. Dezember, ihren Forderungen aber hatte sie offenbar nichts mehr hinzuzufügen: Oberbürgermeister Eschenbacher unterzeichnete das Schreiben kurz nach der Zustimmung des Ausschusses noch in der Sitzung.

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