Süddeutsche Zeitung

Im Landkreis:Weg frei für pädagogische Ausbildung

Kultusministerium genehmigt Berufsfachschule für Kinderpflege in Erding, beantragt war eine Fachakademie. Dennoch freuen sich die Leiterinnen der Kindergärten, denn der Personalbedarf ist groß

Von Florian Tempel, Erding

Der Landkreis Erding ist bekanntermaßen eine kinderreiche Gegend und eine Zuzugsregion. Dennoch gab es bislang hier keine eigene Ausbildungseinrichtung für pädagogisches Personal. Nun hat dass Kultusministerium auf einen wiederholten Antrag reagiert und erlaubt die Einrichtung einer Berufsfachschule für Kinderpflege. Die eigentlich geforderte Fachakademie für Sozialpädagogik, an der Erzieherinnen und Erzieher ihre Ausbildung erfahren, wurde vorerst aber nicht genehmigt.

Die Berufsfachschule für Kinderpflege soll im September 2022 in Räumen der Erdinger Berufsschule den Unterrichtsbetrieb aufnehmen. Aufnahmekriterium für eine Kinderpflegeschule ist der erfolgreiche Abschluss der Mittelschule. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Sie findet zum größten Teil in der Berufsfachschule statt, dazu gibt es Praktika in Kindertagesstätten. Nach dem Abschluss als Kinderpfleger oder Kinderpflegerin kann man eine Ausbildung zum Erzieher oder Erzieherin an einer Fachakademie für Sozialpädagogik anschließen. In Freising gibt es sowohl eine Berufsfachschule für Kinderpflege wie auch eine Fachakademie für Sozialpädagogik, die dort ebenfalls unter dem Dach der Berufsschule untergebracht sind. Bislang ist Freising für viele junge Frauen und wenige junge Männer aus dem Landkreis Erding, die einen Beruf in der Kinderbetreuung ergreifen wollen, der bevorzugte Ausbildungsort. Eine weitere Fachakademie in der Nähe gibt es in Mühldorf.

Die am Mittwochabend bekannt gegebene Nachricht freut die Fachfrauen im Landkreis sehr. "Ich finde es super", sagte etwa Isabell Haindl, die Leiterin der Pfarrkinderhauses in Wartenberg. Die Einrichtung einer eigenen Fachschule sei überfällig, "bei dem Ausbau von Kitas, den wir haben". Die immer stärker gefragten Krippengruppen, in denen Kinder unter drei Jahren betreut werden, haben einen höheren Personalschlüssel als Kindergartengruppen. Eine Krippe braucht rechnerisch dreimal so viele Mitarbeiterinnen. Isabell Haindl kann das griffig verdeutlichen: Als sie 1999 in Wartenberg anfing "waren wir sieben Leute, heute sind wir 24".

Auch Therese Englmeier, die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Dorfen, sieht "reichlich Bedarf" für neue Kolleginnen und Kollegen. Nur mit "Mühe und Not" gelinge es Jahr für Jahr genügend Personal zu finden. In Dorfen wurde zuletzt alle zwei Jahre eine Kita neu gebaut oder erweitert, in diesem Herbst wird eine provisorische Container-Kita eröffnen, die in aller Eile eingerichtet werden muss. Eine langfristige Planung sei so schwierig, sagt Englmeier, weil der Zuzug von jungen Familien kaum vorhersehbar sei.

Für Sandra Liebold, die Leiterin des Fachbereichs Kinder und Jugend bei der AWO Erding, wurde zu lange mit dem Ausbau der Ausbildungseinrichtungen gezögert. Seit August 2013 haben die Eltern einen gesetzlichen Anspruch, ihre Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt in einer Kindertageseinrichtung betreuen und fördern zu lassen. "Damit ging alles los", sagt Liebold, "es wurde überall geplant und gebaut, aber das Personal war nicht da."

Für die Einrichtung der Kinderpflegeschule hat man im Landkreis Erding einen langen Atem gebraucht. Schon vor zehn Jahren hatte der Kreistag eine Fachakademie beantragt. Allerdings tat das zeitgleich auch der Landkreis Freising - und erhielt dann 2012 vom bayerischen Kultusministerium den Zuschlag. Freising hatte die besseren Karten, weil dort mit der schon lange bestehenden Berufsfachschule für Kinderpflege gewissermaßen der Unterbau gegeben war.

Offenbar ist das Kultusministerium der Ansicht, dass es die richtige Reihenfolge ist, erst eine Berufsfachschule zu etablieren und später dann eine Fachakademie. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) behält dieses Ziel fest im Auge, heißt es in einer Pressemitteilung aus seinem Büro: "Langfristig werden wir natürlich die Angliederung einer Fachakademie für Sozialpädagogik weiterhin verfolgen, um die Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten in dieser Berufssparte noch breitgefächerter darzustellen."

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SZ vom 11.06.2021
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