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Im Landkreis:Positive Haushaltsbilanz

Aufbau von Corona-Notfallkrankenhaus in Erding, 2020

Zum Glück musste hier nie ein Covid-19-Patient rein - und die Millionenkosten hat der Staat übernommen.

(Foto: Renate Schmidt)

Finanziell war das Pandemie-Jahr 2020 für den Landkreis sehr erfreulich. Die Rücklagen steigen auf 12,1 Millionen Euro

Von Florian Tempel, Erding

Es erscheint fast ein bisschen paradox. Doch die finanzielle Situation des Landkreises Erding hat sich im vergangenen Pandemie-Jahr verbessert. Die Jahresrechnung für den Kreishaushalt 2020 weist positive Millionenbeträge aus. So konnten aus dem Verwaltungshaushalt statt 7,5 Millionen Euro zusätzlich und überplanmäßig 10,8 Millionen Euro in den Vermögenshaushalt zugeführt werden. Das erleichtert die Finanzierung von Investitionen ganz enorm. Doch es kam noch besser. Unterm Strich blieb 2020 so viel Geld übrig, dass sich die Rücklagen des Landkreis um 6,9 Millionen Euro erhöhten. Der Landkreis hatte am Jahresende 12,1 Millionen Euro auf der hohen Kante. Das war mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor und der höchste Rücklagenstand seit zwölf Jahren, wie aus der Jahresrechnung 2020 hervorgeht, die Kreiskämmerin Elisabeth Thaler am Montag dem Kreisausschuss des Kreistags vorlegte.

Dabei gab es nicht geringe über- und außerplanmäßige Ausgaben im vergangenen Jahr. Diese betrafen laut Thalers Aufstellung ausschließlich Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie standen. Allem voran das Notkrankenhaus auf dem Fliegerhorstgelände, das in aller Eile in Leichtbauhallen des stillgelegten Warteraum Asyl eingerichtet worden war, dann aber nie zum Einsatz kam. Es kostete 5,6 Millionen Euro. Der Staat hat fast die gesamte Summe bereits erstattet. Für Mehrausgaben im Gesundheitsamt, die Nachverfolgung von Infektionskontakten und die Testzentren in Erding und Dorfen hat der Landkreis 250 000 Euro ausgegeben, aber bislang erst 150 000 Euro vom Staat erstattet bekommen. Die Erstattung der Restbeträge sei jedoch in Aussicht gestellt. Letztlich blieben somit nur 38 500 Euro, die der Landkreis 2020 an direkten Mehrkosten wegen der Pandemie - etwa für Reinigungs- und Desinfektionsmaterial - selbst aufbringen musste.

"Der Landkreis hat unter den Vorzeichen der Coronapandemie trotz der nötigen Einsparungen sehr gut gewirtschaftet", sagt Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) ohne Euphorie. Denn alle Experten sind sich einig, dass sich die Auswirkungen der Pandemie noch bemerkbar machen werden. Der Landkreis kann dem aber dank des guten Jahresergebnisses 2020 etwas gelassener entgegenblicken. "Wir haben die nötigen Voraussetzungen geschaffen, um auch für die wirtschaftlichen Folgen des Pandemiegeschehens gut gerüstet zu sein", sagte Bayerstorfer.

Der Schuldenstand des Landkreis Erding liegt mit knapp 16 Millionen Euro und somit 115 Euro pro Einwohner unter dem bayerischen Durchschnitt. Die Schulden sind zwar im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Millionen Euro gewachsen. Gleichwohl nimmt der Landkreis auf eine besonders schlaue Weise Darlehen auf. Mit 11,4 Millionen Euro besteht der Großteil der aufgenommenen Kredite aus "inneren Darlehen". Landrat Bayerstorfer erläuterte, dass sich der Landkreis bei der landkreiseigenen Abfallwirtschaft Geld leihe, da dort mit einem Teil der Müllgebühren Rückstellungen in Millionenhöhe gebildet werden müssen. Wenn diese Rückstellungen einfach so auf Konten lagern würden, müsste man Strafzinsen für sie zahlen.

Kämmerin Thaler erläuterte, dass der Landkreis dasselbe Problem bei seinen, nun sogar gewachsenen Rücklagen habe: "Es ist momentan sehr schwierig, eine sichere Anlage zu finden." Um Strafzinsen auf Guthaben zu vermeiden, habe man das Geld auf viele verschiedene Konten aufgesplittet, um so mehrmals von Freibeträgen zu profitieren.

© SZ vom 23.06.2021
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