Im Erdinger Stadtpark Saatkrähe nervt die Anwohner

Der Erdinger Stadtpark bietet schon jetzt geschützten Arten den idealen Lebensraum, der Artenreichtum soll aber noch zunehmen

Von Antonia Steiger

Saatkrähen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Vögel, in Erding jedoch empfindet man wenig Mitgefühl für die Singvögel. Auch bei der Informationsveranstaltung zur Umgestaltung des Stadtparks vor wenigen Tagen regte sich wieder Unmut über die vermeintliche Überpopulation im Park.

Anton Euringer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Erding, nahm die Vögel jedoch in Schutz: Die Saatkrähen im Stadtpark seien "eigentlich eine Erfolgsgeschichte", sagte er. In Erding gebe es eine von nur zwanzig Kolonien in Oberbayern. Man nehme die Sorgen der Anwohner, die sich von den Schwärmen belästigt fühlten, dennoch ernst: Die Saatkrähen sollen dazu animiert werden, zum Brüten in die Mitte des Parks umzuziehen.

Für diese Maßnahme steht Euringer eigenen Worten zufolge sowohl mit der Regierung von Oberbayern als auch mit dem Landesbund für Vogelschutz in Kontakt. Noch vor der nächsten Brutzeit sollen die Saatkrähen ihre Nester an "unbedenkliche Plätze" verlegen.

Sie hätten in Erding mittlerweile eine beachtliche Population und gingen auch aus dem Park raus. Doch nicht jede Krähe in Erding ist eine schützenswerte Saatkrähe: Es gibt auch viele Rabenkrähen, die nicht geschützt sind. Euringer sprach sich jedoch dagegen aus, die Saatkrähen mit einem Falken zu verjagen. Das wäre zu teuer und auch zu wenig effektiv.

Die Saatkrähen sind nicht die einzige schützenswerte Art, die sich in dem Park erhalten hat. Die Bäume sind bereits kartiert, und dabei fanden sich Bergulmen, die auf der Roten Liste stehen. Auch "Rotbuchen, die noch mehrere hundert Jahre vor sich haben", stehen im Stadtpark. Wolle man ihr Überleben sichern, dann dürfe man sie nicht von Fichten zuwachsen lassen, sagte Euringer. Auch im Unterholz finden sich interessante Gewächse: das Knick-Fuchsschwanzgras, das Moschuskraut oder der Hohle Lerchensporn.

Ob Fische, Libellen oder Wasservögel: Mit ein paar Eingriffen könnte man den Artenreichtum auch an und in der Sempt im Stadtpark noch erhöhen, sagte Euringer. Statt des jetzt gleichförmigen Ufers mit spärlicher Vegetation sind Uferbereiche geplant, die für Menschen besser zugänglich sein sollen, und andere, von denen Menschen ferngehalten werden sollen. In diesen naturbelassenen Uferzonen könnten sich dann Teichhühner ansiedeln. Und in Feuchtbiotopen soll eines Tages dann wieder das Sumpfvergissmeinnicht blühen. Auch das Wasserwirtschaftsamt ist in diese Planungen bereits mit einbezogen und unterstütze die Maßnahmen.

Aus den überwiegend artenarmen Wiesen im Park könnten mit der richtigen Pflege und der richtigen Aussaat Blumenwiesen werden, auf denen der Artenreichtum zunimmt und auf denen Kinder sogar Schmetterlingen nachlaufen können. Derzeit seien die Wiesen zu verschattet, sagte Euringer. "Blumenwiesen sind jedoch Kinder der Sonne."

Noch ist die Kartierung im Stadtpark bei weitem nicht abgeschlossen, wie Euringer erläuterte. Weder sind die Frösche im Park gezählt und beschrieben noch die Nachtfalter oder gar die Heuschrecken. Man befinde sich noch am Anfang eines Prozesses. Er sei sich jedoch sicher, dass die Maßnahmen eine "Bereicherung für Natur und Landschaft" sein werden, sagte Euringer.