Im Echinger Bürgerhaus Alles neu bei der Theaterwerkstatt

In diesem Jahr zeigt das Echinger Ensemble mit vielen Neuzugängen die "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens. Die Inszenierung übernimmt Gast-Regisseur Sven Hussock

Von Klaus Bachhuber, Eching

Zu den populärsten Weihnachtsfiguren jenseits von Hirten, Ochs und Esel zählt Ebenezer Scrooge. Die Läuterung des misanthropischen Griesgrams am Weihnachtsabend, wie sie Charles Dickens erzählt hat, ist bei der Beschäftigung mit dem Fest längst in den klassischen Kanon eingegangen. In diesem Advent kommt Dickens' "Weihnachtsgeschichte" als Aufführung für die ganze Familie ins Echinger Bürgerhaus - gespielt von der "Echinger Theaterwerkstatt" in einer neuen Übersetzung, mit neuen Darstellern und mit neuem Regisseur.

Zum durchgängigen Schwerpunktthema der Aufführungen der vergangenen Jahre, der Auseinandersetzung mit Heimat in bayerischer Sprache mit zumeist zeitgenössischen bayerischen Stücken, hat sich das Ensemble damit den maximalen Kontrast gesucht. Und vor allem sollte es nach den etwas schwereren Stücken der jüngsten Zeit wieder unbeschwert auf der Bühne zugehen, familientauglich. Zur Erweiterung des Ensembles für eine größere Flexibilität bei der Stückauswahl hat die "Theaterwerkstatt" in den sozialen Medien Nachwuchs gesucht - und in großer Zahl gefunden. In Mia Kohfeldt Thomas Alf, Lea Marolt, Jacqueline Pliske, Riad El Sabbagh und Sarah Sagermann sind gleich sechs Neuzugänge zum bewährten Ensemble gestoßen. Alle werden sie bei der "Weihnachtsgeschichte" zusammen mit Claudia Borst, Ulrich Hafen, Angelika Harlander-Kohfeldt, Sigi Hollik, Renate Jordan, Diana Leitner und Oskar Weissthanner gleich auf der Bühne stehen.

Griesgram Scrooge macht in der "Weihnachtsgeschichte" der Echinger Theaterwerkstatt seinen Mitmenschen das Leben schwer.

(Foto: Markus Josef Leitner)

Und Sigi Hollik, seit Jahren bewährte Regisseurin, hat sich auch für diese zentrale Position um neuen Input bemüht. Über die Bürgerhausleiterin Ulla Grabow entstand der Kontakt zum "Kulturmobil Niederbayern" und zu Sven Hussock, der nun die "Weihnachtsgeschichte" als Gastregisseur inszeniert. "Es war Liebe auf den ersten Blick", schwärmt Hussock über die "Theaterwerkstatt". Er habe hier eine "ganz, ganz herzliche Atmosphäre" angetroffen, schildert er, die Akteure seien "wahnsinnig engagiert". Der 34-Jährige ist an der Bayerischen Theaterakademie zum Schauspieler ausgebildet worden. Seit einigen Jahren übernimmt er freie Regiearbeiten, etwa am Landestheater Niederbayern oder am Theater der Altmark in Stendal.

Die Auswahl des Stücks für Eching erfolgte basisdemokratisch. Die Proben liefen reibungslos und verheißungsvoll, so die Zwischenbilanz des neuen Regisseurs, "alle sind enorm enthusiastisch". Die in Eching gezeigte Bühnenfassung der Erzählung ist eine brandneue Übersetzung von Philipp Löhle, die erst 2017 uraufgeführt wurde. "Der Text liegt gut im Mund", findet der Regisseur. Die moderne Sprache bildet in der Inszenierung der "Theaterwerkstatt" einen Kontrast zum historisierenden Kostümbild aus der Zeit Londons im 18. Jahrhundert, in der Dickens' Geschichte angesiedelt ist. Auch eigene Musik begleitet die Echinger "Weihnachtsgeschichte" 2018, geschrieben vom Münchner Musiker Andreas Lenz von Ungern-Sternberg. Und so wird Ebenezer Scrooge an drei Abenden und bei einer nachträglich ergänzten Sonntags-Matinee im Bürgerhaus seinen drei Geistern der Weihnacht begegnen.

Mit der neuen Inszenierung begibt sich das Echinger Ensemble in diesem Jahr auf ganz neue Wege.

(Foto: Markus Josef Leitner)

Die Inszenierung legt den Schwerpunkt auf die Läuterung des unleidigen Geizhalses. Alle Darsteller sind in mehreren Rollen auf der Bühne, ausgenommen der Scrooge, der das vielgestaltige Panoptikum des Menschlichen durchlebt. Dargestellt wird er von Oskar Weissthanner. Übrigens: Ein Darsteller in dieser Rolle war vor Jahrzehnten auch schon Sven Hussock. Der Gastregisseur spielte den Scrooge als Schulkind in Frankfurt in einer Schüleraufführung.

Aufführungstermine im Echinger Bürgerhaus: Donnerstag, 29. November, Freitag, 30. November, und Samstag, 1. Dezember, jeweils um 20 Uhr, sowie als Matinee am Sonntag, 2. Dezember, um 11 Uhr. Karten über muenchenticket.de, im Bürgerhaus oder bei "Paloti" in Eching, Bahnhofstraße 4 b, oder an der Abendkasse.