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Horst-Stern-Preis:"Wichtig ist der einzelne Bauer"

auszeichnung für jan haft

Jan und Melanie Haft mit Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel bei der Preisübergabe im Garten ihres Hauses bei Dorfen.

(Foto: Thomas Daller)

Jan und Melanie Haft werden für die Kinodokumentation "Die Wiese" ausgezeichnet

Von Thomas Daller, Dorfen

Der Dorfener Naturfilmer Jan Haft und Produzentin Melanie Haft haben für ihre Kinodokumentation "Die Wiese - Ein Paradies nebenan" den renommierten Horst-Stern-Filmpreis 2020 erhalten. Der Preis wurde im Rahmen des 15. Umweltfilmfestivals Brandenburg verliehen. Zur Übergabe kam Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel am Sonntag nach Dorfen, um die Auszeichnung persönlich auszuhändigen. Vogel ist Schirmherr des Umweltfilmfestivals.

Das Umweltfilmfestival ist nach Vogels Angaben das längste in Deutschland. Es dauere üblicherweise mehrere Monate, an mehr als 50 Orten würden mehr als 80 Filme gezeigt. Die Jury bestehe aus Filmwissenschaftlern, sie sei nicht politisch besetzt. Das Land Brandenburg stifte den Horst-Stern-Preis, nachdem Horst Stern vor 15 Jahren dem Festival die Erlaubnis erteilt habe, seinen Namen für die Ehrung zu verwenden. Stern stamme ursprünglich aus Stettin und habe das Festival damals im Alter von 90 Jahren besucht. Horst Stern war einer der Pioniere des kritischen Umweltjournalismus, seine Sendereihe "Sterns Stunde" gilt als wegweisend.

Vogel sagte, als er den Film "Die Wiese" gesehen habe, habe er noch nicht alle Beiträge des Festivals gesehen. Dennoch sei er "150-prozentig" überzeugt gewesen, dass diesem Film der Horst-Stern-Preis gebühre: "Ich konnte mir keinen besseren Film vorstellen." Denn Stern habe in seinen Filmen nicht Katastrophen an die Wand gemalt, sondern immer auch Lösungen aufgezeigt. Und das sei auch ein herausragendes Merkmal des Films "Die Wiese".

Vogel stammt ursprünglich aus Bayern, er ist in Siegsdorf bei Ruhpolding aufgewachsen. Als Kind, sagte er, habe er oft auf Wiesen gespielt. Doch diese Wiesen von einst seien selten geworden: "Was wir in Bayern und Brandenburg als Wiesen bezeichnen, ist Saatgrünland."

Der Umweltminister hob in seiner Laudatio innovative Darstellungsformen wie die Endoskoptechnik hervor, mit der auch "die kleine Welt" exakt dokumentiert worden sei. Jedes Lebewesen sei aufs Schönste gewürdigt, aber man erlebe auch die Bedrohung dieses Lebensraums. "Haft versteht die Beweggründe der Bauern", las Vogel aus der Laudatio der Jury vor, "seine Fürsprache gilt dennoch der artenreichen Wiese. Unsere Landschaften müssen vor der zunehmenden Verödung geschützt werden." Die Jury empfehle diesen Film dem Europäischen Parlament, das sich gerade in Verhandlungen über eine neue Förderpolitik befinde.

Jan Haft sagte, er finde es ganz wichtig, dass man bei dieser Thematik nicht die Bauern an den Pranger stelle, "sondern die Gesellschaft hat hier ein Problem". Die Kollateralschäden unseres Umgangs mit der Natur würden immer augenfälliger. Man müsse Stellschrauben ändern, die für alle gerecht seien.

Vogel sagte, er bemerke einen deutlichen Bewusstseinswandel bei vielen Bauern, welche Probleme beispielsweise Überdüngung mit sich bringe. "Wichtig ist der einzelne Bauer, der offen ist, nicht der Verbandsfunktionär." Er sei froh um jeden aufgeschlossenen Landwirt, der die Augen nicht vor den Problemen verschließe, die die derzeitige Bewirtschaftung mit sich bringe. So bewirtschafte der durchschnittliche Bauer in Bayern 35 Hektar, der durchschnittliche Landwirt in Brandenburg habe hingegen 229 Hektar zur Verfügung, größere landwirtschaftliche Betriebe kämen auf 1000 Hektar oder mehr. Wenn man den Inhaber eines großen Betriebs überzeugen könne, Flächen beispielsweise für Blühstreifen zur Verfügung zu stellen, sei das einfacher zu bewerkstelligen als in Bayern, wo der einzelne Bauer über viel weniger Land verfüge.

Haft sagte, flankierend könne auch die Politik einen wichtigen Beitrag leisten. Der Vertragsnaturschutz habe ein großes Problem, weil Ackerflächen, die für den Naturschutz zur Verfügung gestellt würden, nach fünf Jahren umbrochen werden müssten, andernfalls verlören sie ihren Status als Acker. Das bedeute eine Wertminderung für die Landwirte, die deswegen oftmals skeptisch gegenüber dem Vertragsnaturschutz seien. Außerdem sei dieses Vorgehen kontraproduktiv, weil die Artenvielfalt, die sich innerhalb dieser fünf Jahre aufgebaut habe, dadurch wieder vernichtet würde. Vogel stimmte zu, dafür gebe es aber weder auf Landes- noch auf Bundesebene einen Hebel, denn Brüssel bremse eine solche Gesetzesänderung aus. Diese Regelung sei tatsächlich ein wesentliches Hindernis, gleichwohl sei es auch für ihn nicht nachvollziehbar, warum daran festgehalten werde. "Ich weiß es nicht", gestand der Umweltminister ein.

© SZ vom 29.09.2020

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