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Homeschooling in Erding:Es läuft und es ruckelt

Homeschooling in der Corona-Krise, 2020

Aufgrund der Schulschließungen wegen des Corona-Virus muss der Unterricht online stattfinden, nicht immer unter optimalen Bedingungen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Start in den Online-Unterricht gelingt nicht überall auf Anhieb. Vor allem einige Grundschulen haben Probleme mit der Software

Von Regina Bluhme, Erding

Alle Schulen sind aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Montag findet der Schulunterricht ausschließlich online statt und das klappt im Landkreis mal mehr, mal weniger und manchmal überhaupt nicht. Auch an der Schule von Michael Oberhofer, dem Kreisvorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), hat es beim Start am Montag "geruckelt", wie er sagt. Oberhofer hofft, dass möglichst bald wieder das Wechselmodell von Präsenz- und Distanzunterricht möglich ist. Nicht nur wegen der Stoffvermittlung, sondern auch wegen des Gemeinschaftsgefühls.

Große Probleme gibt es an einigen Grundschulen. Ingeborg Bruns, Schulleiterin an der Grundschule Klettham, spricht von einem "sehr holprigen Start". Die Plattform "Schulmanager" sei offensichtlich überlastet gewesen. "Wir konnten am Montag nicht damit arbeiten und heute klappt es auch nicht", so Bruns am Dienstag. Jetzt behelfe man sich mit E-Mails. Zudem sorgt sie sich um die Ausstattung der Schüler. "36 Leihgeräte hätten wir benötigt, acht habe ich bekommen." Auch an der Grundschule Dorfen Nord gibt es Probleme. "Heute noch mehr als am Montag", hat Schulleiter Gerhard Maintok festgestellt. Allerdings habe die Schule ein zweites Standbein. Über MS Teams laufe es gut. Er macht sich aber so seine Gedanken über die Erstklässler, die nun sehr kurz nach der Einschulung in den Distanzunterricht müssen. Das sieht auch Andrea Bitterlich, Leiterin der Grundschule Langengeisling, problematisch. Die Schule versuche, in Kleingruppen den Online-Unterricht zu organisieren. Es gebe Materialpakete zum Abholen, "da sieht man die Kinder, wenn auch mit Abstand, wenigstens".

An der Realschule Taufkirchen gab es nur anfangs "ein paar Probleme" mit der Software, und das ist nach Ansicht von Rektor Josef Hanslmaier auch nicht verwunderlich, wenn plötzlich 100 Prozent der Schulen online gehen. Aber ärgerlich sei es für die Kollegen und Kolleginnen schon, die sich alle "unwahrscheinlich reinhängen", und ein "richtiges Trainingslager absolvieren" und dann feststellen müssten, dass es mit der Software nicht klappt, sagt Michael Oberhofer. Dabei gebe es sehr viele Möglichkeiten für den Online-Unterricht. "Die Grundausstattung ist hervorragend." Sie nutze nur nichts, wenn die Software nicht funktioniere. Womöglich habe es ein Kollege richtig gemacht: Der habe am Sonntag bei allen Schülern die ausgedruckten Arbeitsblätter persönlich vorbeigebracht. Old-School - aber am Montag hatten die Kinder alle Materialien "und der persönliche Kontakt war auch kurz da".

Am Gymnasium Dorfen wiederum läuft alles rund, wie Schulleiter Markus Höß informiert. "Wir waren für alle Möglichkeiten gewappnet." Stand Dienstag Vormittag habe er auch noch keinerlei Klagen von Eltern gehört. Der Dorfener Schulleiter ist überzeugt, dass es für seine Schüler und Schülerinnen kaum zu Einbußen im Vergleich zum Präsenzunterricht kommen werde. Referate und Seminarpräsentationen würden online gehalten und könnten auch als mündliche Note bewertet werden.

Klausuren sind im Online-Schulbetrieb natürlich nicht möglich. Was, wenn der Lockdown verlängert wird, wie sieht es da für Abschlussklassen aus? Es gelte, "kreative Möglichkeiten" auszuloten, sagt Michael Oberhofer, der die Mittelschule Isen leitet. "Den Schülern und Schülerinnen soll nichts geschenkt werden, aber man muss es gut mit ihnen meinen".

Beim Anruf am Anne-Frank Gymnasium in Erding ist zu erfahren, dass Schulleiterin Regina Hofmann jetzt "in den Unterricht muss", in dem Fall: an den Computer. Klingt ein bisschen nach Normalität und laut Regine Hofmann klappt der Online-Unterricht "richtig gut". Vor kurzem waren an der Schule mehrere Luftreinigungsgeräte zum Testen aufgestellt. Der Sachaufwandsträge, der Landkreis Erding, will in Schulräumen, die nicht gelüftet werden können, ein Gerät aufstellen. Regine Hofmann hofft, dass bald wieder Schüler zurückkehren, zumindest im Wechselunterricht. Die inhaltliche Beschulung laufe, "aber in vielen Dingen können wir die Schüler und Schülerinnen nicht abholen - in ihrer Einsamkeit und ihrem Bedarf, sich mit anderen zu treffen."

© SZ vom 13.01.2021
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