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Homeoffice in den Rathäusern im Landkreis Erding:Technisch aufgerüstet

Bürgermeister Stefan Haberl in seinen Büro. Das Rathaus von Taufkirchen wurde technisch aufgerüstet, um auch Homeoffice zu ermöglichen.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Rathäuser und das Landratsamt haben mittlerweile gut auf Home-Office und Videokonferenzen umgestellt. Manche sehen darin auch ein Modell für die Zukunft

Von Thomas Daller, Erding

Die Corona-Fallzahlen sinken langsamer als erhofft, gleichzeitig wächst die Sorge vor den Mutationen, die bis zu 70 Prozent ansteckender sein sollen. Nun fordert die Politik noch mehr Home-Office ein. Wo es möglich ist, soll es vom Arbeitgeber erlaubt werden. Da ist auch noch Luft noch oben: Bei der ersten Welle im Frühjahr waren 28 Prozent der Arbeitnehmer im Home-Office, in der zweiten Welle sind es nur noch 14 Prozent. Auch in den Rathäusern im Landkreis oder im Landratsamt nimmt man die Infektionsschutzmaßnahmen sehr ernst und ermöglicht Mitarbeitern die Arbeit von Zuhause aus, wenn es von den Arbeitsabläufen machbar ist.

Taufkirchens Bürgermeister Stefan Haberl (CSU) war noch ganz neu im Amt, als er von der ersten Welle kalt erwischt wurde: "Da haben wir das Home-Office noch ein bisschen hemdsärmeliger improvisiert", sagte er. In den Sommermonaten habe man dann im Taufkirchener Rathaus technisch aufgerüstet, um die Ausweitung des Home-Office zu beschleunigen und auf professionelle Füße zu stellen. "Wir haben 20 Lizenzen für Terminalserver erstanden, 20 Mitarbeiter können von Zuhause aus wie im Büro arbeiten und auf ihre Datenordner zurückgreifen." Dabei habe man sich an der Dringlichkeit orientiert, nicht so sehr an der Tätigkeit: "Wer hat Kinder daheim, wer muss sich nebenher ums Homeschooling kümmern?", sagte Haberl.

Natürlich müsse dabei auch der Betrieb aufrechterhalten werden, obwohl das Rathaus seit Dezember wieder für den Publikumsverkehr geschlossen sei. Aber weil man mit Terminvergabe arbeite, könne man das schon so organisieren, dass man grundsätzlich von Zuhause aus arbeite und nur die Termine im Rathaus abwickele. Aufgrund dessen könne er auch nicht beziffern, wie viel Mitarbeiter sich seit wann im Home-Office befänden, weil es sich oftmals um solche Mischformen handele.

Obwohl Corona ein unerfreulicher Anlass ist, seien Home-Office und Videokonferenzen Arbeitsformen, die er auch nach der Pandemie nicht wieder völlig abschaffen will: "Wir hatten im Dezember einen Termin in München, bei dem ich ansonsten mit drei Mitarbeitern hingefahren wäre. Das konnten wir nun auch bei einer Videokonferenz erledigen und es hat uns Zeit erspart." Auch in der vergangenen Gemeinderatssitzung habe man einen Fachreferenten bei Videokonferenz zugeschaltet. Das habe tadellos funktioniert.

Haberl kann sich vorstellen, noch einmal vier bis acht Wochen einen Klimmzug zu machen und das Home-Office zu intensivieren. "Es ist das große Ziel, die Pandemie zu bewältigen. Wir werden den Spagat schaffen und dennoch für unsere Bürger da sein." Denn die Gemeinde habe einerseits Vorbildfunktion und sei andererseits in der glücklichen Lage, das vom Berufsumfeld her auch umzusetzen.

Auch im Dorfener Rathaus sei eine klare Trennung zwischen Home-Office und Präsenz im Rathaus nicht zu ziehen, sagte Pressesprecherin Gudrun Gersbach. Das Rathaus sei ebenfalls für den Publikumsverkehr geschlossen, aber nach Terminvereinbarung stehe man zur Verfügung. Die Stadt sei Mitglied im Familienpakt Bayern und habe bereits im Vorfeld der Pandemie die Möglichkeiten der Mitarbeiter für Home-Office ausgeweitet. Zudem könnten die Bürger vieles telefonisch oder über das Bürgerserviceportal erledigen, "da kann man vieles online abwickeln wie einen Umzug innerhalb der Stadt anmelden oder ein Führungszeugnis zu beantragen", sagte sie. Die Resonanz der Bürger darauf sei positiv. Und wenn man bei dringlichen Terminen ins Rathaus müsse, gebe es keine Warteschlangen, die Rathausmitarbeiter würden in Einzelbüros oder bei größeren Büros im Wechselbetrieb arbeiten. Wenn man das Home-Office noch ausweiten solle, werde man Möglichkeiten finden, sagte Gersbach: "Das müssen wir halt prüfen."

Auch der Besucherverkehr am Landratsamt Erding ist aufgrund der aktuellen Vorgaben deutlich zurückgegangen. Dennoch war und ist das Landratsamt nach Terminvereinbarung durchgehend offen und erreichbar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen über Telefon und E-Mail für die Anliegen der Bürger zur Verfügung. Man setze seit längerer Zeit auch auf die weitere Digitalisierung der Angebote des Landratsamtes, zum Beispiel im Bereich der KFZ-Zulassungsstelle mit Möglichkeiten zur An- und Abmeldung von Fahrzeugen, die einen Behördengang bequem von zu Hause aus über den PC ermöglichen.

Bereits im ersten Lockdown habe das Landratsamt kurzfristig die Möglichkeiten zur Heimarbeit erweitert und führe diese auch jetzt im zweiten Lockdown fort, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Die Möglichkeit Home-Office zu praktizieren sei grundsätzlich in alle Bereichen gegeben und werde auch in fast allen Bereichen, mit Ausnahme der Zulassungs- und Führerscheinstelle, quer durch das Amt durchgeführt. Schwerpunkt seien Bereiche, die durch Doppel- oder Mehrfachnutzung der Büros Abstände nicht sicher gewährleistet werden konnten. Eine Pflichtquote gebe es nicht.

Aktuell seien etwa 25 Prozent der Belegschaft am Landratsamt im Einsatz, was im Vergleich zu den Vor-Corona-Zeiten eine Zunahme von etwa 300 Prozent entspreche. Ein weiterer Ausbau sei auch kurzfristig möglich.

© SZ vom 22.01.2021
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