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Hochwasserschutz:Vier Rückhaltebecken für Erding

Etwa an dieser Stelle soll das Wasser aus dem Neuhauser Graben in die Sempt eingeleitet werden. Ganz schlecht, finden viele. Gerade hier tritt die Sempt schon von sich aus schnell über die Ufer, wie auf dieser Aufnahme vom Juni 2013.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Stadt will die Gewässer dritter Ordnung ertüchtigen. Manche Vorschläge stoßen aber auf große Skepsis.

Knapp 15 Millionen Euro kosten die Maßnahmen, die Sebastian Weise von Björnsen Beratende Ingenieure für den Hochwasserschutz an den Gewässern dritter Ordnung in Erding vorschlägt, da sind die Kosten für den Grund aber noch nicht dabei. Geplant sind Dämme, Rückhaltebecken und Pumpen, um das Wasser zurückzuhalten oder umzuleiten. Doch Weise konnte nicht alle Zweifel beseitigen - speziell was die Frage betrifft, ob Sempt und Saubach wirklich jederzeit das Wasser aufnehmen können, das ihnen zugeführt wird. Am Ende erteilte der Stadtrat aber doch einstimmig den Auftrag an die Verwaltung, auf dieser Basis die Erstellung der Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren voranzutreiben.

Auslöser des Verfahrens ist das Hochwasser im Juni 2013, bei dem nicht nur die Sempt über die Ufer getreten war, sondern bei dem sich auch das Gräbensystem als zu schwächlich erwiesen hatte. Es gab Überschwemmungen beim Sempt-Markt, in Altenerding, in Pretzen und bei der Therme. Vier Gräben, zwei davon im Verbund, müssen daher ertüchtigt werden. Für den Neuhauser Graben, den Itzlinger Graben und den Verbund Wiesengraben mit Aufhausener Graben - die Gewässer dritter Ordnung, für die Erding zuständig ist - untersuchten die Ingenieure mehrere Varianten. Sie präsentierten je zwei, dazu Prüfaufträge, die sie von den Anwohnern erhalten hatten. Sie hatten sich bereits für eine Vorzugsvariante entschieden.

Wasser in die Sempt? Das halten manche für falsch.

Für den Neuhauser Graben schlagen sie ein Rückhaltebecken an der Bundesstraße B 388 vor - und nicht an der geplanten Verlagerung weiter östlich, weil unklar ist, wann die Bundesstraße verlagert wird. Das Becken bekommt einen Damm, das Wasser soll Richtung Altwasser der Sempt abgeleitet werden. Ein Vorschlag, der auf starke Verwunderung stieß. Unter anderem Hans Balbach (Erding Jetzt) zweifelte dessen Sinnhaftigkeit an, weil dort, wo das Wasser eingeleitet wird, "die Sempt immer als erstes über die Ufer tritt".

Er sei froh über jeden Kubikmeter Wasser, der nicht Richtung Sempt und Richtung Innenstadt geleitet werde, sagte auch Josef Biller (CSU) und wies darauf hin, dass zu viel Wasser in Sempt und Saubach für Altham und Eichenkofen zu einer "bedrohlichen Gefahr" werden könne. Biller äußerte sich zur Lösung für den Itzlinger Graben, bei dem zur Debatte gestanden war, das Wasser per unterirdischem Bypass in die Sempt zu leiten. Die Vorzugsvariante sieht jedoch ein Rückhaltebecken südlich der Therme vor sowie die Ableitung des Wassers Richtung Schlotgraben und weiter in den Isarkanal. Von dieser Maßnahmen würde auch Oberding profitieren, wo man sich laut OB Max Gotz (CSU) bereits zur Kooperation bereit erklärt hat.

Aber schon bei dem Wiesen- und dem Aufhausener Graben war die Aufnahmefähigkeit der Sempt wieder ein Thema. Für diese Gräben sind zwei Rückhaltebecken geplant, das Wasser soll Richtung Osten in die Sempt ablaufen. Ein Prüfauftrag der Anwohner hatte ein Erdbecken zum Gegenstand, doch dazu müssten 14 000 Kubikmeter Erde ausgehoben werden, anschließend entstünde eine ständige Seefläche. Aufwendig und teuer wäre es, dieses Wasser wieder wegzubekommen.

Die Therme hat keinen Vorrang

Anwohner aller Gräben und weitere Interessierten verfolgten am Mittwoch gespannt die Debatte im Rathaus. Einmal wurde spontan applaudiert, als Gotz betonte, die Bedürfnisse der Bürger hätten Vorrang vor den Ausbauplänen der Therme Erding. Auf Vorschlag von Hans Fehlberger (FW) soll daher das Rückhaltebecken für den Itzlinger Graben näher an die Therme gerückt werden, wodurch mehr Volumen entsteht und der Damm niedriger wird. "Gut, dann gehen wir damit in die Planung", sagte Gotz. Er betonte, dass alle Maßnahmen Klagen im Planfeststellungsverfahren standhalten müssten, auch was den Flächenverbrauch betrifft: 35 000 Quadratmeter müsste die Stadt Erding erwerben. Petra Bauernfeind (FW) sah hier weiteren Optimierungsbedarf.

Vorgestellt wurde am Mittwoch auch Pläne für den gleichzeitigen ökologischen Umbau der Gräben, der zur Folge hätte, dass der Freistaat 65 Prozent der Gesamtkosten übernehmen würde. Gotz ließ nicht nur darüber, sondern auch über die drei Gräben getrennt abstimmen. Hans Fehlberger (FW) nutzte dies, um sich gegen die Pläne für den Neuhauser und den Wiesen- und Aufhausener Graben auszusprechen, den Gesamtbeschluss trug er mit.

Am 11. November werden die Pläne in der Stadthalle präsentiert, dann wird auch ein Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes anwesend sein und erklären müssen, wie er auszuschließen vermag, dass 100-jährige Hochwasser an der Sempt und in den Gräben nie gleichzeitig auftreten, wie es Weise mehrfach betont hatte. 2013 sei das so gewesen, sagte Hand Schmidmayer (SPD). Damals hatte es einen regenreichen Mai gegeben, darauf folgten zwei Starkregenereignisse Anfang Juni. "Gesättigte Bäche und eine gefüllte Sempt" seien für die Überschwemmungen verantwortlich gewesen.

© SZ vom 18.10.2019
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