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Hochwasserschutz in Erding:Die Skepsis bleibt

Nach den Ortsbegehungen erneuern die Altenerdinger bei der Bürgerversammlung ihre Kritik. Sie fordern, dass sich die Stadt an ihre Seite stellt und sich für eine naturnahe Variante einsetzt

Von Antonia Steiger, Erding

In der Halle geht man auf Abstand.

(Foto: Renate Schmidt)

Ein Thema bewegt die Gemüter in Altenerding ganz besonders: der Hochwasserschutz. Bei der ersten Bürgerversammlung des Jahres, zu der OB Max Gotz (CSU) in die Semptsporthalle eingeladen hatte, in der man schön auf Abstand saß, meldeten sich einige Bürger zu Wort. Viele äußerten ihre Befürchtungen, dass das Wasserwirtschaftsamt München einen linearen Hochwasserschutz entlang der Sempt durchsetzen wird. Und sie forderten Gotz dazu auf, sich noch stärker für einen naturnahen Hochwasserschutz einzusetzen. Das betrifft dann aber nicht nur Sempt und Fehlbach, für die der Freistaat zuständig ist, sondern auch den Hochwasserschutz entlang der Gräben, für den die Stadt Erding verantwortlich ist. Auch dafür haben Bürgerinitiativen Varianten auf dem Tisch gelegt, um größere Eingriffe vermeidbar zu machen.

Josef Stimmer, Christian Veicht, Anton Bichlmeier und Anton Hörl sind alles Altenerdinger, sie äußerten deutlich ihre Kritik. So verlangte Stimmer, dass die Stadt Erding der Bürgerinitiative den Planungsauftrag offenlege, auf deren Grundlage der Hochwasserschutz für die Gräben geplant worden sei. Und er forderte, dass die Stadt in den Auftrag hineinschreiben lasse, dass sie einen naturnahen Hochwasserschutz haben möchte, denn in dem Stadtrat habe dank anderer Mehrheiten "ein Umdenken" stattgefunden. Den Auftrag zu präzisieren und einen naturnahen Hochwasserschutz zu fordern, "das wäre ein ganz starkes Zeichen", sagte Stimmer. An der Austraße müsste zudem die Verrohrung saniert und komplettiert werden, das forderten die Anwohner seit 35 Jahren. "Wir brauchen den Damm überhaupt nicht", meinte er. Gotz hatte zuvor schon angekündigt, dass es ein weiteres Treffen mit den Beteiligten geben werde. Bis dahin würden Ergebnisse der Ortstermine geprüft und ins weitere Verfahren gebracht.

Anton Hörl bemängelte, dass die Ardeobrücke an der Ardeostraße laut einer Festlegung des Rathauses erhalten werden müsse, das hatten Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes bei einer Ortsbegehung gesagt. Die Brücke entspreche aber nicht mehr den Standards, sagte Hörl. Eine modernere Brücke, unter der das Wasser leichter hindurchfließt, soll dabei helfen, dass die Mauern entlang der Sempt weniger hoch ausfallen müssten - oder vielleicht ganz wegfallen könnten. Dass die Brücke stehen bleiben müsse, sei "ein äußerst gewagter Ansatz". Die Bürgerinitiative wolle dazu nun ein Gutachten anfertigen und wünschte sich, dass die Stadt dies in Auftrag geben lasse. Was aber laut Gotz nicht geschehen wird. Gotz sagte aber, er hänge sich rein, "wie es nur geht, um die leidige Mauer zu verhindern". Und er sagte zu, dass ein Hochwasserschutz mit flexiblen Elementen geprüft werde.

Wegen Corona hat OB Max Gotz die Bürgerversammlung in die Semptsporthalle verlegt.

(Foto: Renate Schmidt)

An die Semptallianz erinnerte Anton Bichlmeier: Er forderte, dass alle Anrainer-Gemeinden ins Boot geholt werden müssen. Das Wasser müsse oben zurückgehalten werden, "damit es nicht nach Erding kommt". Von Christian Veicht bekam Gotz eine Unterschriftenliste überreicht, auf der sich 4588 Menschen gegen Mauern an der Sempt ausgesprochen hatten, davon 3600 aus Erding, was etwa zehn Prozent der Einwohner entspreche. Für Veicht "ein sehr beachtliches Ergebnis". Auch er erneuerte die Forderung, dass Gotz sich an ihre Seite stelle. Er erinnerte daran, dass bei der Planung des S-Bahn-Ringschlusses "vorher Druck ausgeübt" worden sei. Das wünsche man sich auch jetzt, und nicht dass die Bürger "vor vollendete Tatsachen" gestellt würden. Gotz erwiderte ihm, er halte bürgerschaftliches Engagement hoch. Beim Ringschluss sei der Schulterschluss gesucht worden. "Die Bürgerbeteiligung war für uns Rückenwind."

In seinem Rechenschaftsbericht hatte Gotz zuvor über die Finanzlage der Stadt referiert, über Stadtplanung und -entwicklung, über Baumaßnahmen und Investitionen. Er sagte einen gewaltigen Einbruch der Gewerbesteuern vorher. Derzeit rechne man in der Kämmerei mit 13 Millionen, 2019 seien es 37 Millionen gewesen. Für 2020 haben Bund und Freistaat angekündigt, das Delta auszugleichen, für die folgenden Jahre gelte dies aber nicht. "Die Einbrüche werden sich verstetigen", sagte Gotz. Daher müssten alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand. Er verteidigte jedoch die Großausgaben der Stadt, wie zum Beispiel die Mehrzweckhalle am Lodererplatz, die 1640 Menschen bei Veranstaltungen Platz biete, die aber doch in erster Linie für den Schulsport gebaut werde. Als Aufgabe der Zukunft nannte er den Bau der neuen Feuerwehrhäuser für Erding und Altenerding, die auch Stellen des Feuerwehrdienstleistungszentrums des Landkreises beherbergen werden.

© SZ vom 22.10.2020
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