Die Möbelindustrie steckt in einer tiefen Krise: Die Konsumlaune ist zurückhaltend, die Bautätigkeit stockt und der Wettbewerb aus Niedriglohnländern hat zugenommen. Das hat auch Auswirkungen auf die Firma Himolla in Taufkirchen an der Vils. Die Geschäftsführung hat daraus Konsequenzen nun gezogen und beim Amtsgericht Landshut ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt, wie das Branchenmagazin Inside als Erstes berichtete.
Himolla beschäftigt etwa 2000 Mitarbeiter. Am Standort Taufkirchen, wo Himolla 1947 gegründet wurde, sind es etwa 850. Die Mitarbeiter erhalten für die Monate Juni, Juli und August Insolvenzgeld. Himolla hat bereits einen Sanierungsgeschäftsführer an Bord geholt, die Unternehmensberatung Falkensteg.
Himolla gehört seit Juli 2025 mehrheitlich der Conzima-Gruppe des Unternehmers Manfred Ziegler. Die bisherige Eigentümerfamilie Welle blieb über ein bedeutendes Investment weiterhin beteiligt. Der Einstieg wurde damals ausdrücklich als Lösung für Nachfolge, Wachstum und langfristige Finanzierung präsentiert. Ziegler ist kein klassischer Möbelunternehmer, sondern vor allem als Restrukturierungs- und Sanierungsexperte bekannt. Die Conzima-Gruppe positioniert sich selbst als Spezialist für Unternehmen mit Ertrags-, Struktur und Existenzproblemen.
Ein Stück weit ist die Schwäche der Möbelbranche der Corona-Krise geschuldet, von der sie damals profitierte: Weil Urlaubsreisen nur noch eingeschränkt möglich waren, wollten es viele Konsumenten zumindest zu Hause gemütlich haben und kauften neue Möbel. So kam es zu vielen vorgezogenen Einkäufen, die sonst erst Jahre später erfolgt wären. Diese Aufträge fehlen nun. Branchengrößen wie der Möbelhersteller Hülsta oder zuletzt Interlübke mussten bereits Insolvenz anmelden. Jetzt trifft es Himolla.
Das Schutzschirmverfahren bedeutet nicht zwangsläufig eine Zerschlagung, denn der neue Mehrheitsgesellschafter Ziegler hat sein berufliches Profil gerade auf Restrukturierungen aufgebaut. Das Sanierungsteam wird nach Angaben des Unternehmens versuchen, die Kosten zu senken und bessere Konditionen bei Kunden und Lieferanten auszuhandeln. Ein Sanierungsplan soll das Kerngeschäft stabilisieren und eine nachhaltige Perspektive für die Unternehmensgruppe eröffnen. Der Geschäftsbetrieb soll dabei zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen. „Alle Aufträge sollen wie geplant abgewickelt werden“, versichert Unternehmer Ziegler.



