Drei Monate hatte die Polstermöbelfirma Zeit, im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens eine Insolvenz abzuwenden. Diese Frist ist nun abgelaufen, seit 1. September läuft die Insolvenz in Eigenverwaltung und eine harte Sanierung steht bevor: Fest steht, dass die Endfertigung geschlossen und in das nicht ausgelastete Werk in Ungarn verlagert wird.
„Das wird auch Auswirkungen auf andere Abteilungen haben“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Claudia Klobensteiner. Eine im Unternehmen kursierende Zahl, es könnten „bis zu 240“ der 739 Mitarbeiter am Standort Taufkirchen von Entlassungen betroffen sein, sei ihres Erachtens allerdings „aus der Luft gegriffen“: „Wir stehen immer noch in Verhandlungen, ich kann selbst noch keine Angaben machen.“ Voraussichtlich Ende September sollen die Kündigungen rausgehen und im Dezember wirksam werden.
Die Möbelindustrie steckt in einer Krise: Die Konsumlaune ist zurückhaltend, die Bautätigkeit stockt und der Wettbewerb aus Niedriglohnländern hat zugenommen. Branchengrößen wie der Möbelhersteller Hülsta oder Interlübka mussten bereits Insolvenz anmelden. Dass es auch bei Himolla kritisch wird, zeichnete sich bereits im Juli 2025 ab, als der Polstermöbelhersteller mehrheitlich von der Conzima-Gruppe des Unternehmers Manfred Ziegler übernommen wurde. Ziegler ist kein klassischer Möbelunternehmer, sondern als Spezialist für Unternehmen mit Ertrags-, Struktur- und Existenzproblemen bekannt.
Vor einem Vierteljahr hatte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Landshut ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt. Die Mitarbeiter erhielten für die Monate Juni, Juli und August Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit, die Geschäftsführung arbeitete unterdessen an Sanierungsplänen.
Am Standort Taufkirchen gibt es neben der Verwaltung noch die Entwicklungsabteilung, das Marketing, Produktmanagement, die Endfertigung sowie Formschaumabteilung, die Kunststoffverformung und die Stoffcutter-Abteilung. Große Bereiche der Produktion sind bereits in weitere Werke in Ungarn, Slowakei und Rumänien ausgelagert, die von der Sanierung nicht betroffen sind.
Einzelne Teile der Produktion bleiben in Taufkirchen
Teile der Produktion sollen auf alle Fälle in Taufkirchen erhalten bleiben, sagte Betriebsratsvorsitzende Klobensteiner, etwa die Stoffcutter- und Formschaumabteilung, die es nur in Taufkirchen gebe: „Die kann man nicht so schnell verlagern.“ Eine dauerhafte Bestandsgarantie sei dies jedoch nicht. Auch die schon etwas ältere Kunststoffverformung bleibe in Taufkirchen.
Für die Mitarbeiter wird ein Sozialplan aufgestellt, um Härtefälle zu vermeiden. Noch vor dem Betriebsurlaub im August mussten sie in einem Fragebogen Auskunft zum Familienstand und zur Wohnsituation geben.
Für diejenigen, die von den Kündigungen betroffen sind, ist die Perspektive düster: Das Arbeitsrecht beim Insolvenzverfahren sei „brutal“, sagte Klobensteiner. Die Mitarbeiter hätten nur „maximal“ drei Monate Kündigungsfrist und sie könnten im besten Fall das Zweieinhalbfache des Brutto-Monatsgehalts als Abfindung erhalten. Diese Abfindung werde aber nur ausgezahlt, wenn nach Beendigung des Insolvenzverfahrens noch Geld vorhanden sei.
Ulrike Scharf, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, hat das Unternehmen vor Kurzem besucht und sich mit Firmenchef Ziegler, Klobensteiner und Teilen der Belegschaft getroffen. Sie will sich für den Erhalt der Arbeitsplätze in Taufkirchen einsetzen. Klobensteiner sagte, Scharf habe angeboten, durch die Agentur für Arbeit die Mitarbeiter zu unterstützen. Sie werde am Ort eine Beratungsstelle einrichten, an die sich die Betroffenen wenden können.
Neben den Kündigungen und der Verlagerung von Abteilungen in die osteuropäischen Werke will Himolla auch versuchen, Teile der Produktpalette günstiger anzubieten. Das wird nicht einfach sein, weil laut Klobensteiner beispielsweise Sperrholzplatten seit dem Ukrainekrieg dreimal so teuer geworden sind. Eine Möglichkeit sieht das Unternehmen darin, die technische Ausstattung im günstigeren Sektor abzuspecken.

