Süddeutsche Zeitung

Herbstfest Erding:Zehn Tage feiern, 365 Tage planen

Lesezeit: 3 min

Marcus Bank ist für die Organisation des Herbstfestes bei der Stadt Erding zuständig. Die Besucher sehen das Ergebnis, können aber kaum erahnen, welcher Aufwand für die Planung betrieben werden muss.

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Herbstfestzeit heißt für die meisten Besucher, dass sie eine paar schöne Stunden haben, etwas essen, ein Bier trinken, mit einem Fahrgeschäft fahren oder Lose beim BRK-Glückshafen kaufen. Aber kaum einer denkt bei allem an die Arbeit, die hinter der Organisation eines Volksfestes steckt. Und die beginnt nicht erst ein paar Wochen vorher, im Prinzip steckt im Ende eines Herbstfestes schon der Beginn des neuen. Nur beim 80. Herbstfest in diesem Jahr war es anders, wegen der Corona-Pandemie. 2020 und 2021 gab es kein Fest. Weniger Arbeit bedeutete dies aber für Marcus Bank von der Stadt Erding nicht. Im Gegenteil. Die Folgen der Pandemie merkte er schon bei der Ausschreibung für die Jubiläum-Wiesn.

"Im Großen und Ganzen war der Aufwand schon der selbe, aber ein paar Sachen haben sich geändert", sagt Bank, der im Hauptjob Leiter des städtischen Ordnungsamtes ist. Früher habe man kurz nach Festende noch alles aufgearbeitet, Rechnungen beglichen und Nachbesprechungen gehabt - dies alles war zuletzt 2019. "Aber dann geht es eigentlich sofort in die Vollen tatsächlich und wir haben schon Ende Oktober Start der Ausschreibung für das nächste Fest", sagt Bank. Ein ständiger Begleiter war vergangenes Jahr die Ungewissheit, nicht nur beim geplanten Herbstfest, ob es stattfinden kann.

Dass die Corona-Pandemie auch konkrete Auswirkungen auf das Herbstfest haben wird, das hat Marcus Bank schon bei der Ausschreibung gemerkt. "Viele der üblichen Verdächtigen, die eigentlich immer dabei sind, sind auch heuer wieder da, aber ein paar der Schausteller fehlen diesmal." Sie haben aufgegeben. Nach der Corona-Pause kam das extreme Personalproblem dazu. Deswegen haben laut Bank auch zwei Fahrgeschäfte wieder abgesagt. Eines schon im März und eines erst ein paar Wochen vor dem Fest. Auch eine kleinere Imbissbude habe einen Rückzieher gemacht. Wenige Tage vor Festauftakt.

"Es sind sehr viele kleine Details, die man gar nicht so sieht"

"Was alles mit dem Volksfest verbunden ist, habe ich früher auch nicht gewusst. Man ging halt aufs Fest und hatte Spaß." Aber tatsächlich stecke sehr viel dahinter. Die Ausschreibung, die Bewerbungen, die Zulassung. Anfang des Jahres sei dann vielleicht eine kleine Pause, aber dann gehe es schon mit den Plananfertigungen los, wer wo hinkomme, was wo benötigt wird, dass alles läuft. "Es sind sehr viele kleine Details, die man gar nicht so sieht und wo man sich gerade nach Corona jetzt noch frühzeitiger darum kümmern musste, wie zum Beispiel die Toiletten-Container zu ordern, damit man auch noch welche bekommt. Man muss sich zum Beispiel um das Feuerwerk kümmern, das heuer eine Lasershow ist, die Stromleitungen, vertraglichen Sachen oder Dinge mit den Vertragsteilnehmern absprechen. Selbst wenn es nur die Telefonanschlüsse im Polizeicontainer sind", sagt der Leiter des Ordnungsamtes.

Dazu komme die Organisation der ganzen Programmpunkte. "Wer hat wann Zeit, beim Herbstfestbus muss man die ganzen Gemeinden anschreiben, damit die sich um die Fahrpläne kümmern und uns diese wieder mitteilen. Die Herbstfestbuslinien müssen dann mit den Busunternehmen abgeklärt werden." Daneben gebe es versicherungstechnische Sachen und vieles mehr. Obwohl man vielleicht meint, dass ein ganzes Team die Organisation macht, sei es so, dass er sie größtenteils alleine mache, sagt Bank. Er habe natürlich Unterstützung von Kollegen bei der Umsetzung, dann seien sie zu zweit. Vor Ort am Platz arbeite aber ein großes Team. Der Bauhof mache wahnsinnig viel bei der Vorbereitung, bis alles stehe. Dann gebe es die Bauaufsichtsbehörde, die die Zelte und Fahrgeschäfte abnehme. Bank kümmere sich zudem um die Programmpunkte der Stadt beim Herbstfest, bis auf die Musikbands, die organisieren die Wirte.

Mit dem "Ozapft is" von OB Max Gotz ist die Arbeit von Bank und seinem Team nicht zu Ende. Einerseits sei dies schon ein kleiner Abschluss, andererseits sei man die zehn Festtage weiter Ansprechpartner und man stehe ständig im Austausch mit Schaustellern und Wirten, sagt Bank. Und dann frage man sich natürlich immer: Klappt alles so wie geplant, zum Beispiel beim Kinderfestumzug mit dem Luftballonwettbewerb? "Der wird auch schon Monate vorher vorbereitet." Die Programmpunkte habe man schon immer im Hinterkopf, bis es dann vorbei ist. Der Nine-to-Five-Job sei bei der ganzen Organisation "ein bisschen außer Kraft gesetzt" und während des Herbstfest natürlich auch, weil er da öfters auf dem Platz sei. "Stimmt es mit den Fahrgeschäften, halten die sich an die Vorgaben. Man muss denen immer wieder mal auf die Finger schauen", sagt Marcus Bank.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5649545
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/bt
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.