Gymnasien im Landkreis Erding Prognosen ohne großen Wert

Es reicht endgültig: Mehr als 300 Abiturienten im Landkreis bekommen ihre Zeugnisse.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Hochschule für angewandtes Management legt eine Studie zur Schülerentwicklung vor, bei der die aktuelle Zahl der Fünftklässler am Anne-Frank-Gymnasium um 50 Prozent daneben liegt. Kreisräte zweifeln am Sinn der Expertise

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Das Anne-Frank-Gymnasium (AFG) Erding bleibt die beliebteste höhere Schule im Landkreis. Zumindest wenn man den Prognosen der Hochschule für angewandtes Management (HAM) für die weiterführenden Schulen im Landkreis Erding bis 2026 glaubt. Zurzeit besuchen gut 1000 Schüler das AFG. Bis zum Schuljahr 2026/2027 könnten es zwischen 1253 und 1305 werden, steht in einer Studie der HAM, die jüngst dem Kreistagsausschuss für Bildung und Kultur vorgestellt wurde. Der Haken ist, dass die Verfasser der Studie für das laufende Schuljahr von 163 bis 166 Fünftklässlern ausgegangen ist - tatsächlich starteten im September 2016 aber nur 109 Kinder am AFG, wie die Schule auf Nachfrage mitteilt. Ein grober Eingangsfehler um 50 Prozent, der alle weiteren Werte bis 2026 erheblich verfälscht.

"Ich bin nicht Gott und kein Statistiker."

Von Prognosen hält der Schulleiter des Korbinian-Aigner-Gymnasiums (KAG), des zweiten Gymnasiums in Erding, Hans-Joachim Fuhrig, wenig: "Ich bin nicht Gott und kein Statistiker." Man könne keine so langfristigen Prognosen machen. Es sei immer wieder spannend, wie sich Eltern entscheiden, wohin ihr Kind auf die Schule gehe und ob es überhaupt auf ein Gymnasium gehe. Mit zuletzt vier Eingangsklassen mit 32 bis 33 Schülern sei seine Schule derzeit an der Obergrenze. Ob es aber 2017/2018 wieder zu fünf Klassen reicht, könne er nicht sagen. Also könne er auch keine Aussagen über den Zeitraum danach machen.

Wenn es nach der Prognose der Hochschule geht, werden sich in diesem September 149 neue Schüler am KAG anmelden. Als aktuelle Zahl hatte die Hochschule 140 Fünftklässler angesetzt, tatsächlich waren es lediglich 131. Bis 2026 erwartet der Bericht zwischen zehn bis 15 Prozent weniger Schüler am KAG, bei einem Stand von derzeit etwa 1250. Es könnten aber auch 900 oder bis zu 1300 werden. Die Prognosezahlen fächern sehr weit auseinander.

Über den Sinn einer Prognose mit so ungenauen Zahlenwerte machte sich bei der Vorstellung des Berichts im Ausschuss für Bildung und Kultur schon CSU-Kreisrat Michael Oberhofer seine Gedanken. Er stellte lapidar fest: "Eigentlich kann man keine Aussagen treffen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Man weiß einfach nicht, wie es werden wird."

Lieber mit den Schulleitern reden

Manfred Slawny (SPD), Mitglied des Kulturausschusses, hat ebenfalls Bedenken, was Prognosen über zehn Jahre im Schulwesen betrifft: "Eigentlich müsste man mit jeder schulpolitischen Entscheidung wie jetzt beim G 9 eine neue Prognose erstellen." Ob Prognosen über zehn Jahre einen Sinn machen, bezweifelt auch er: "Realistischer ist ein Zeitraum über vier bis fünf Jahre. Alles andere ist wie ein 16 Tage-Wetterbericht. Es kann so oder so werden." Er plädiert dafür, vielleicht eher mit den Schulleitern vor Ort zu reden, was sie für Trends und Bedürfnisse für ihre Schulen sehen.

Auch Ausschussmitglied Siegfried Fischer (Freie Wähler) gibt zu: "Wir haben uns eine Erkenntnis erhofft, aber die kam nicht." Langfristige Entwicklungen vorherzusagen, sei im Schulbereich sehr schwierig. Über fünf Jahre könne man reden, aber diese Zahlen würden den Schulen sowieso vorliegen. Angesichts dessen ist Fischer der Meinung, "dass wir über den Sinn von so einer Prognose reden müssen".

Geringen Erkenntnisgewinn

Bis 2015 waren die Schülerzahlen am Anne-Frank-Gymnasium mehrere Jahre lang leicht rückläufig. Dann sei es laut der HAM-Studie zu einer Trendumkehr gekommen. Tatsächlich wurden im September vor zwei Jahren zwar sechs Eingangsklassen in der fünften Jahrgangsstufe mit 170 Schülern gebildet. Womöglich war 2015 aber nur ein Ausreißer nach oben. In den vier Jahre vor 2015 waren zwischen 106 und 141 neue Schüler am AFG aufgenommen worden, und im September 2016 eben nur 109 Kinder.

Auch die generellen Aussagen der HAM-Studie bringen wenig zusätzlichen Erkenntnisgewinn für die Zukunft: Die Geburtenzahlen im Landkreis Erding seien stabil bis leicht steigend, die Zuwanderung werde anhalten und Eltern immer stärker Wert darauf legen, dass ihre Kinder in eine höhere Schule gehen.