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Große Lücken:Petition bleibt wirkungslos

Das Naturdenkmal hat an vielen Stellen erhebliche Lücken.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Landtag hat eine Eingabe des Bund Naturschutz zum Erhalt der Lindenallee zwischen Wartenberg und Schröding einstimmig unterstützt. Doch bislang ist kein einziger Baum nachgepflanzt worden

Als der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags sich im vergangenen Jahr einstimmig hinter eine Petition zum Erhalt der Lindenallee zwischen Wartenberg und Schröding stellte, schöpften viele Natur- und Landschaftsfreunde wieder Hoffnung. Die 1904 bis 1906 angelegte Allee steht zwar als Naturdenkmal unter besonderem Schutz. Doch ihr Bestand ist vor allem wegen angeblich unumstößlicher Straßenbauvorschriften gefährdet. Mit der sogenannten Würdigung der Petition forderten die Parlamentarier die Staatsregierung auf, darauf hinzuwirken, dass alle Möglichkeiten von Nachpflanzung in den zum Teil schon großen Lücken der Allee genutzt würden. Gebracht hat das bislang nichts.

Der Bund Naturschutz, der die Petition vor einem Jahr initiiert hatte, lud unlängst die Vorsitzende des Umweltausschusses des Landtags, die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger, zu einem Ortstermin ein. In einer Pressemitteilung dazu beklagen die Erdinger Kreisvorsitzende Gabriele Betzmeir und Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny nun vehement die Untätigkeit von Landratsamt und Straßenbauamt. Dass bislang noch keine Bäume nachgepflanzt wurden, sei "in unseren Augen eine Missachtung des Landtages", schreiben Betzmeir und Drobny. Die stets gleiche Rechtfertigung aus dem Landratsamt, der für Neupflanzungen nötige Grund und Boden neben der Lindenallee sei nicht zu bekommen, nennen sie "eine fadenscheinige Begründung". Laut eigener Auskunft des Landratsamts ist der Landkreis "aktuell Grundeigentümer von bereits circa einem bis maximal drei Meter" neben der Fahrbahn. Betzmeir und Drobny schreiben weiter, es sei "Tatsache, dass bei bestehenden Alleen selbstverständlich in der Flucht gepflanzt werden kann".

Auch in der vom Landratsamt immer wieder angeführte Richtlinie mit dem langen Namen "Empfehlung zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume" (ESAB), die das angeblich nicht erlaube, steht das sehr wohl so drin. Hinzu kommt, dass die Lindenallee ein Naturdenkmal ist und unter Naturschutz steht, was man ebenfalls berücksichtigen müsste. Wenn neue Bäume weit ab der Straße im Feld gepflanzt würden, wäre die Lindenallee keine Allee mehr, Neupflanzung 4,50 Meter im Acker würden den Charakter der Lindenallee nachhaltig zerstören.

Zu einem früheren Argument des Straßenbauamts, dass Linden nahe an der Straße nicht gedeihen könnten, erwidert der Bund Naturschutz: "Tatsächlich sieht man ja, dass die Linden hundert Jahre gewachsen sind."

Das Landratsamt lässt jedoch nicht locker und besteht nach wie vor darauf, dass Bäume "nur in einem Abstand von mindestens 4,50 Meter zur Straße" nachgepflanzt werden dürften. Nur das sei "sinnhaft und nachhaltig", heißt es in einer Pressemitteilung. Die bereits genannte ESAB-Richtlinie sei zudem für die "Straßenbauverwaltung verbindlich". Die im Bayerischen Landtag einstimmig unterstützte Petition wird mit keinem Wort erwähnt.

Von Untätigkeit könne nicht die Rede sein, heißt es weiter in der Pressemitteilung aus dem Landratsamt. Richtig sei vielmehr, dass Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) sich "mit großem Engagement für den Erhalt der Lindenallee einsetzt". Er habe vor einem Jahr in einer Anliegerversammlung die Grundstückseigentümer aufgefordert, sich zu melden, falls sie Grund für neue Linden zur Verfügung stellen wollten. Diese Bitte sei noch zweimal schriftlich wiederholt worden. Von 64 Grundeigentümern habe man bislang nur sechs positive Rückmeldungen erhalten, "bei denen nun selbstverständlich weitere Schritte erfolgen werden."

Während behördlicherseits kein einziger Baum gepflanzt wurde, hat offenbar ein Anlieger zuletzt selbst einige junge Linden an der Straße gesetzt - die anschließend wieder behördlich entfernt wurden. Das Landratsamt weist daraufhin, "dass zur Bepflanzung des Straßenkörpers nur der jeweilige Straßenbaulastträger befugt ist, welcher im Falle der Lindenallee der Landkreis Erding ist".