Grabungsschutzgebiet in Erding Kelten contra Bahn

In einem geplanten Grabungsschutzgebiet wollen Archäologen Keltenschanzen untersuchen. Doch auch das Wirtschaftsministerium interessiert die Fläche: Hier soll die Südeinschleifung für die Regionalbahn entstehen.

Von Antonia Steiger

Das Grabungsschutzgebiet für Keltenschanzen zwischen Erding und Wörth ist nicht nur für Archäologen von überragender Bedeutung. Auch das bayerische Wirtschaftsministerium wird sich dafür in Kürze zu interessieren haben: Würde die Regionalbahn über die vom Ministerium bevorzugte Südeinschleifung nach Erding geführt, würde sie mitten durch das Grabungsschutzgebiet rattern. Sowohl Erding als auch Wörth haben sich nun dafür ausgesprochen, dort ein Grabungsschutzgebiet auszuweisen.

Mit der ihm eigenen Begeisterungsfähigkeit pries der Archäologe Harald Krause dem Planungs- und Umweltausschuss die Lage der Keltenschanzen südöstlich von Singlding - mit Erfolg: Mit einem einstimmigen Beschluss segnete der Ausschuss den Plan ab, dort ein Grabungsschutzgebiet ausweisen zu lassen, falls man dafür das Landesamt für Denkmalschutz, die Regierung von Oberbayern und vor allem die Grundeigentümer gewinnen könne.

Grabungen ließen sich für Schüler und Touristen nutzbar machen

Erste Gespräche mit den Landwirten hätten bereits stattgefunden, sagte Krause. Für die Bauern hätte diese Entscheidung weitreichende Bedeutung: Sie dürften die Felder auf 16,3 Hektar nicht mehr landwirtschaftlich nutzen, da sonst die Überbleibsel der Keltenschanzen komplett zerstört würden. Es böte sich ihnen aber die Möglichkeit, bei Erhalt und Pflege mitzuwirken und dafür Zuschüsse in Anspruch zu nehmen. Auch einen Anspruch auf Ausgleichsflächen haben sie.

Bürgermeister Max Gotz (CSU) befürwortete das Grabungsschutzgebiet im Hinblick auf das neue Museum Erding und die Tradition der Keltenforschung im Landkreis. Krause eröffnete den Erdingern die Aussicht darauf, dass das Grabungsschutzgebiet zu einem in Bayern einzigartigen Archäologie- und Biotop-Verbund werden könne. Es ließe sich für Schulen, Tourismus und Naturschutz nutzbar machen.

"Bewusstsein für Geschichte schärfen"

Stillschweigend übergangen hat der Ausschuss den Umstand, dass das Grabungsschutzgebiet mit den Plänen des Wirtschaftsministeriums für die Südeinschleifung beim Bau der Walpertskirchener Spange kollidiert. Aber der Wörther Bürgermeister Rudolf Borgo (SPD) sagte auf Nachfrage: "Mit dem Grabungschutzgebiet hätten wir ein Faustpfand." Er sieht seine Gemeinde in besonderem Maße von Lärm belästigt, falls die Südeinschleifung gebaut würde.

Borgo und Gotz sind sich in diesem Punkt einig, denn auch Gotz lehnt im Gegensatz zu einem Teil des Erdinger Stadtrates eine Südeinschleifung der Regionalbahn ab. Er hält an dem Beschluss von 2004 fest, demzufolge die Regionalbahn in Erding auf dem Fliegerhorstgelände in einem neuen Kreuzungsbahnhof auf die S-Bahn treffen würde.

Zum Schutz der Keltenschanzen müsse man nun aber schnell handeln, sagte Borgo, "damit nicht alles kaputt gemacht wird". Er vermutet, dass sich für die Südeinschleifung auch eine weiter nördlich gelegene Variante finden ließe. Das Grabungsschutzgebiet würde helfen, "das Bewusstsein für Geschichte zu schärfen", sagte Borgo. "Bis heute ist noch keine Keltenschanze komplett ausgegraben worden."

Im Wirtschaftsministerium rechnet man unterdessen "nicht mit weitergehenden Konsequenzen", wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt. Bei den Planungen seien Bodendenkmäler "lokalisiert und analysiert" worden. Sie würden in den weiteren Planungs- und Genehmigungsschritten berücksichtigt.