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Glonn/Innsbruck:Bewährungsstrafe für Skitrainer

Gericht sieht Mitverantwortung für Todesfall bei Lawinenunglück

Ein Ski-Trainer des Wintersportvereins Glonn ist wegen des Lawinentods eines 14-jährigen Vaterstetteners im Tiroler Zillertal zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Landesgericht Innsbruck sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Mann den Nachwuchs-Skisportler im vergangenen Januar trotz erheblicher Lawinengefahr ohne Notfallausrüstung in einen extrem steilen Hang hatte einfahren lassen.

Kurz darauf begrub ein Schneebrett den 14-Jährigen unter sich. Erst nach 25 Minuten konnte die Bergrettung den Jugendlichen aus den Schneemassen befreien, doch da war es bereits zu spät. Die Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des 14-Jährigen feststellen. Das Unglück schlug in den Wochen nach dem Vorfall hohe Wellen, und das über Glonn hinaus. Neben dem örtlichen Wintersportverein sagten auch Teams aus München und dem Umland aus Solidarität ihre Rennen ab. Verurteilt wurde der Trainer wegen grob fahrlässiger Tötung. Das Urteil fiel verhältnismäßig mild aus, beim Strafmaß wurden das volle Geständnis und die Reue des Trainers berücksichtigt. Der Hang habe deutlich mehr als 35 Grad, teilweise sogar über 45 Grad gehabt, sagte der Richter. "Sie haben zwar den Lawinenlagebericht vorher eingeholt, aber falsch gelesen. Sie sind genau die Risiken eingegangen, von denen im Lagebericht die Rede war." Nach den gängigen Entscheidungsstrategien sei der Hang tabu gewesen. Die Gruppe des WSV Glonn war rund 100 Meter neben der regulären Piste unterwegs.

Der Angeklagte sagte, er habe den Hang vom Lift aus gesehen und ihn bei näherer Betrachtung als weniger als 35 Grad steil eingeschätzt. "Ich dachte, dass ich das Risiko mit einer Einzelbefahrung ausreichend minimieren kann", erklärte der 25-Jährige. Der Richter hielt dagegen, der Hang habe deutlich mehr als 35 Grad, teilweise sogar mehr als 45 Grad gehabt. "Das ist ein markanter Unterschied, das müssten Sie einschätzen können." Der Wintersportverein Glonn war nach dem Unglück massiv in die Kritik geraten. Auch aus dem Raum Ebersberg meldeten sich Skisport-Experten zu Wort: Ein Suchgerät für Verschüttete, eine Schaufel und eine Sonde seien im Tiefschnee ein Muss, erklärte Herbert Neumaier, Leiter der Ski-Schule Neumaier in Markt Schwaben. Gregor Schober, der beim Glonner Wintersportverein für Leistungssport zuständig ist, bekam wütende E-Mails und Anrufe. Schober hatte den Trainer in Schutz genommen, die Abfahrt neben gekennzeichneten Pisten sei "bei allen Mannschaften absolut üblich", erklärte Schober damals. Auch dafür, dass das siebenköpfige Team keine spezielle Lawinen-Ausrüstung dabei hatte, treffe den Trainer des Schüler-Teams keine besondere Schuld, befand Schober. "Ich kenne keine Mannschaft, die mit solchen Geräten unterwegs ist."

© SZ vom 08.07.2016
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