Glasfaser für Pastetten Bürgerinitiative bündelt Nachfrage

Eine Bürgerinitiative hat dazu beigetragen, dass Pastetten 40 Prozent der Haushalte erreicht hat, die an dem Angebot Interesse hatten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Unternehmen Deutsche Glasfaser will etliche Kommunen mit einem Netz bis ins Haus versorgen. Aber nicht überall ist das Interesse groß genug

Von Katharina Kausche, Erding

Aus Kupfer wird Glas, jedenfalls in Pastetten. Dort hat man in der vergangenen Woche im dritten Anlauf die Hürde für eine flächendeckende Glasfaseranbindung genommen: 40 Prozent der Haushalte haben einen Vertrag mit dem Unternehmen Deutschen Glasfaser (DG) abgeschlossen und bekommen nun ein gläsernes Kabel ins Haus gelegt. Die Deutsche Glasfaser möchte auch in Neuching, Isen, Berglern und Forstern aktiv werden. Dabei gilt aber stets eines: Es müssen mindestens zwei Fünftel aller Haushalte mitmachen.

Vor vier Monaten hatte Projektmanager Bernard Peterander begonnnen, in Pastetten Infoabende zu veranstalten und mit seinen Mitarbeitern von Tür zu Tür zu ziehen. Trotzdem erreichte er in der zunächst gesetzten Frist das Minimum von 40 Prozent nicht. Unterstützung bei der Kampagne kam dann von den Kunden. Mehrere Pastettener schlossen sich zusammen und warben intensiv für das Angebot der Deutschen Glasfaser. Mit selbst entworfenen Flugblättern und fast täglichen Facebook-Beiträgen riefen sie ihre Mitbürger zum Unterschreiben auf. Auch Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger (CSU) unterstützte die Bürgerinitiative: "Wir hatten nur ein paar Wochen Zeit, und ich wüsste nicht, was wir sonst noch hätten machen sollen." Nachdem die 40 Prozent im Januar noch nicht erreicht waren, handelte die Initiative eine inoffizielle Fristverlängerung aus. Auch Peterander ist sich sicher: "Die Bürgerinitiative hat einiges dazu beigetragen, dass Pastetten die 40 Prozent erreicht hat."

Glasfaser, eine Form der sogenannten Lichtwellenleiter, gibt es zwar schon fast überall, aber meistens nur bis zum Verteilerkasten an der Straßenecke. Die Deutsche Glasfaser verspricht die Lücke zu den Haushalten zu schließen. "Fiber to the Home" (FTTH), auf deutsch "Glasfaser bis ins Haus", heißt das Prinzip, auf das sich das Unternehmen spezialisiert hat. Der Ausbau rentiere sich für seine Firma nur, sagt Peterander, wenn 40 Prozent der Haushalte in einer Gemeinde einen Vertrag abschließen. Die Haushalte müssen sich für zwei Jahre binden - die monatlichen Kosten sind marktüblich - und erhalten dafür den FTTH-Anschluss kostenlos. Normalerweise kostete so ein Glasfaseranschluss mindestens 750 Euro. Nach zwei Jahren kann man zu einem anderen Provider wechseln. "Wir stellen ein sogenanntes offenes Netz", erklärt Peterander, "einmal da, darf es jeder Anbieter nutzen."

In Forstern hat es nicht geklappt. Hier ist der Glasfaserausbau an der 40-Prozent-Hürde gescheitert. Weniger als ein Drittel der Haushalte zeigte während der gesetzten Frist konkretes Interesse. Das Ziel sei in Forstern sehr klar verfehlt worden, sagt Peterander: "Wir stecken da erst mal kein Geld mehr rein."

Die Gemeinde Forstern und die Deutsche Glasfaser arbeiten trotzdem weiter zusammen und fokussieren sich auf das Förderprogramm des Bundes zur Erschließung der stark unterversorgten Gebiete. Mit dem Bundesprogramm werden jedoch nur Ortsteile in den Außenbereichen gefördert. Forsterns Bürgermeister Georg Els (Freie Wähler) sieht darin ein Problem: "Wir haben die inneren Ortsteile vergessen." Innerorts sind die Internetgeschwindigkeiten zu schnell für ein Förderprogramm, obwohl sie längst nicht mehr zeitgemäß seien. "Deshalb ist der Privatausbau eine gute Sache und mit der Deutschen Glasfaser nicht nur für Einzelne, sondern in der ganze Gemeinde möglich." Er hofft, dass der Anschluss der "weißen Flecken" anderen Bürgern "die Augen öffnet und sie auch den Glasfaserausbau unterstützen". Denn Els ist sich sicher: "Irgendwann müssen wir alle auf Glasfaser umstellen - und zu solchen Konditionen wie jetzt bekommen wir das nicht mehr."

Die Deutsche Glasfaser ist nicht überall aktiv. "Wir konzentrieren uns auf ländliche Orte mit 300 bis 500 Wohnungen, die eine schlechte Internetversorgung haben", erklärt Projektmanager Peterander. Auch die Bodenbeschaffenheit spiele eine Rolle bei der Auswahl der Kommunen, sagt ein Unternehmenssprecher. Das dritte Kriterium ist eine gute Anbindung an den Glasfaser-Backbone, also das Rückgrat des überregionalen Glasfasernetzes.

Obwohl die DG einen Vertrag mit den Gemeinde schließt, bleibt es ein eigenwirtschaftlicher Ausbau des Unternehmens ohne öffentliche Zuschüsse. Ein Nutzungsvertrag regelt lediglich die Bedingungen, unter denen das Unternehmen in der Bauphase Straßen- und Gehwege aufreißen darf, um die Glasfaserkabel zu verlegen.

In Isen und Neuching läuft die Frist der Nachfragebündelung noch bis April, in Berglern bis Mai. Zurzeit haben in keiner Gemeinde mehr als zehn Prozent einen Vertrag unterschrieben. Den aktuellen Stand kann man auf der Internetseite des Unternehmens verfolgen. Christine Pettinger, die Geschäftsleiterin im Isener Rathaus, hofft, dass es mit den 40 Prozent klappt: "Realistisch gesehen haben wir keine Alternative zur Deutschen Glasfaser." Im März plant die DG einen "Glasfasertag" in Isen mit Informationsständen, bayerischem Buffet und Kinderschminken.

Bis die gläsernen Kabel Pastetten mit Internet in Lichtgeschwindigkeit versorgen, wird es allerdings noch dauern. In der kommenden Woche startet die Planungsphase. Vom Beginn der Bauphase bis zu Netzaktivierung rechnet das Unternehmen mit zwölf Monaten. Pastettener Haushalte, die noch keinen Vertrag abgeschlossen haben, können sich noch bis Ende des Monats einen kostenlosen Hausanschluss sichern.