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Geringfügige Beschäftigungen:Vollbeschäftigung mit Schattenseiten

Der boomende Einzelhandel bietet in Erding viele Arbeitsplätze, aber nicht jeder ist gut bezahlt, viele Mitarbeiter sind geringfügig beschäftigt.

(Foto: Renate Schmidt)

Vom stetigen Aufschwung profitieren im Landkreis nicht alle Arbeitnehmer. Die Zahl derjenigen, die Löhne im unteren Bereich haben oder sich mit Nebenjobs über Wasser halten, steigt ebenso kontinuierlich

Von Monat zu Monat und Jahr für Jahr meldet die Arbeitsagentur für den Landkreis Erding Arbeitslosenquoten von unter zwei Prozent, was statistisch gesehen als Vollbeschäftigung gilt. Auch andere Zahlen verkünden, dass es den Erdinger Arbeitnehmern gut gehen muss: Nach den aktuellen Strukturdaten der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von 2011 bis einschließlich 2016 um 21,1 Prozent gestiegen, und auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wuchs um etwa zwanzig Prozent. Doch den etwa 45 000 Arbeitnehmern stehen auch fast 15 000 geringfügig Beschäftigte gegenüber. Jeder zweite von ihnen übt die Tätigkeit neben seinem eigentlichen Job aus - Tendenz steigend.

"Die gewachsene Struktur des Landkreises mit seinem breiten Branchenmix ist das Zeichen eines gesunden Standortes. Der Erfolg unserer Wirtschaft wird hauptsächlich von klein- und mittelständischen Betrieben getragen, die allermeisten von ihnen haben weniger als fünfzig Mitarbeiter", sagt der IHK-Regionalausschuss-Geschäftsführer Otto Heinz. Doch die Struktur ist permanent im Wandel. Nach einer Statistik der Arbeitsagentur arbeiten derzeit im Landkreis Erding rund 78 Prozent im Dienstleistungsbereich und 21 Prozent im produzierenden Gewerbe. Nur 0,9 Prozent sind in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei tätig.

Sieht man sich an, in welchen Wirtschaftszweigen die Erdinger arbeiten, stellt man fest, dass die meisten (Stand Dezember 2017) im Bereich Handel, Instandhaltung, Autoreparatur arbeiten (18 Prozent), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (12 Prozent) und Verkehr und Lagerei (10,4 Prozent). Berufsbereiche, in denen traditionell keine hohen Gehälter bezahlt werden, die aber im Landkreis boomen. Ein Blick auf die Zahlen, die Auskunft darüber geben, wer in welchen Wirtschaftsabschnitten arbeitet, zeigt: Jeder Dritte ist im Handel, Verkehr und Gastgewerbe beschäftigt.

Bei den geringfügig Beschäftigten - wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung regelmäßig im Monat 450 Euro nicht überschreitet - haben die meisten Reinigungsberufe (15,3 Prozent), gefolgt von Jobs in der Tourismus-, Hotel- und Gaststättenbranche (13,7 Prozent). Einen starken Unterschied bei den Geschlechtern gibt es, wenn man sich die Statistik im Vergleich von geringfügig Beschäftigten im Nebenjob oder ausschließlich Beschäftigen ansieht. Ist es die einzigen Einnahmequelle, sind 61,7 Prozent (Stand Juni 2018) Frauen und 38,3 Männer. Ist es nur zusätzliche Verdienstquelle, ist das Verhältnis fast ausgeglichen mit 50,2 zu 49,8 Prozent - wobei die Männer knapp überwiegen. Macht man keinen Unterschied, ob man den Job als Haupt- oder Nebenerwerbsquelle hat, sieht man, dass überwiegend Deutsche (84,5 Prozent) geringfügig entlohnt werden, außerdem ist mehr als die Hälfte (55,1 Prozent) zwischen 25 und 55 Jahren alt - 12,7 Prozent sind über 65 Jahre und älter, jobben also im Rentenalter noch.

Neue Jobs durch neue Firmen, die im Landkreis angemeldet wurden, entstanden 2017 vor allem im Bereich Handel, Instandhaltung, Autoreparatur mit 280 - davon sind 213 Neugründungen und 42 Firmen, die nach Erding zogen. Das Baugewerbe folgt mit 163 Anmeldungen.

Insgesamt gesehen ist aber die Zahl der Gewerbeanmeldungen seit Jahren rückläufig. Waren es 2012 noch im ganzen Jahr 1492, sank sie 2017 auf 1318. Davon zog es 329 in die Stadt Erding, gefolgt von Dorfen mit 130 und Oberding mit 97. Den 1318 neuen Betrieben standen aber 2017 auch 1256 Abmeldungen gegenüber, davon gaben 914 komplett auf und 190 zogen weg. Dabei überwog das Saldo im Bereich Handel, Instandhaltung, Autoreparatur mit einem Plus von acht Firmen, im Baugewerbe sank die Bestandszahl um 39.