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Geothermie Erding:"Herausragendes Klimaschutzprojekt"

Geothermie-Heizwerk Erding 1

Herzstück des Erweiterungsbaus ist die neue Kompressionswärmepumpe. Im Bild mit Günther Hein und Peter König vom Anlagenbauer AGO AG.

(Foto: Stephan Görlich)

Der Zweckverband feiert eine Erweiterung: Energieversorger spart jährlich 13 000 Tonnen CO₂ ein

Der Zweckverband für Geothermie hat die Erweiterung des Geothermie Heizwerks gefeiert. Mit der Erweiterung kann der Zweckverband nun das Äquivalent von 7000 Haushalten mit Wärme versorgen. Das entspricht einer Einsparung von sieben Millionen Litern Heizöl pro Jahr. Auch CO₂ wird damit eingespart und zwar in einer Größenordnung von 13 000 Tonnen jährlich. In seiner Festansprache bezeichnete Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) die Geothermie als herausragendes Klimaschutzprojekt im Landkreis Erding.

Im Herbst 2018 begannen die Bauarbeiten direkt an der Therme, zwischen Parkhaus und Saunahalle, für das neue Heizwerk mit Blockheizkraftwerk, Kompressionswärmepumpe und zwei neuen Wärmespeichern, die die Laufzeit optimieren sollen. In den Erweiterungsbau wurden 7,8 Millionen Euro investiert.

Bei der Geowärme an der Therme werden pro Sekunde 48 Liter etwa 60 Grad heißes Wasser aus 2300 Metern Tiefe geholt. Entweder fließt es der Therme zu, oder es wird energetisch verwertet, um damit zahlreiche Erdinger Haushalte mit Wärme zu versorgen. Danach wird das deutlich kältere Wasser über das Bohrloch 2 am Kletthamer Feld wieder in die Erde geleitet.

Landrat Bayerstorfer, der auch Verbandsvorsitzender des Zweckverbandes Geowärme ist, erinnerte in seiner Ansprache an die Anfänge: Der Energieversorger Texaco hatte in den 1980er Jahren auf dem heutigen Thermengelände nach Öl gebohrt und sei dabei auf heißes Wasser gestoßen. Texaco stufte den Fund als nutzlos ein, woraufhin die Stadt und der Landkreis Erding die Nutzung der Geowärme ins Auge fassten und einen Zweckverband gründeten. Als Partner wurde die Steag New Energie mit ins Boot genommen. 1994 wurde das Fernwärmenetz in Betrieb genommen und 1998 das Heizwerk 1. Richtig lukrativ wurde das Projekt, als die Therme Erding 1999 eröffnet wurde, die seither als größter Kunde firmiert. 2008 und 2009 erfolgte die zweite Bohrung am Kletthamer Feld, um das abgekühlte Wasser nach der Nutzung wieder zurück in die Tiefe zu verpressen, wo es sich erneut aufheizen konnte. Die Dimensionen des Projektes sind gewaltig: "Ich habe mir sagen lassen, dass es sich um das größte Geothermieprojekt in der Bundesrepublik Deutschland handelt", sagte Bayerstorfer.

In den Anfängen sei dieses Projekt sehr skeptisch betrachtet worden, sagte der Verbandsvorsitzende. Von einem "Millionengrab" und von einem "Rohrkrepierer" sei damals die Rede gewesen. Er dankte Altlandrat Xaver Bauer und den früheren Erdinger Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind, die bei der Einweihung anwesend waren, dass sie damals ihre Verantwortung durchgehalten und das Projekt realisiert hatten. Sie seien die Väter der Erdinger Geothermie. Großer Dank gebühre auch dem Gründungs-Geschäftsführer des Zweckverbandes, Alois Gabauer, der die Geschäfte noch wenige Monate leiten wird. Ohne dessen hervorragende Arbeit befände sich der Zweckverband nicht auf diesem Niveau. Gabauers Nachfolge als Geschäftsführer wird im Mai dieses Jahres Michael Perzl antreten.

Thomas Billotet, Sprecher der Geschäftsführung Steag New Energies, bedankte sich für die mittlerweile 25 Jahre währende vertrauensvolle Partnerschaft. Die Steag verstehe sich als Partner der Kommunen bei der Energiewende. Als man 2009 das zweite Geothermiekraftwerk in Betrieb genommen habe, habe man eine Wärmeanschlussleistung von 47 Megawatt erzielt. "Heute sind es rund 70 Megawatt." Das entspreche 18 Prozent des Erdinger Wärmevolumens. Einzigartig in Deutschland sei die Mehrfachnutzung des Thermalwassers mit der größten Therme der Welt. Sie allein nehme 15 Megawatt ab. Das entspreche dem Bedarf von rund 1000 Einfamilienhäusern. Billotet nannte die Geothermie ein "Vorzeigeprojekt, das in die Zukunft passt".

© SZ vom 16.01.2020
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