AusstellungChronist mit hintergründigem Humor

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Das „Königlich Bayerische Amtsgericht“ - hier eine Inszenierung aus dem Jahr 2004 in Markt Indersdorf - ist das bekannteste Werk von Drehbuchautor Georg Lohmeier.
Das „Königlich Bayerische Amtsgericht“ - hier eine Inszenierung aus dem Jahr 2004 in Markt Indersdorf - ist das bekannteste Werk von Drehbuchautor Georg Lohmeier. Niels Jörgensen

Mit dem „Königlich Bayerischen Amtsgericht“ schrieb Georg Lohmeier Fernsehgeschichte. Zum 100. Geburtstag des Dorfener Schriftstellers erinnert eine Ausstellung im Rathaus an sein Leben und Werk.

Von Thomas Daller, Dorfen

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Georg Lohmeier, bekannt aus Funk und Fernsehen sowie durch seine Bücher, wäre am 9.  Juli 100 Jahre alt geworden. Geboren wurde er 1926 im Weiler Loh bei Dorfen. Aus diesem Anlass hat der Historische Kreis Dorfen eine Ausstellung konzipiert, die an die Vielseitigkeit des originellen Schriftstellers, Regisseurs, Schauspielers, Historikers und bayerischen Patrioten sowie seinen Heimatbezug erinnert. Bekannt wurde Lohmeier als Drehbuchautor des „Königlich Bayerischen Amtsgerichts“, das von 1969 bis 1972 gesendet wurde und Einschaltquoten von bis zu 20 Millionen Zuschauern pro Folge erreichte. Darüber hinaus schrieb er mehrere Stücke für den Komödienstadel und verfasste rund 30 Bücher, meist mit historischem Bezug. Die Ausstellung ist bis 7. August im Foyer des Dorfener Rathauses zu sehen.

Georg Lohmeier wurde als jüngstes von neun Kindern geboren. Sein Vater war Bauer und Bierbrauer in Loh. Nach dem Besuch des Domgymnasiums in Freising studierte er Theologie, gab dieses Studium aber bald wieder auf. Stattdessen widmete er sich in München den Theaterwissenschaften und der Kunstgeschichte. Nach dem Studium arbeitete er als Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk.

Georg Lohmeier wäre am 9. Juli 100 Jahre alt geworden. Der Historische Kreis würdigt den Schriftsteller mit einer Ausstellung  im Dorfener Rathaus.
Georg Lohmeier wäre am 9. Juli 100 Jahre alt geworden. Der Historische Kreis würdigt den Schriftsteller mit einer Ausstellung  im Dorfener Rathaus. Thomas Daller

Für den Rundfunk und später das Fernsehen schrieb Lohmeier viele Theaterstücke und Hörspiele. Große Bekanntheit erlangte er als Autor der Serie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“, das er im fiktiven Ort Geisbach ansiedelte. Als gebürtiger Dorfener ließ er sich bei den einzelnen Folgen von tatsächlichen Fällen des Dorfener Amtsgerichts inspirieren. Besonders deutlich wird das in der zweiten Folge „Bierkrawall“. Sie greift den legendären Dorfener „Bierkrieg“ vom Juni 1910 auf, bei dem eine Bierpreiserhöhung um zwei Pfennig zu Ausschreitungen und Brandstiftungen führte.

Die 52 Folgen der Serie waren nach einer Umfrage der Fernsehzeitschrift Gong die beliebteste Nachmittagsserie ihrer Zeit. Kritiker warfen Lohmeier jedoch vor, er habe die gar nicht so heile bayerische Prinzregentenzeit zur goldenen Ära von Liberalität, Behaglich- und Gemütlichkeit verklärt und damit dem Publikum eine Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ eingeimpft, die bis heute das Bayernland präge.

Lohmeier bediente die Sehnsucht des Publikums nach einer guten alten Zeit

Lohmeier wusste seine Stoffe einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Der Blick auf die Vergangenheit richtete sich Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre insbesondere auf die Nazi-Zeit. Es gab aber im Publikum eine Sehnsucht nach früheren Zeiten, als die Welt scheinbar noch in Ordnung war. Diesen Bedarf bediente Lohmeier mit Fällen, in denen nicht Mord und Totschlag im Mittelpunkt standen, sondern Raufereien, Schwarzfischerei oder üble Nachrede.

Lohmeier, den Kritiker als „Erfinder der guten alten Zeit“ bezeichneten, war durchaus ein differenzierter Betrachter der bayerischen Geschichte. Das zeigen etwa seine Bücher „Liberalitas Bavariae – von der guten und weniger guten alten Zeit in Bayern“ sowie „Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben – Die königlich bayerischen Sozialdemokraten Erhard Auer, Ignaz Anes und Georg von Vollmar“.

Auch seine Rolle bei den „Königstreuen“, die sich alljährlich in Gammelsdorf im Landkreis Freising treffen, war eher die eines gutmütigen Schlitzohrs. Als Lohmeier bei einem Treffen vor 54 Jahren ankündigte, er wolle in Bayern die Monarchie ausrufen, war das vor allem ein medialer Schachzug, um Ministerpräsident Franz Josef Strauß zu ärgern. Den er hatte er obendrein zur Proklamation eingeladen. Strauß lehnte mit der Begründung ab, er habe bereits einen Termin bei einer anderen Faschingsveranstaltung.

Lohmeier blieb Dorfen stets verbunden. Er kam zu Lesungen oder wenn der Theaterverein Wasentegernbach eines seiner Stücke aufführte. Die Ausstellung im Rathaus zeigt eine Auswahl seiner Bücher, Fotos und Zeitungsartikel. Gerade in alten Interviews blitzt immer wieder sein hintergründiger Humor auf. Als Georg Lohmeier am 20. Januar 2015 in München starb, würdigten ihn die Nachrufe als bayerisches Urgestein, bayerischen Patrioten, Historiendichter und frommen Querkopf.

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