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Generalversammlung:Milchbauern vor ungewisser Zukunft

Der Molkereigenossenschaft geht es trotz der wirtschaftlichen Probleme der Mitglieder gut. Sie verfügt über etliche ertragreiche Immobilien in Erdings Innenstadt

Von Philipp Schmitt, Erding

Die sinkenden Milchpreise machen auch den Erdinger Milchbauern zu schaffen. Zu den jetzigen Preisen könnten die Bauern nicht mehr rentabel produzieren, sagte Landrat Martin Bayerstorfer bei der traditionell im Erdinger Festzelt stattfindenden Versammlung der Molkereigenossenschaft Erding. Der Molkereigenossenschaft, die 1990 den Betrieb der eigenen Molkerei in der Erdinger Innenstadt eingestellt und auf dem Areal 57 Wohnungen, drei Läden und eine Praxis über die Tochtergesellschaft Sempta KG gebaut hat, geht es trotz der Turbulenzen wirtschaftlich gut. 2014 war "ein solides Geschäftsjahr", wie der Vorstandsvorsitzende Simon Selmeier und der Aufsichtsratsvorsitzender Josef Eicher sagten. Die Bilanz sei gut und die Genossenschaft "wirtschaftlich gesund, was aufgrund der schwierigen Marktsituation keine Selbstverständlichkeit" sei.

Um etwa ein Viertel sind die Marktpreise nach einigen Jahren mit zufrieden stellenden Milchpreisen seit Frühjahr 2014 gesunken. Der heiße Sommer 2015 sorgte bei den Milchbauern für zusätzliche Probleme. Der Wind habe sich gedreht, sagte Selmeier. Inzwischen sei der Milchpreis so stark gefallen, dass die Milchbauern wieder gegen die aktuelle Lage protestieren müssten. "Es besteht wegen des Verfalls beim Milchpreis Handlungsbedarf", sagte Bayerstorfer. Globale Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme sprach Martin Hartinger von der Molkerei Jäger in Haag an, dem Partner der Molkereigenossenschaft. Er kritisierte das Milchembargo der EU nach Russland und wies auch auf den starken Rückgang der Nachfrage nach Milchpulver aus China und die dort entstandenen Überkapazitäten hin: "Die Weltwirtschaft kommt ins Schwanken, das merken wir auch in der Milchwirtschaft." Die Milchbauern hofften trotzdem auf steigenden Verbrauch und eine wieder steigende Nachfrage nach Milch, sagte Hartinger.

Sichtbar wurde der Strukturwandel schon alleine bei einem Blick in die Mitgliederversammlung, die im Vergleich zu früheren Veranstaltungen schlechter besucht war. Aufgrund der rückläufigen Besucherzahlen stellten sich Selmeier und Eicher sogar die Frage, ob die traditionsreiche Generalversammlung der seit 76 Jahren bestehenden Molkereigenossenschaft auch künftig im Festzelt stattfinden soll oder ob sich die Milchbauern nur noch in einem größeren Saal treffen sollten. Erdings OB Max Gotz (CSU) reagierte prompt und sprach sich vehement für die Fortsetzung der Generalversammlungen im Festzelt aus. Zumindest in Erding sollten die Treffen bleiben. "Ich würde es bedauern, wenn die Molkereigenossenschaft heute zum letzten Mal die Generalversammlung im Festzelt veranstalten würde. Denn es ist danach schwer, eine solche Tradition später wieder neu zu beleben."

Sollten die Verantwortlichen dennoch eine Alternative suchen, brachte Gotz als möglichen Veranstaltungsort die Stadthalle zu einer moderaten Hallenmiete als Zeichen der Verbundenheit der Stadt Erding mit den Milchbauern ins Spiel. Aber vielleicht bleibt doch im nächsten Jahr alles beim Alten, denn im Laufe der Versammlung füllte sich das Festzelt noch mit 261 Mitgliedern. Die Frage eines Umzugs blieb offen. "Vielleicht wagen wir es ja im nächsten Jahr noch mal", sagte Eicher.

Der vom Vorstand vorgeschlagenen Verwendung des Bilanzgewinns 2014 stimmten die Mitglieder zu, Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet. 2015 wird keine Dividende ausgeschüttet, für 2016 wurde jedoch eine Dividende von sechs Prozent auch wegen der guten Sempta-Ergebnisse in Aussicht gestellt, die aber erst im nächsten Jahr beschlossen werden muss. Die Molkereigenossenschaft zählte 2014 noch 598 Mitglieder und ein Jahr vorher 604. 2010 waren es noch 660 Mitglieder. Unter den 598 Mitgliedern waren 2014 nur noch 217 Milcherzeuger.

Franz Stanner verließ nach 25 Jahren aus Altersgründen den Aufsichtsrat der Molkereigenossenschaft, er bekam die silbernen Ehrennadel. Andreas Gruber (Vorstand) und Josef Scharl und Albert Deutinger (Aufsichtsrat) wurden wieder in die Gremien gewählt.

© SZ vom 03.09.2015

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