Gemeinderat stimmt zu Inklusion durch Partnerklassen

Taufkirchen will geistig und mehrfach behinderte Kinder der St. Nikolaus-Schule an der Grund- und Mittelschule aufnehmen. Weitere Gespräche laufen auch in Erding

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern, aber der politische Wille ist deutlich gegeben: In der Grund- und Mittelschule Taufkirchen sollen Partnerklassen der St. Nikolaus-Schule Erding gebildet werden; an der Grundschule ist der Start bereits im Herbst 2019 geplant. Der Taufkirchener Gemeinderat hat das Projekt einstimmig befürwortet. Die Gemeinde hat sich 2015 als eine der ersten Gemeinden bundesweit zur inklusiven Gemeinde erklärt und setzt diesen Anspruch konsequent um.

An der St. Nikolaus-Schule Erding werden geistig und mehrfach behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gefördert. Da der Taufkirchener Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) auch Bezirksrat ist, beschäftigt er sich viel mit dem Thema Inklusion und steht in engem Kontakt mit dem Leiter der Nikolaus-Schule, Georg Bauer. Dabei sei die Idee entstanden, Schüler der Nikolaus-Schule an Regelschulen mit einer Partnerklasse einzubinden.

Doris Holler, Rektorin der Grundschule Taufkirchen, sagte in der Gemeinderatssitzung, sie habe es schon immer schade gefunden, dass es nicht möglich gewesen sei, Kinder mit Behinderung von klein auf gemeinsam zu unterrichten. Sie habe bereits mit Georg Bauer gesprochen: Angedacht sei, mit einer Klasse in der Taufkirchener Grundschule zu starten, möglichst mit Kindern aus dem Taufkirchener Schulsprengel. Sie sollen phasenweise zusammen mit den Kindern der Regelschule unterrichtet werden. Da die Lehrkräfte der Grundschule keine Sonderpädagogen seien, würden die Kinder der Partnerklasse von Erziehern und Lehrkräften der Nikolaus-Schule betreut und unterrichtet. "Die Zuständigkeit bleibt bei der Nikolaus-Schule, aber in unseren Räumlichkeiten", sagte Holler.

Gemeinderätin Anneliese Mayer (CSU) wies darauf hin, dass Taufkirchen erst vor kurzem eine Kindertagesstätte eröffnet habe, die auch von Kindern mit heilpädagogischem Bedarf besucht werde, das Vilstalkinderhaus. Es sei daher nur schlüssig, wenn man die Inklusion auch in der Grund- und Mittelschule probiere. Bürgermeister Hofstetter ergänzte, seines Erachtens seien die Chancen von Kindern viel größer, sich im Verbund stärker zu entwickeln, als wenn sie unter sich blieben. Der Gemeinderat befürwortete anschließend die Partnerklassen in der Grund- und Mittelschule und beauftragte Hofstetter, die Modalitäten zu prüfen.

Georg Bauer, Leiter der St. Nikolaus-Schule, sagte, die Gemeinde Taufkirchen habe sehr schnell reagiert, es sei aber noch erforderlich, dass er das Ok des Elternbeirats einhole. Das Modell der Partnerklasse sei schon einmal umgesetzt worden, in Langengeisling. Das sei jedoch ausgelaufen, weil keine Räume zur Verfügung standen. In Taufkirchen könne das nun in einem größerem Rahmen geschehen. Die Gemeinde als Sachaufwandsträger habe die Voraussetzungen geschaffen. Man werde mit einer Grundschulklasse starten, die Klassengröße bezifferte er auf acht bis neun Schüler. Die Partnerklasse werde von einer Lehrkraft betreut, die im Wechsel in Taufkirchen tätig sein soll, einer Schulpflegekraft und gegebenenfalls einer Praktikantin. Die St. Nikolaus-Schule selbst habe in den vergangenen Jahren einen starken Schülerzuwachs erlebt, sagte Bauer. Räumlich sei man an den Grenzen. Man stehe daher auch mit einer Erdinger Schule in Kontakt, wo man eine weitere Partnerklasse einrichten könnte.