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Gemeinderat stimmt Planung zu:Einmal tief Luft holen

Taufkirchen packt mit dem Neubau des letzten Schultrakts und einer Mehrzweckhalle ein Großprojekt für knapp 35 Millionen Euro an. Ein gewaltiger Brocken für die Gemeinde

Die Gemeinde Taufkirchen hat sich in den vergangenen Jahren nicht lumpen lassen, was Investitionen in Bildung oder Familienpolitik betroffen hat. Allein in Neubau und Sanierung der Grund- und Mittelschulgebäude hat die Gemeinde bereits 20 Millionen Euro gesteckt. Nun steht als letzter Baustein noch ein Mittelschulgebäude an und der Neubau einer Mehrzweckhalle als Ersatz für die bestehende Dreifachturnhalle. Bei einem Architektenwettbewerb hat man sich im April 2016 bereits für einen Entwurf entschieden. Nun wurde in der Gemeinderatssitzung am Dienstag Abend die Kostenschätzung vorgestellt - und dabei mussten Gemeinderäte und Bürgermeister tief Luft holen: Es geht um 34,5 Millionen Euro. Das ist für die 10 000-Einwohner-Gemeinde ein gewaltiger Brocken. Dennoch hat der Gemeinderat die Pläne einstimmig befürwortet. In einer der nächsten Sitzungen soll über den Finanzierungsplan beraten werden.

Seit mehr als einem Jahr haben sich die Wettbewerbssieger Büro Köhler Architekten und beratende Ingenieure aus Gauting damit befasst, ihren Entwurf in eine Planung umzumünzen. Zahlreiche Vorgaben, die über die bisherigen Anforderungen hinausgingen, waren dabei zu berücksichtigen: So sollte beispielsweise statt der Dreifachturnhalle eine Mehrzweckhalle gebaut werden, damit sie auch von Vereinen im Turnierbetrieb genutzt werden kann. Darüber hinaus soll das neue Mittelschulgebäude einen Mensatrakt mit einer Vollküche erhalten, damit das Mehrgenerationenhaus räumlich entlastet wird. Immerhin sollen an Schultagen 400 Essen für die Schüler zubereitet werden. Hinzu kommt ein relativ hoher technischer Gebäudestandard mit Lüftung und Kühlung.

Die Entwurfsplanung, die Architekt Simon Winter in der Gemeinderatssitzung vorstellte, erfüllte alle Ansprüche und blieb auch der ästhetischen Linie treu, mit dem das Büro den Wettbewerb gewonnen hatte. Lediglich für einen Teilbereich der Außenhülle, wo man eine Verschattung mit Aluminiumlamellen erzielen will, schlugen einzelne Gemeinderäte alternative Lösungen vor. Ansonsten ernteten die Architekten viel Beifall: Das Gebäude weise keine Extravaganzen auf, sondern sei absolut bedarfs- und nutzerorientiert.

Bei der Kostenschätzung erläuterte das Büro Köhler, dass die Schule an sich auf etwa 31,7 Millionen Euro veranschlagt werde. Hinzu kämen Abbruchkosten und Entsorgung in Höhe von 2,7 Millionen Euro sowie eine aufwendige Gründung auf Bohrpfählen: Da die Schule neben dem Stephansbrünnlbach errichtet wird, ist mit wasserführenden Schichten im Boden zu rechnen. Allein diese Gründung wird auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Dabei beruft man sich auf aktuelle Erfahrungswerte des benachbarten Sparkassen-Neubaus.

Trotz der verhältnismäßig hohen Summe hatte lediglich Gemeinderat Peter Attenhauser (REP) grundsätzliche Einwände. Er monierte, bislang kaum Informationen über das Projekt erhalten zu haben und kritisierte, dass nun eine Entscheidung übers Knie gebrochen werde. Hinzu käme, dass man sich seines Erachtens zuerst Gedanken über eine Finanzierung machen solle und dann im Rahmen dieser Möglichkeiten bauen solle. Über diesen Vorwurf waren mehrere Gemeinderäte sehr verärgert und gaben Attenhauser Kontra: Christoph Puschmann (CSU) hielt Attenhauser vor, er habe die vergangenen eineinhalb Jahre im Gemeinderat wohl verschlafen. "Wir haben noch kein Großprojekt mit so einer langen Vorlaufzeit gestartet", sagte er. Dabei habe man die Schulfamilien der Grund- und Mittelschule beteiligt, das Mehrgenerationenhaus und die Vereine. Bernhard Sinseder (CSU) erinnerte Attenhauser ebenfalls daran, wie lange und intensiv man sich bereits mit diesem Projekt beschäftigte und konstatierte, es sei "in der Gesamtheit toll geworden". Selbst Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) verlor für einen Moment die Contenance: "Das ist kein Saustall und kein Bulldog, das ist eine Schule und das ist komplexer", sagte er zu dem Landwirt Attenhauser. Der Angesprochene verlies daraufhin beleidigt das Gremium.

Der Gemeinderat fasste daraufhin einstimmig den Beschluss, dem vorgelegten Entwurf zuzustimmen und eine Werksplanung in Auftrag zu geben. Bis zu den Haushaltsberatungen soll ein Finanzierungskonzept erstellt werden.