Gefährliche Schwachstelle Flutmulde soll Isener Siedlung schützen

Wer in einem der rot markierten Gebäude im Süden der Stadt Dorfen wohnt, wäre von einem Jahrhunderthochwasser betroffen. Eine neue Flutmulde soll diese Gefahr abwenden. Grafik: AquaSoli

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Hochwasserreferent Forstmaier stellt im Umweltausschuss Gutachten zum südlichen Stadtrand vor. Bei einem Jahrhunderthochwasser könnten zwischen 150 und 200 Gebäude überschwemmt werden

Von Thomas Daller, Dorfen

Nach den Millionen-Investitionen in den Hochwasserschutz hatte man in Dorfen eigentlich den Eindruck, diese Gefahr sei hinreichend gebannt. Der bessere Schutz erstreckt sich jedoch vorrangig auf die Isen. Hochwasserreferent Gerald Forstmaier hat im Umweltausschuss am Mittwoch Abend auf eine gefährliche Schwachstelle im Süden der Stadt hingewiesen: Bei einem extremen Gewitter oder längerem Dauerregen könnten der Moosgraben und der Unterhausmehringer Bach das Regenrückhaltebecken zum Überlaufen bringen. Davon wären dann zwischen 150 und 200 Gebäude betroffen. Das Ergebnis sei "relativ schockierend", sagte Forstmaier. Abhilfe soll eine neue Flutmulde schaffen. Die Planungen laufen bereits.

Anwohnern der Isener Siedlung hat man es zu verdanken, dass die Gefahr nun erkannt wurde. Sie hatten sich mit privaten Einwendungen gegen die Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich "Obere Mooswiesen" ausgesprochen, eben weil sie befürchteten, durch eine weitere Bebauung werde sich die Hochwassergefahr verschärfen. Daraufhin wurde das Ingenieurbüro aquasoli mit einer Untersuchung beauftragt, wie sich ein Jahrhunderthochwasser dort auswirken würde. Zwei Szenarien wurden untersucht: ein heftiges Gewitter mit starken Niederschlägen über einen Zeitraum von eineinhalb Stunden und ein dreitägiger Dauerregen mit einem Niederschlag von insgesamt 19 Zentimetern. In beiden Fällen würden weite Teile der Isener Siedlung von Süden her überschwemmt. Im ersten Fall wären mehr als 150 Gebäude betroffen, im zweiten sogar mehr als 200 Gebäude.

Diese Erkenntnis kommt nun nicht völlig überraschend: Bereits beim Pfingsthochwasser im Juni 2013 wäre das Rückhaltebecken am südlichen Stadtrand übergelaufen. Nur der Einsatz von mehreren Feuerwehren, die mehr als ein Dutzend, mehrere hundert Meter lange Schlauchleitungen verlegten, um kontrolliert Wasser abzupumpen, hat eine Überschwemmung der Isener Siedlung verhindert. Die Gefahr geht vom südlichen Isentalhang aus, der seine großen Flächen zum Moosgraben und Unterhausmehringer Bach hin entwässert. Diese Bächlein führen dann plötzlich Unmengen Wasser.

Florian Pfleger vom Ingenieurbüro aquasoli hat nach Angaben von Umweltreferent Forstmaier den Bau einer weiteren Flutmulde empfohlen, die westlich der Isener Siedlung aufgegraben werden soll. Das Wasser soll dort in die Regenrückhaltesenken geleitet werden und von dort aus weiter in die Isen fließen. "Das ist ein relativ großes Problem, unabhängig von einer Bebauung der Oberen Mooswiesen", sagte Forstmaier. "Da müssen wir als Stadt nicht irgendwann agieren, sondern schnell."

Bauamtsleiter Franz Wandinger, der an der Sitzung des Umweltbeirats teilnahm, war darauf vorbereitet. Pflegers Vorschläge würden bis Mitte Oktober ausgearbeitet, dann dem Wasserwirtschaftsamt vorgelegt und voraussichtlich bis Mitte Oktober genehmigt werden: "Wir kriegen Fördermaßnahmen." Wandinger stellte auch einen Plan vor, wo die neue Flutmulde verlaufen soll. Einige Grundstücke seien bereits im Eigentum der Stadt, bei den anderen sei man mit den Eigentümern in Verhandlungen. Grundsätzlich hätten sich alle Eigentümer verhandlungsbereit gezeigt. Die Flutmulde soll etwa sieben Meter breit sein, aber relativ flach, sodass man sie landwirtschaftlich nutzen und mähen kann. Bei der Isener Straße soll ein neuer Durchlass gebaut werden. Pfleger werde im November auch noch neue Rückhalteräume vorschlagen, kündigte Wandinger an. Der Pegel der Isen werde durch diesen neuen Zufluss nur unwesentlich steigen, sagte der Bauamtsleiter.