bedeckt München 24°

Gefährdete Population:Ameisen hautnah

Das große Krabbeln: Waldameisen sind sehr fleißig und können das 40fache ihres Gewichts mit sich herumschleppen.

(Foto: Rita Rott/oh)

Die Sechsfüßler haben kein gutes Image. Ihr Bestand geht zurück und daran ist mal wieder vor allem der Mensch schuld. Welch große Bedeutung die kleinen Krabbler für den Wald haben, zeigt eine Führung des Bund Naturschutz

Alle reden vom Bienensterben, keiner spricht von den Ameisen. Dabei geht es den kleinen Krabblern auch nicht besonders gut. Nur haben sie kein so gutes Ansehen wie die honigspendenden Bienen. Ameisen im Haus oder im Garten will wirklich niemand haben. Im Wald jedoch erfüllen die Insekten wichtige Aufgaben. Zeit für einen Imagewechsel: Wer die fleißigen Sechsfüßler einmal von einer anderen Seite kennenlernen will, hat dazu am Sonntag, 21. Juli, im Wald bei Schwindkirchen Gelegenheit. Die Ortsgruppe Dorfen des Bund Naturschutz (BN) lädt alle Interessierten zu einem Spaziergang mit Michael Seemüller von der Ameisenschutzwarte ein.

"Die Zahlen brechen extrem ein", betont Rita Rott vom BN-Ortsverband Dorfen, "auch bei uns. Ganze Ameisenkolonien sind verschwunden." Der größte Feind sind nicht die Ameisenfresser Specht oder Spinne. "Der Mensch richtet den schlimmsten Schaden an", weiß Michael Seemüller, der in Armstorf lebt. Die Ameisenpopulation sei "grundsätzlich gefährdet". Immer wieder würden Ameisenhügel mutwillig zerstört, es reiche schon ein Loch in der ansonsten wasserdichten Oberfläche, dann dringe Feuchtigkeit ein und der Bestand könne stark geschädigt werden. Das große Problem jedoch sei der Straßenbau. Stehe ein Ameisennest auf einer künftigen Route, so sei das meldepflichtig. Im Zuge des Baus der A 94 habe er 40 Ameisennester umgesiedelt, "die wurden alle von uns entdeckt, die Autobahndirektion hat angeblich keins gesehen".

Für den Wald haben die Tiere eine ganz wichtige Funktion. Zum Beispiel als sogenannten Waldpolizei. "Sie räumen auf, man könnte sie auch als Müllabfuhr bezeichnen", sagt Rott. "Und sie fressen Schadensinsekten, zum Beispiel die Fichtenblattwespe, die den Bäumen gefährlich werden kann." Fleißig sind die Sechsfüßler, die das 40faches ihre Körpergewichts tragen können, sowieso. Wer schon einmal einen Ameisenhügel betrachtet hat, weiß: eine Ameise kennt keine Pause, hier wuselt es ohne Unterlass.

Auch die Ameisenhügel haben eine wichtige Bedeutung. Sie sind so tief wie hoch, und durch das ständige Graben wird der Waldboden gut durchlockert. Die Bäume können deshalb tiefer wurzeln und haben so einen festeren Stand. "Außerdem tragen die Ameisen die Samen der Bäume herum", fügt sie hinzu. Die Hügel verfügen zudem über komplex angelegte Entwässerungs- und Belüftungsgänge. Und sie sind wasserdicht, wie Rita Rott vom BN Dorfen informiert.

Schon seit über 200 Jahren stehen die Ameisen unter Naturschutz, weiß Michael Seemüller. In Deutschland gibt es 114 verschiedene Arten, im Landkreis ist vor allem die Kahlrückige Waldameise anzutreffen. Ein Nest kann bis zu 5000 Königinnen haben. Ein weiteres regionales Exemplar ist die große Rote Waldameise, von der sich jedes Nest mit nur einer einzigen Königin begnügt. Ameisen gelten aktuell als besonders schützenswert, wer ihren Hügel mutwillig zerstört, könnte sogar mit einer saftigen Geldstrafe belangt werden.

Der Spaziergang am Sonntag soll die Ameisen dem Menschen wieder näher bringen. "Ameisenschutz ist nachhaltiger Waldschutz", betont Michael Seemüller. "Wir wollen zeigen, dass das, was uns aus menschlicher Sicht an dem Tier stört, aus Sicht der Natur extrem wichtig ist", sagt Rita Rott von der BN-Ortsgruppe Dorfen. Manchmal sei eben ein Blickwechsel nötig, "schließlich hängen wir Menschen ja im Kreislauf mitten drin".

Führung zu den Waldameisen , Sonntag, 21. Juli, Treffpunkt 15 Uhr, Seemühle 1, Dorfen (bei Schwindkirchen). Auch Nichtmitglieder sind willkommen. Für weitere Fragen: dorfen@bund-naturschutz.de

  • Themen in diesem Artikel: