bedeckt München
vgwortpixel

Fridays for Future:Luft nach oben

Die erste Fridays for future Demo fand im Februar auf dem Schrannenplatz in Erding statt, nachmittags und mit circa 300 Teilnehmern.

(Foto: Renate Schmidt)

Am Tag des weltweiten Klima-Streiks ist eine Demonstration in Dorfen geplant, doch die Organisatoren haben es nicht leicht

Wenn sich am Freitag Menschen am Klimastreik in Dorfen beteiligen, dürfte ihre Zahl überschaubar bleiben. Schülern drohen Verweise, die mit weiteren Sanktionen einhergehen und viele abschrecken. In einer Studentenstadt wie Freising hat es die Fridays for Future-Bewegung leichter, junge Menschen als Unterstützer zu gewinnen. Die Mobilisierung vieler Menschen laufe im Landkreis bei Demonstrationen aber ohnehin eher zäh ab, sagt Helga Stieglmeier, langjährige Sprecherin des Aktionsbündnisses "Aufgemuckt". Bei der Polizei wurde die Veranstaltung in Dorfen nun mit 150 bis 200 Menschen angemeldet. Kein Vergleich zu Freising, wo zuletzt knapp tausend Menschen demonstrierten und erst recht nicht zu München, wo um 12 Uhr am Königsplatz mehr als 10 000 Menschen erwartet werden.

Eine der an der Organisation der Demonstration beteiligten Jugendlichen ist Lea Thalmeier, Schülerin am Gymnasium Dorfen. "Wir müssen irgendwann mal anfangen, was zu tun und Verantwortung für die Erde übernehmen", sagt sie. Doch gerade ihre Schule macht es den Klimaaktivisten nicht leicht. Schulleiterin Andrea Hafner verweist zwar darauf, dass ihr Gymnasium zum 7. Mal als "Umweltschule" ausgezeichnet wurde. Eine Teilnahme an der Demonstration bleibt den Schülern dennoch untersagt. Hafner stellt klar, "dass das Gymnasium die geplante Demonstration in Dorfen zur Aktionswoche für das Klima weder befürwortet noch mit einer Aktion unterstützt". Und sie fügt hinzu, dass eine Befreiung vom Unterricht auf schriftlichen Antrag von Erziehungsberechtigten oder Schülern nicht möglich sei. Das, so sagt Thalmeier, schrecke die Schüler ab. Denn ein wichtiger Punkt, der mit einem Verweis einhergehe sei, dass man nicht mit auf einen Schüleraustausch in andere Länder dürfe. "Außerdem wirft das auch einfach ein schlechtes Licht auf den Schüler", sagt sie

Die Demonstration ist die einzige im Landkreis. Doch eine Zusammenarbeit mit den Erdinger Fridays for Future hat nicht stattgefunden. Dort hat in der Vergangenheit Lea Schindler, die ihr Abitur bereits an der FOS in Erding gemacht hat, die Kundgebungen mitorganisiert. Für Erding eine eigene Veranstaltung ins Leben zu rufen, sei schwer gewesen, gibt sie zu. Am Korbinian-Aigner-Gymnasium sei an diesem Freitag Wandertag. "Da würden wir zu viele Schüler verlieren", sagt Schindler. Zudem sei es bisher schwierig gewesen, die aktuellen Schülersprecher der Erdinger Schulen zum Mitmachen zu bewegen. Dennoch sei in großen WhatsApp-Gruppen der Aufruf erfolgt, gemeinsam nach München zu fahren. Die Wahl sei auf die Landeshauptstadt gefallen, "weil die Kundgebung in München einfach größer ist und weil München mit der S-Bahn auch leichter zu erreichen ist."

So verweisen auch die Grünen auf beide Kundgebungen, wenn sie Bürger aller Altersklassen dazu aufrufen, den Klima-Streik zu unterstützen. Helga Stieglmeier, Kreisvorsitzende der Grünen in Erding, hofft trotzdem, dass sich auch in Dorfen viele Menschen an dem Streik beteiligen. Allerdings gibt sie zu, dass Kundgebungen im Landkreis generell schwierig zu organisieren seien und dass die Mobilisierung vieler Menschen zäher sei. Sie verweist auch darauf, dass in Freising viele Studenten leben. "Außerdem gibt es dort einen Rückhalt in anderen Organisationen", sagt sie.

Niklas Grabrucker ist Schülersprecher des KAGs und Teil der Fridays for Future-Bewegung. Er findet es nicht gut, dass der Streik in Dorfen am Vormittag stattfindet. Auch an seinem Gymnasium werde eine Teilnahme mit Verweisen geahndet, schließlich sei das Schwänzen. Dennoch sei seiner Schule Klimaschutz wichtig. "Bei den Kundgebungen am Nachmittag hat uns die Schulleitung immer unterstützt", sagt er - und gibt aber zu, dass "viele an unserer Schule noch nicht begriffen haben, wie wichtig der Klimawandel ist."

Auch der katholische Erdinger Pfarrer Martin Garmaier hält nichts von Kundgebungen am Vormittag. "Prinzipiell finde ich das sehr gut, wenn sich die Leute engagieren", sagt er. "Und dabei haben sie auch jegliche Unterstützung von mir." Allerdings müsse man dafür nicht der Schule oder dem Arbeitsplatz fernbleiben. "Wenn man die eigene Verantwortung, die man für Schule und Arbeit nun einmal hat, hinten anstellt, dann geht das nicht", sagt er.

Bei den Beschäftigten ruft allein die IG Bau im Kreis Erding zur Job-Klima-Pause auf. Die Gewerkschaft appelliert zugleich an andere Arbeitgeber in der Region, ihren Beschäftigten die Teilnahme an der Klima-Demonstration zu ermöglichen. Fragt man dort jedoch nach, scheint die Problematik streikender Arbeitnehmer gar nicht erst zu existieren.

Fridays for Future-Demo in Dorfen, Fr. 20. September, 10 Uhr auf dem Friedhofsparkplatz