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Frauenhaus:Zweite Chance mit Second Stage

Der BRK-Kreisverband bewirbt sich für neues staatliches Förderprogramm. Das Konzept will ehemaligen Bewohnerinnen in einer Wohngemeinschaft Unterschlupf bieten und dann weiter bei der Wohnungssuche helfen

Frauen, die nach einem Aufenthalt im Frauenhaus keine Wohnung finden, erhalten übergangsweise in einer betreuten WG Unterschlupf - das war ursprünglich als Erdinger Pilotprojekt angedacht. Mittlerweile gibt es ein staatliches Förderprogramm für dieses Hilfsangebot, und der BRK-Kreisverband, Träger des Frauenhauses, hat sich darum beworben. Mitte Oktober entscheidet sich, ob das Erdinger Konzept den Zuschlag erhält. Der Kreisausschuss hat in der Sitzung am Mittwoch schon mal einstimmig beschlossen, Mittel in Höhe von 24 000 Euro bereitzustellen. Klappt es mit der staatlichen Förderung, dann soll bereits zum ersten Dezember mit dem Angebot gestartet werden. Die Suche nach einem Gebäude läuft.

Seit Ende August steht das Konzept des BRK für das Projekt, das einen langen offiziellen Namen hat: "Wohnraumbezogenes Übergangsmanagement mit begleitender psychosozialer Beratung für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Kinder" oder kurz: Second Stage. Wie BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden im Ausschuss betonte, ist das Frauenhaus im Landkreis derzeit voll belegt. Viele Frauen müssten länger als vorgesehen bleiben, weil sie keine bezahlbare Wohnung fänden, so van der Heijden. Wenn alle Versuche fehlgeschlagen sind, dann können in der neuen ambulanten Einrichtung, deren staatliche Förderung bis 2021 angesetzt ist, bis zu fünf Frauen mit Kindern in einer Wohngemeinschaft betreut werden. Die Verweildauer ist auf sechs Monate begrenzt, so dass im Projektzeitraum bis zu 20 Frauen unterstützt werden können, "um die notwendigen Schritte in ein selbstbestimmtes Leben zu wagen".

Neben einer psychosozialen Betreuung sollen die traumatisierten Frauen auch durch ein "Übergangsmanagement" bei der Wohnungssuche unterstützt werden. "Eine tolle Sache", lobte Helga Stieglmeier (Grüne) das Projekt. Sie plädierte aber eher für einzelne, abgeschlossene Wohnungen statt einer offenen Wohngemeinschaft. Van der Heijden dagegen erklärte, dass sich die Frauen in einer WG besser gegenseitig stützen und austauschen könnten.

Rainer Mehringer (Freie Wähler) fragte nach, wie denn weiterhin der Schutz der Frauen gewährleistet werde. "Es ist einfach so: Die Frauen brauchen eine Adresse", ganz anonym werde es nicht gehen, antwortete Gisela van der Heijden. Irgendwann werde bekannt sein, wo die Unterkunft stehe. Es werde eine Videokamera geben, wie schon im Frauenhaus, und es werde ein Hausnotruf eingerichtet: "Aber komplett wegsperren können wir sie nicht."

In der ambulanten Unterkunft sei eine Vollzeitstelle für einen Sozialpädagogen oder eine -pädagogin vorgesehen. Auf die Frage, wie das rare Fachpersonal gefunden werden woll, erklärte van der Heijden, dass sie neben Stellenanzeigen auch auf die Sozialpädagogen "bei uns im Haus" bauen könne, "die sind sehr gut vernetzt". Sicher werde es ein "kleiner Kraftakt", geeignetes Personal zu finden, "aber ich habe keine großen Bedenken".

Auch wenn das Erdinger Projekt ins staatliche Förderprogramm aufgenommen wird, ist das BRK auf kommunale Unterstützung angewiesen. Einstimmig beschloss der Kreisausschuss, 24 000 Euro bereitzustellen. Jetzt muss aber noch eine Immobilie gefunden werden. Hier sieht Ulla Dieckmann (SPD) auch die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises "in der Pflicht".