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Frauen und Jagd:Mit Gefühl auf der Waid

Im Landkreis Erding interessieren sich immer mehr Frauen für das Jagdwesen. Vor der Waffe haben sie keine Scheu.

In der Antike verbanden die Römer die Frau und das Jagen auf ihre Weise: Es herrschte der Glaube, dass Diana, die Göttin der Jagd und der wilden Tiere, die Jäger beschütze. Trotzdem war das Jagdwesen jahrhundertelang als Männerdomäne deklariert. Nun befindet es sich stark im Wandel: Immer mehr Jägerinnen betreuen die deutschen Wälder, auch im Landkreis Erding, in dem sich die Anzahl der Jägerinnen im Kreisjagdverband in den vergangenen zehn Jahren von 17 auf 33 nahezu verdoppelt hat.

15 Frauen haben in diesem Jahr die Jägerprüfung an der Landesjagdschule Feldkirchen absolviert, zwei davon kommen aus dem Landkreis. Eine beachtliche Steigerung, verglichen mit der Zahl von vor 30 Jahren, als gerade mal eine Frau die Prüfung ablegte. "Der Vormarsch der Frauen ist deutlich spürbar", stellt auch Thomas Schreder, Biologe und Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Erding, fest. Seit jeher seien Frauen in der Jagd unterrepräsentiert, die Jagd sei Sache des Mannes gewesen. Das habe sich aber im Lauf der vergangenen Jahre grundlegend geändert.

Auch im Vorstand des Verbandes zeigt sich der Umbruch: Das Amt des Schriftführers beziehungsweise die Zuständigkeit für das Jagdhundewesen hat jeweils eine Frau inne. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren alle Ämter ausschließlich von Männern bekleidet. Schreder jedenfalls bewertet den weiblichen Zulauf als positiv und ist sich sicher, dass die Teilhabe der Frauen die Jagd bereichere.

Doch wie erklärt sich das steigende weibliche Interesse am Jagen? "Mit Emanzipation hat das nichts zu tun", zeigt sich Sabine Schreder, Ehefrau von Thomas Schreder und selbst angehende Jägerin, überzeugt. Die stärkere Präsenz des vermeintlich zarten Geschlechtes erklärt sie sich mit der zunehmenden Verbundenheit zur Natur. Die Einzelhandelskauffrau ist schon seit fünf Jahren bei Jagdausflügen ihres Mannes mit dabei und hegte irgendwann den Wunsch, selbst zu jagen "und nicht nur zuzuschauen". Die Scheu davor, ein Tier zu erlegen und es "aufzubrechen", also es aufzuschneiden und die inneren Organe zu entnehmen, hat sie nach eigenen Angaben nicht. So entschloss sie sich, eine Ausbildung zu beginnen.

Andrea Eichenlaub, ebenfalls Mitglied und Schriftführerin im Kreisjagdverband, ist von dem Job als Jägerin deshalb fasziniert, weil es für sie nichts Erholsameres gibt, als die Ruhe auf dem Hochsitz. Das Wild zu beobachten - am liebsten Rehe - und, "wenn's passt", auch dem Abschuss nachzukommen. Sehr viel Wert legt sie wie jeder gute Jäger und jede gute Jägerin auf die sogenannte Waidgerechtigkeit: "Das Wild sollte nie leiden. Und das macht eine Jägerin aus: Sie geht die Jagd, wenn auch von den männlichen Kollegen belächelt, mit mehr Gefühl und beherzter an." Ein Jahr dauert die Vorbereitung zur Jagdprüfung insgesamt und untergliedert sich in 60 Theorie- sowie 60 Praxisstunden.

Neben praktischen Schießübungen wird im Theorieteil in den Jagdschulen unter anderem Wissenswertes über Wildbiologie, Naturschutz, Waffenkunde und Jagdrecht vermittelt. Die Theorieprüfung hat Sabine Schreder bereits erfolgreich bestanden, nun steht in Kürze die praktische Prüfung im Kugelschießen und im Umgang mit der Waffe an. "Ich bin mächtig aufgeregt, mehr noch als vor der theoretischen Prüfung", sagt sie. Aber während der Jagdausflüge mit ihrem Mann sei sie über die Jahre in die Jagd "reingewachsen". Das stimme sie zuversichtlich, die Prüfung mit einem positiven Ergebnis abzuschließen.

© SZ vom 03.09.2010/tob

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