Süddeutsche Zeitung

Fotografien in Isen:Da helfen keine Cremes

Der Fotograf Claus Langheinrich widmet sich in einer Ausstellung den Falten - in allen Facetten

Die Jahre vergehen - und hinterlassen überall ihre Spuren, in Fauna und Flora und auch beim Menschen. Das Ergebnis sind meistens: Falten. Der Lengdorfer Fotograf Claus Langheinrich hat sich über Jahre hinweg mit den Falten in all ihren Formen beschäftigt und präsentiert sie nun in seiner neuen Ausstellung in der Hauptgeschäftsstelle der Raiffeisen-Volksbank Isen-Semt in Isen.

Baumrinden, Rosenblätter, Kakteen, Muscheln und Schnecken, Landschaften und vor allem Menschen zeigt der Lengdorfer in 39 Farb- und Schwarzweißfotos. Mit ihnen nimmt der Autodidakt seine Ausstellungsbesucher mit auf eine Reise nach Süd- und Mittelamerika, Ost- und Westafrika, nach Indien und Europa "und vielleicht zu sich selbst", wie er sagt. Seine Motive findet er "fast ausschließlich auf der Straße" und hat durch sie gemerkt: "Das Leben hat Falten, da helfen keine Cremes. Es ist hilfreicher, das in die Falten eingegrabene Leben bewusst wahrzunehmen, selbstbewusst vor sich herzutragen als gelassenes Aging statt Anti-Aging." Aging als Kunst des Lebens also.

Entsprechend unsentimental, analytisch direkt, mit engem Bildausschnitt und klarer Lichtregie (immer ohne Blitz) kommen Langheinrichs Street-Aufnahmen daher. Dabei legt er auch in dieser Ausstellung den Fokus seiner Betrachtungen vorwiegend auf den Menschen: auf Füße, Hände, Gesichter. In ihnen spiegelten sich Alter, Würde und Respekt, vor allem ein gelebtes Leben, sagt Langheinrich. "Wer im Alter keine Falten zeigt, hat vielleicht etwas versäumt." Viele seiner zeitgeformten Gesichter sind nicht nur markante Portraits, sondern hängen als Sinnbilder gelebten Lebens und Vergehens, von unbändiger Stärke und ausdrucksstarker Persönlichkeit in großformatigen Rahmen in der Isener Bank. Mit den eindrücklichen Physiognomien aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen treten dem Bildbetrachter quasi gelebte Gesichtslandschaften gegenüber, die nachwirken - vielleicht auch insofern, "dass man die eigenen Fältchen nicht mehr so wichtig nimmt und als Ausdruck von Profil und Identität einstuft", sagt der ehemalige Schulamtsdirektor.

Vom heutigen Donnerstag, 26. Januar, bis zum 24. Februar ist die Ausstellung der Pflanzen-, Tier-, Landschafts- und Charakterstudien zu den Öffnungszeiten der Raiffeisen-Volksbank Isen von Montag bis Freitag zu sehen. Die Vernissage ist am heutigen Donnerstag um 19 Uhr. Musikalisch umrahmt wird die Ausstellungseröffnung von Konrad Huber aus Forstern.

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Quelle:
SZ vom 26.01.2017 / SZ
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