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Forstwirtschaft:Angst vor der nächsten Hitzewelle

Kahlschlag bis der Käfer knurrt

Wenn der Borkenkäfer in der Baumrinde nistet, hilft nur Kahlschlag. Dieses Jahr musste in Erdinger Wäldern mehr abgeholzt werden als zuvor.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bisher wütet der Borkenkäfer im Landkreis nicht so heftig wie erwartet. Von Entwarnung sind die privaten Waldbesitzer allerdings weit entfernt. In den kommenden Wochen entscheidet sich, wie schlimm es noch wird

Trotz der warmen Temperaturen sind die Bäume im Landkreis in diesem Jahr bislang weniger stark vom Borkenkäfer befallen als erwartet worden war. Ein Grund dafür ist, dass es zwischendurch immer mal wieder geregnet hat. Aktuell spitzt sich die Situation jedoch wieder zu.

Ende Mai hatten die Warnungen dramatisch geklungen. Rainer Mehringer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Erding, hatte vor einer "massenhaften Explosion der Borkenkäferzahlen" gewarnt. Grund dafür waren die sommerlichen Temperaturen bereits im April. Dadurch konnte das Insekt, das sich in die Rinde von Fichten frisst und die Bäume absterben lässt, früher zum Schwärmflug ansetzen als in den vergangenen Jahren. Je mehr Bäume mit dem Schädling befallen sind, umso mehr Schadholz fällt an. Der Holzmarkt wird geflutet und dadurch kommt es zu einem teils drastischen Preisverfall für den Rohstoff. Das spüren die privaten Waldbesitzer.

Nun sieht Mehringer die Lage in den Erdinger Wäldern nicht mehr so dramatisch. Die Befürchtungen seien bisher nicht eingetreten. Das liege vor allem am Wetter, sagt Mehringer: "Es hat mal geregnet und die Temperaturen sind mal abgesackt." Hitze und lang anhaltende Trockenheit sind fatal. Je mehr es regnet, umso besser können sich die Bäume mit Wasser versorgen. Dadurch können die Bäume mehr Harz produzieren, was wiederum gegen den Borkenkäfer schützt. Die klebrige Masse tritt aus, wenn Borkenkäfer versuchen, sich in die Baumrinde zu bohren und verschließt die Bohrlöcher der Insekten. Auch wenn die Katastrophe für die privaten Waldbesitzer bisher ausgeblieben ist, bleibt die Situation angespannt. Knapp 10 Prozent mehr Holzeinheiten als bis zum Juni 2017 mussten dieses Jahr bereits abgeholzt werden, sagt Mehringer. Der Großteil davon ist Schadholz. Einzelne Waldbesitzer habe es auch dieses Jahr existenziell erwischt, betont Mehringer und fügt hinzu: "Von Entwarnung sind wir Lichtjahre entfernt."

Forstamtsleiter Heinz Utschig, der für den Staatswald auf Erdinger Flur zuständig ist, zeigt sich dagegen "total zufrieden" mit dem bisherigen Ausmaß des Borkenkäfer-Befalls. Bislang habe sich der Schädling um ein Drittel weniger als vergangenes Jahr auf den 2000 Hektar Wald rund um die Gemeinde Isen ausgebreitet, für die der Amtsleiter zuständig ist. Etwa 250 Bäume, schätzt Utschig, seien bisher befallen. Dass es nicht mehr sind, liegt laut dem Forstamtsleiter vor allem an den Präventivmaßnahmen der Staatsforsten. Schon im Winter durchsuchen Utschigs Förster den Staatswald nach frischem Bohrmehl an Fichtenstämmen - ein Indiz dafür, dass sich der Borkenkäfer eingenistet hat. Befallene Bäume werden abgeholzt. Dabei hilft seit neuestem auch eine Handy-App, in der die Förster infizierte Bäume eintragen und über deren genaue GPS-Koordinaten schneller wiederfinden können. Weil befallene Bäume schneller abgeholzt werden können, dämmen die Förster die Ausbreitung des Schädlings auf diese Weise ein. Dass der Borkenkäfer im Staatswald weniger wütet als im privaten Forst hängt aber auch mit der Bepflanzung zusammen. Privater Wald besteht meistens aus älteren Fichten. Der "Brotbaum" Fichte, wie ihn Mehringer nennt, bringt auf dem Holzmarkt gute Preise, ist aber auch anfällig für Schädlinge und für Waldbrände. Im Staatsforst gibt es dagegen inzwischen ein Drittel junger Bäume, außerdem sind die Baumarten stärker durchmischt. "Das mag der Borkenkäfer nicht", sagt Forstamtsleiter Utschig.

"Mehr Mischwälder", lautet deshalb auch die Empfehlung Mehringers an die privaten Waldbesitzer. Das würde nicht nur gegen den Borkenkäfer helfen, sondern auch besser vor Sturmschäden schützen, wofür Fichten-Monokulturen besonders anfällig sind. Wie gut alle diese Maßnahmen wirken, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Denn in einem sind sich staatliche und private Waldbesitzer einig: Mit der nächsten Hitzewelle kommt ganz gewiss auch der große Ansturm der Borkenkäfer.