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Forstern:Tragl-Transport mit Fahrrad gelöst

funcoo

Eine Erfindung, auf die nicht nur viele Studenten-WGs gewartet haben: Bis zu zwei Getränkekästen kann man mit dem neuen Halter auf dem Fahrrad mitnehmen.

(Foto: privat)

Der aus Forstern stammende Maschinenbaustudent Hans Feckl hat zusammen mit seinem Kommilitonen Stefan Roglmeier den Prototypen eines Getränkekästenhalters entwickelt, der nun in Serie geht. Für Radler hat das Schleppen damit ein Ende

Von Philipp Schmitt, Forstern

Sommer, Hitze, Durst: Getränke spielen in dieser Jahreszeit eine wichtige Rolle. Wie die Getränkekästen umweltfreundlich ohne Auto nach Hause oder zum Badeweiher transportiert werden sollen, war lange ein ungelöstes Problem. Bis jetzt: Für den Transport der Getränkekästen mit dem Fahrrad hat der aus Preisendorf in der Gemeinde Forstern stammende Student Hans Feckl mit seinem Kommilitonen Stefan Roglmeier eine Lösung gefunden und mittlerweile ein Start up gegründet: Funcoo heißt die Lösung.

Beim Kauf von Spezi und Bier für ihre Wohngemeinschaft in der Münchner Maxvorstadt standen die Maschinenbau-Studenten immer wieder vor einem Dilemma: Die Kästen nach Hause zu schleppen, war mühsam und anstrengend. Mit dem Fahrrad klappte der Transport auch nicht wie gewünscht. Wegen fehlender Parkplätze hatten die beiden jungen Leute, die an der Hochschule München an der Lothstraße studieren, auch kein Auto. Es war fast nicht möglich, mehrere Getränkekästen vor die Studentenbude zu transportieren, es musste eine Lösung her: Die Studenten beschäftigten sich intensiv mit dem Thema, sie tüftelten an praxistauglichen Konstruktionen für den Transport von Getränkekisten mit dem Rad und probierten viel aus. Mit Erfolg: Die erste Version ihres Getränkekastenhalters für Fahrräder nahm Konturen an und stieß auch bei den Freunden auf positive Resonanz, wie sie sagen.

Neben dem dualen Studium arbeitet der 25-jährige Feckl in Preisendorf im Maschinenbau-Betrieb des Vaters, der das richtige Umfeld für die ersten Versuche bot. Die beiden Studenten, der ebenfalls 25-jährige Roglmeier stammt aus Fürstenfeldbruck, haben seitdem Idee und Projekt zu einer Geschäftsidee weiterentwickelt. Seit März lassen sie bei einer Maschinenbaufirma in Regensburg in Serie 500 ihrer "Funcoo" genannten Produkte aus pulverbeschichtetem Edelstahl herstellen, die sie bis Jahresende unter dem Motto "Ride your dreams" verkaufen wollen. Mehr als 200 sind bereits von Unterstützern vorbestellt worden. "Wir sind sehr happy und zufrieden mit der bisherigen Resonanz. Wir glauben, dass wir auf etwas gestoßen sind, das die Leute gut brauchen können", sagte Feckl.

Bis Anfang August wurde ihr Getränkekistenhalter beim Crowdfounding auf der Plattform Kickstart potenziellen Unterstützern mit 20 Prozent Rabatt angeboten, um die Serienfertigung von 500 Exemplaren zu finanzieren. 216 wurden so bestellt und bezahlt. Damit war die Produktion von 500 Stück gesichert. Hans Feckl und Steff Roglmeier hoffen nun, die restlichen Getränkekistenhalter bis Ende des Jahres über ihren online-shop auf www.funcoo.de für je 49 Euro verkaufen und die Produktion 2021 ausweiten zu können. Je mehr Stück hergestellt würden, desto günstiger könne produziert werden, damit bei dem Aufwand für die Gründer "noch ein bisschen was hängen bleibt".

Die Idee für das Produkt, das aus geformten und pulverbeschichteten Edelstahlblech von einer Metallbaufirma in Regensburg produziert wird, hatten sie in München. Die Getränkekästen zu schleppen, sei "eine Katastrophe" gewesen, sagten sie. Im Internet wurde nach Lösungen gesucht, doch die Angebote haben den Studenten nicht gefallen, sie begannen selbst eine möglichst simple, aber praxistaugliche Blechkonstruktion auszutüfteln. Die ersten Exemplare kamen bei Nachbarn und Kommilitonen gut an. Die wollten auch einen Kistenhalter für ihr Rad, erzählt Feckl. Motiviert von der guten Resonanz nahmen die Studenten 2019 am hochschulinternen Ideenwettbewerb teil: Sie erhielten beim Strascheg-Award 2019 den dritten Preis und 2000 Euro Preisgeld. Das Geld investierten sie in die teure Realisierung eines Prototypen ihres Halters für Getränkekästen.

Zudem bewarben sie sich an einem weiteren Förderprogramm der Hochschule, wurden in die Start-up-league aufgenommen und erhalten weitere finanzielle Unterstützung und Beratung durch einen Coach vom Strascheg-Center. Inzwischen fertigt eine Metallbaufirma in Regensburg in Serie die 500 Halter aus gebogenen Edelstahlblech mit Pulverbeschichtung in Anthrazit, die vor Kratzern schützen soll, und verpasst dem Produkt den Logoaufdruck "Funcoo". Über die Internetseite und den Onlineshop unter www.funcoo.de kann das Produkt bestellt werden. Zu sehen ist dort auch, wie junge Leute mit Rädern in der Brauerei Schweiger in Markt Schwaben Getränkekästen mit dem Rad abholen und dann fröhlich durch die Landschaft radeln. Feckl teilte mit, dass der Kistenhalter auf fast jeden Gepäckträger passe und durch zwei verschiebbare, übereinander installierte Bleche an den Gepäckträger des Rads angepasst werden könne.

Auf dem Halter können dann auf beiden Seiten Gewichte bis je 25 Kilogramm transportiert werden, also zwei Getränkekisten. Es sei auch möglich, nur einen Getränketräger auf einer Seite des Rads zu transportieren, ohne die Balance auf dem Rad zu verlieren. Nach der Norm für Fahrrad-Gepäckträger müssen die Träger Feckl zufolge mindestens 25 Kilogramm aushalten. Die meisten europäischen Radhersteller erlauben auf ihren Gepäckträgern aber 50 bis 70 Kilogramm Gewicht. Wenn weniger zugelassen sei, dürfe nur ein Bierträger transportiert werden. Der Getränkekistenhalter hat eine maximale Traglast von 50 Kilogramm. Auch die Breite ist bei zwei transportierten Getränkekisten kein Problem. Die zulässigen 1,5 Meter würden nicht erreicht. "Wir liegen da weit drunter."

© SZ vom 19.08.2020
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