Flughafen/Oberding Flughafen baut Wasserstofftanks

So sieht die Wasserstofftankanlage am Flughafen Stuttgart aus.

(Foto: oh)

Der große Ansturm durch Autofahrer ist zwar nicht zu erwarten, doch für Taxiflotten könnte die umweltfreundliche Anlage durchaus interessant werden. Der Oberdinger Gemeinderat hat das Vorhaben einstimmig befürwortet

Von Regina Bluhme, Flughafen/Oberding

Die Energiewende macht sich am Flughafen München bemerkbar - zumindest am Boden: Die OMV-Tankstelle auf dem Airportgelände soll um eine umweltfreundliche Wasserstoff-Tankanlage erweitert werden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts werden momentan bundesweit 50 dieser Anlagen aufgebaut, sieben davon in Bayern. Die OMV hofft, dass spätestens Anfang April mit dem Bau begonnen werden kann. Noch läuft das Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern. Der Gemeinderat Oberding, auf dessen Flur die Tankstelle liegt, hat kürzlich die Pläne einstimmig befürwortet.

Wie Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU) die Räte informierte, will die OMV Deutschland GmbH ihre Tankstelle an der östlichen Zufahrt zum Flughafen im Rahmen des bundesweiten Projekts NIP erweitern. NIP ist die Abkürzung für Nationale Initiative Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Mit diesem Investitionsprogramm fördert der Bund entsprechende Projekte mit bis zu 48 Prozent der Gesamtkosten. Die Zulassung der Anlage durchläuft gerade das Genehmigungsverfahren durch die Regierung von Oberbayern. Antragsteller ist die Flughafen München GmbH (FMG).

Die Koordination von NIP hat eine vom Verkehrsministerium ausgegliederte Organisation namens NOW GmbH übernommen. Auf der Homepage von NOW ist einsehbar, wie groß das Tankstellennetz für den umweltfreundlichen Kraftstoff ist. Auf einer Deutschlandkarte sind die 20 bereits bestehenden Wasserstofftankstellen eingezeichnet. 50 sind als "im Aufbau" markiert, sieben davon befinden sich in Bayern. Neben der OMV-Tankstelle am Flughafen ist auf der Karte eine weitere Anlage im nicht näher beschriebenen Großraum München geplant, eine an der Münchner Detmoldstraße sowie jeweils eine in Geiselwind, Schweinfurt, Nürnberg und Pentling.

Die OMV erwartet laut Thomas Bauer, Department Manager Communications der OMV Deutschland GmbH, je nach Witterung und Genehmigung den Baubeginn "spätestens Anfang des zweiten Quartals". Die Baumaßnahme selbst werde circa zwölf Wochen in Anspruch nehmen, schreibt er auf Nachfrage der SZ. Ein Eröffnungstermin stehe derzeit noch nicht fest. Über Kosten beziehungsweise Gesamtinvestitionen könne er keine Aussagen machen, erklärt Thomas Bauer, da es sich um ein Forschungsvorhaben handle. Wie er weiter berichtet, hat die OMV im Juni 2009 ihre erste Wasserstofftankstelle in Deutschland am Flughafen Stuttgart eröffnet. Weitere sollen folgen und zwar "schwerpunktmäßig in Deutschland in den Ballungsräumen und/oder an hochfrequentierten Standorten". Daher biete sich die Nähe zu Flughäfen an. Die Anlagen würden "individuell gebaut", ist weiter zu erfahren.

Innerhalb der NIP, die unter anderem auch Projekte im Bereich Haushalte oder Schienenverkehr fördert, haben sich für die Sparte Autoverkehr mehrere Autobauer, Tankanlagenhersteller und Tankstellenbetreiber zur Clean Energy Partnership, kurz CEP, zusammengetan. Insgesamt 19 Partner sind dort vereint, darunter auch die OMV GmbH. Derzeit werde kräftig an Autos geforscht, deren Brennstoffzellen mithilfe von Wasserstoff Strom erzeugen und die somit ohne klimaschädigende Emissionen angetrieben werden, berichtet Claudia Fried, Pressesprecherin der CEP. Die Nachfrage nach umweltfreundlicher Autotechnik steige, doch noch "befinden wir uns im Anfangsstadium", betont sie. "Im Vordergrund stehen jetzt erst mal technische Verbesserungen, die Forschung, der Ausbau eines flächendeckenden Tankstellenetzes". Das große Ziel: 400 Wasserstofftankstellen bundesweit bis zum Jahr 2023. Mittlerweile könne man die Betankung mit Wasserstoff durchaus mit der von Erdgas vergleichen, so Fried. Zwischen drei und fünf Minuten dauere der Tankvorgang mithilfe eines speziellen Tankstutzens. Der große Ansturm durch Autofahrer sei nicht zu erwarten, erklärt die CEP-Sprecherin. Doch für Taxiflotten beispielsweise könnte die umweltfreundliche Tankanlage bald durchaus interessant werden. Durch entsprechende Nachrüstungen könnten Betreiber der gesetzlich geforderten CO₂-Reduzierung nachkommen.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der Wasserstofftankanlage erwartet die Flughafen Betreibergesellschaft nicht. Im Genehmigungsverfahren ist allerdings vorgesehen, den Hochtank und den Anlagencontainer mit einem zwei Meter hohen Stabgitterzaun einzufrieden, "um Vandalismus beziehungsweise Sabotage zu verhindern", sagte Bürgermeister Mücke in der Gemeinderatssitzung.

Für die Feuerwehr am Flughafen werde es keine spezielle Einweisung geben, berichtet FMG-Sprecher Robert Wilhelm: "Das ist nicht der erste Wasserstofftank, den unsere Feuerwehr sehen würde." Laut Wilhelm wurde schon einmal für ein Forschungsprojekt eine Wasserstofftankstelle eingerichtet, damals auf Höhe der Luftpostleitstelle. Drei Jahre lang wurden dort die umgerüsteten Flughafenbusse der FMG mit Wasserstoff betankt. Gerade die Flughafenbusse hätten sich gut für das Pilotprojekt geeignet, erklärt Wilhelm, "weil bei ihnen viele Kilometer pro Tag zusammenkommen und das in einem relativ kleinen Gebiet". Das Projekt ist vor vier Jahren zu Ende gegangen. Seither fahren die FMG-Busse wieder mit Diesel.