Die Gebäudehülle der beiden benachbarten Neubauten steht, auch das Flachdach ist fertig: Die Fischers Wohltätigkeitsstiftung hat nun für ihren Erweiterungsbau in Erding Richtfest gefeiert. Auf dem Grundstück werden weitere 60 Wohnungen gebaut, die für betreutes Wohnen genutzt werden sollen. Für diese Wohnungen gibt es bereits eine lange Warteliste. Hinzu kommen noch zwölf Pflege- und 25 Tagespflegeplätze. Zusätzlich wird noch eine Tiefgarage für Mieter geschaffen. Die Stiftung investiert dafür rund 32 Millionen Euro. Die Wohnungen sollen zu einem sozialverträglichen Preis vermietet werden.
Eineinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung am Stammsitz der Familie Fischer lud die Stiftung erneut ein, um den nächsten Bauabschnitt auf den Weg zu bringen. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), der auch Verwaltungsratsvorsitzender der Wohltätigkeitsstiftung ist, zitierte in seiner Ansprache aus dem Testamentsnachtrag vom 27. September 1886, also vor 140 Jahren, worin das Ehepaar Fischer weitsichtig weitere Gebäude willkommen geheißen hat und festlegte, dass „eine spätere notwendig werdende und durch die Stiftungsmittel erlaubte Beschaffung weiterer Aufenthaltsräume jederzeit zweckentsprechend ausführbar ist“.
Ein „Hotel“, in dem man selbstbestimmt wohnen kann
Die Geschichte und die Wurzeln der Erdinger Wohltätigkeitsstiftung reichen bis in das Jahr 1884 zurück. Das Ehepaar Katharina und Friedrich Fischer, deren drei Nachkommen im Kindesalter verstorben waren, entschloss sich, ihr Vermögen testamentarisch „zum Besten der Armen der ganzen Distriktgemeinde“ in der Fischers Wohltätigkeitsstiftung anzulegen. Angefangen von den Wurzeln des „Distriktaltenheims“ um 1900 über die stationäre Pflege, die Einrichtung der Tagespflege, Fischers Ambulanten Pflegedienst, die Kurzzeit- und Verhinderungspflege bis hin zum Betreuten Wohnen und zum Demenzbereich sei das Fischers Seniorenzentrum „gleichsam zum Vollsortimenter im Bereich der Pflege“ geworden, sagte Landrat Bayerstorfer beim Richtfest. Das Betreute Wohnen bezeichnete er als „Hotel“, in dem man selbstbestimmt wohnen und bei Bedarf auf eine Vielzahl von Unterstützungsleistungen zurückgreifen könne.
Matthias Vögele, der Geschäftsführer der Wohltätigkeitsstiftung, erläuterte, dass man bei den neuen Gebäuden für Betreutes Wohnen insbesondere auch an Paare gedacht habe. Nebeneinander liegende Appartements ließen sich bei Bedarf zusammenschließen, indem man eine Trennwand entferne. So entstehe ein gemeinsamer größerer Raum für beide. Die Nachfrage ist enorm: Bereits beim Spatenstich war rund ein Drittel der 60 Wohnungen reserviert. Mittlerweile gibt nur noch eine Warteliste.
Auch bei den Außenanlagen wird den besonderen Bedürfnissen der älteren Generation Rechnung getragen. Unter anderem entstehen Rundwege, zwei Boulebahnen, eine Kegelbahn und ein kleiner Biergarten als Begegnungsflächen. Mit der Errichtung einer Tiefgarage werden wohnungsnahe Parkplätze geschaffen. In den neuen Gebäuden gibt es ebenso Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Vögele sprach von einer Orangerie, die entstehen werde, sowie einem Restaurant im Bereich der Tagespflege, in dem auch Besucher oder andere Gäste essen können. „Wir wollen eine offene Seniorenarbeit etablieren.“

